04.05.2018 - Vet's Corner 4/18

Vet's Corner 4/18: Für Sie gelesen

Auf Aufzucht- und Mastbetrieben finden zahlreiche KGD-Besuche wegen dem Bestandesproblem „Ohrentzündung“ statt. Bekanntlich handelt es sich bei dieser Symptomatik um Otitis media und es ist auf breiter Basis anerkannt, dass Mycoplasmen bei dieser Erkrankung – zumindest als Wegbereiter – eine Rolle spielen. Ein paar neuere Studien widerspiegeln die Komplexität des Erregers M. bovis.
 

Antimicrobial susceptibility monitoring of Mycoplasma hyopneumoniae and Mycoplasma bovis isolated in Europe

U. Klein et al., 2017
Veterinary Microbiology, 204; 188–193

Aus Belgien, Spanien, Ungarn, Frankreich und Grossbritannien wurden 50 M. hyopneumoniae-Isolate von Schweinen und 156 M. bovis-Isolate von Rindern mittels Mikrodilutationsmethode auf ihre Antibiotika-Sensibilität getestet. Als Fazit geben die Autoren an, dass die MIC-Werte für sogenannte klinische Breakpoints ungenügend validiert und somit die Interpretation sowie die Korrelation zur in vivo-Wirksamkeit unbefriedigend seien.

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Virulence, persistence and dissemination of Mycoplasma bovis

S. Bürki, J. Frey, P. Pilo, 2015
Veterinary Microbiology, 179; 15–22

Dieser Review-Artikel fasst das aktuelle Wissen über die Virulenz von M. bovis sowie über Faktoren bezüglich der Verbreitung und Persistenz dieses Bakteriums zusammen. Die variablen Oberflächen-Proteine von M. bovis wurden intensiv untersucht. Sie sind u.a. für die Adhäsion an die Wirtszelle und somit für die Etablierung der Infektion mitverantwortlich. Andere Virulenzfaktoren wurden bislang weniger untersucht, jedoch versprechen neue molekulare Tools ein besseres Verständnis für die Pathogenese von M. bovis. Beispielsweise scheint die Bildung von Biofilmen im Wirt und in der Umgebung für die Persistenz von M. bovis von grosser Bedeutung zu sein. Die Zerstörung der Wirtszellen durch Wasserstoff (sezerniert durch M. bovis), die Rolle von Co-Infektionen durch andere Mikroorganismen sowie die Modulation des Wirte-Immunsystems sind weitere zu erforschende Faktoren. Die Invasion und das intrazelluläre Überleben von M. bovis tragen vermutlich zur Resistenz gegen antibiotische Therapien sowie gegen die Wirksamkeit von Vakzinen bei.

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Long-term survival of Mycoplasma bovis in necrotic lesions and in phagocytic cells as demonstrated by transmission and immunogold electron microscopy in lung tissue from experimentally infected calves

S. Kleinschmidt, J. Spergser, R. Rosengarten, M. Hewicker-Trautwein, 2013
Veterinary Microbiology, 162; 949-953

Neun Kälber wurden experimentell mit M. bovis infiziert und schliesslich die Lunge elektronenmikroskopisch untersucht. Am häufigsten fanden sich Mycoplasmen extrazellulär in den nekrotischen Lungenbereichen. Die Resultate zeigen, dass M. bovis über lange Zeit in nekrotischem Gewebe präsent ist und dass sich das Bakterium der Phagozytose erwehren kann.
 

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Status of the development of a vaccine against Mycoplasma bovis

J. Perez-Casal, T. Prysliak, T. Maina, M. Suleman, St. Jimbo, 2017
Vaccine, 35; 2902–2907

Trotz zahlreicher Anstrengungen für eine wirksame Vakzine gegen M. bovis seien und blieben die damit verbundenen Erkrankungen schwer zu fassen. Die Autoren schlussfolgern, dass die gegenwärtig verfügbaren Bacterin-basierten Vakzinen aufgrund ungenügender klinischer Wirkung und potenzieller Nebenwirkungen eine allenfalls suboptimale Option darstellen. Es seien weitere Studien notwendig, um die Wirt-Pathogen-Interaktionen zu charakterisieren sowie die möglichen Produkte (durch M. bovis sezerniert) zu erforschen, welche diese Interaktionen zu modulieren vermögen.

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