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30.06.2021 - Vet's Corner 06/2021

Importance of colostrum supply and milk feeding intensity on gastrointestinal and systemic development in calves

Hammon H M, W Liermann, D Frieten, and C Koch

Animal 2020; 14: 133-143.

Die Mortalität von Kälbern in den ersten Lebenswochen liegt in Milchviehherden nach wie vor zwischen 5 und 17 %. In dieser Übersichtsarbeit fassen die Autoren die inzwischen zwar oft beschriebenen, jedoch dennoch auf vielen Betrieben nicht konsequent beachteten Fakten zusammen, gemäss derer eine frühzeitige und ausreichende Kolostrumversorgung sowie eine intensive Fütterung von Milch während der Tränkeperiode bei Kälbern wesentliche Vorteile für das Tierwohl, die Gesundheit und das künftige Leistungspotential der Tiere bringt. Es werden dazu Ergebnisse von Studien der letzten 20 Jahre aufgeführt, welche u. a. folgende positive Effekte der intensiven gegenüber der restriktiven Fütterung in den ersten Lebenswochen aufzeigen konnten:

  • grössere Tageszunahmen resultierend in einem höheren Körpergewicht beim Abtränken aufgrund höherer Muskel- und Körperfettzunahmen;
  • intensiveres Wachstum der Vormägen sowie der Pansenpapillen nach dem Absetzen;
  • schnellere funktionelle Ausdifferenzierung des Dünndarmepithels;
  • früheres Wachstum und Entwicklung der Milchdrüse;
  • Stimulierung der Sekretion des endokrinen Pankreas resultierend in erhöhten Plasmakonzentrationen des Insulins und der Stimulation der somatotropen Hypothalamus-Hypophysen-Achse;
  • niedrigere Konzentration des Akute-Phasen-Proteins Fibrinogens.

Die Autoren auch dieser Übersichtsarbeit betonen, dass eine intensive Milchfütterung, welche direkt nach der Geburt mit ausreichend Kolostrum beginnen und durch ausreichend Milch- oder Milchersatztränke fortgesetzt werden soll (mind. 20 % des Körpergewichts pro Tag), das Wachstum und die Entwicklung der Kälber fördert und Verhaltensstörungen vorbeugt. Sie halten zudem fest, dass die Fütterung von lediglich 4-6 L Milch pro Kalb und Tag tierschutzrelevant ist, da dies nicht den von der Weltorganisation für Tiergesundheit (OIE) vorgeschriebenen Richtlinien entspricht. Diese Richtlinie definiert Tierwohl als Zustand, in welchem das Tier gesund, behaglich, gut genährt, sicher, fähig ist, sein natürliches Verhalten zu zeigen und frei von Schmerz, Angst und Leiden ist.

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A survey of pre-weaning calf management in Norwegian dairy herds.

Johnsen J F, I H Holmøy, A Nødtvedt, C M Mejdell

Acta Veterinaria Scandinavica 2021; 63:20, https://doi.org/10.1186/s13028-021-00587-x.

Ziel dieser norwegischen Studie war es, die Routinen der Fütterung sowie Haltung von jungen Tränkekälbern in Milchviehbetrieben zu evaluieren. Dazu wurde ein Fragebogen an 912 zufällig ausgewählte Milchproduzenten in Norwegen verschickt. Darin wurden Fragen nach der angebotenen Milchmenge für ein Kalb im Alter von drei Wochen, der Anzahl der Fütterungen pro Tag, Einsatz von Milchersatzpulver, Anzahl Wochen der Einzelhaltung von neugeborenen Kälbern und dem Zeitpunkt des Zugangs zu Wasser gestellt. Von 508 Produzenten (56 %) wurden auswertbare Fragebogen zurückgeschickt.

Die durchschnittlich angebotene Milchmenge lag bei 7 L/Tier/Tag mit Angaben zwischen 2 und 15 L pro Kalb und Tag. Demzufolge füttern 61 % der Betriebe geringere Milchmengen als von der norwegischen Beratung vorgeschlagen (d. h. 8 L/Tier/Tag). Tränkeautomaten wurden lediglich auf 6 % aller Betriebe eingesetzt. Die Betriebe ohne Automaten tränkten ihre Kälber pro Tag zweimal (50 %), dreimal (31 %) oder noch häufiger (19 %). Auf den Betrieben, welche Milchpulver einsetzten, wurde dies meist ab dem Alter von zwei Wochen eingesetzt. Auf 16 % der Betriebe hatten die Kälber keinen freien Zugang zu Wasser. Die befragten Landwirte gaben an, ihre Kälber durchschnittlich zwei Wochen einzeln zu halten, obwohl dies gesetzlich bis zum Alter von acht Wochen erlaubt ist.

Die Autoren folgern, dass die angebotene Milchmenge unter der gängigen Empfehlungen liegt, obwohl selbst diese Menge noch tiefer ist, als die meisten Kälber bei ad libitum-Tränke aufnehmen würden. Auch Wasser ist nicht für alle Kälber verfügbar. Die Mehrheit der Kälber wird schon früh in Gruppen aufgestallt, was ein gewisses Bewusstsein für die Bedeutung der Gruppenhaltung zeigt.

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