11.08.2021 - Ohrenentzündungen – hartnäckig und immer wieder?

Wer kennt es nicht? Einzelne Kälber in der Gruppe sind müde und lustlos, sie verweigern zwar die Milchtränke nicht völlig, jedoch ist die Sauggeschwindigkeit reduziert und die Stellung der Ohren wirkt – vor allem im Liegen – zeitweise asymmetrisch. Diese Symptome stehen oft im Zusammenhang mit einer Mycoplasmen-Infektion.
 

Hängt ein Ohr permanent, ist die Mittelohrentzündung so weit
fortgeschrittenen, dass eine vollständige Ausheilung unwahr-
scheinlich ist. Im Kampf gegen Ohrentzündungen empfiehlt sich
ein Strategiekonzept in Zusammenarbeit mit dem/r
Bestandestierarzt:ärztin. Der Kälbergesundheitsdienst (KGD)
unterstützt Sie gerne dabei.


Mycoplasmen sind sehr kleine Bakterien, die auch auf Schleimhäuten von gesunden Tieren leben. Häufig besiedeln sie den Rachenraum und können von dort in das Mittelohr aufsteigen und/oder in die Lunge gelangen. Wenn sich die Mycoplasmen im Übermass vermehren, können sie hartnäckige und schwerwiegende Ohr- sowie Lungenentzündungen verursachen.

Bislang wissen wir, dass ein schwaches Immunsystem und Stressfaktoren eine massive und damit krankmachende Vermehrung von Mycoplasmen begünstigen. Zu den Stressfaktoren gehören beispielsweise die Unterversorgung mit Kolostrum, die ungenügende Versorgung mit Energie über die Milch, eine unzureichende Versorgung mit Vitaminen und Mineralstoffen, das Zusammenführen bzw. das lange Transportieren von Kälbern, die Haltung von vielen Kälber auf engem Raum, ein Befall mit Läusen oder Haarlingen, feucht-warme oder feucht-kalte Wetterbedingungen sowie hohe Temperaturdifferenzen zwischen Tag und Nacht.

Es besteht zudem der Verdacht, dass Mycoplasmen von den Kühen über die Milch auf die Kälber übertragen werden kann; der Infektionsdruck scheint auf den Betrieben sehr unterschiedlich zu sein. Aus diesem Grund findet aktuell ein Pilotprojekt statt, in welchem wir auf 10 Geburtsbetrieben das Erstgemelk von Kühen auf Mycoplasmen untersuchen. Zudem arbeiten wir aktuell auf einigen Betrieben mit einem stallspezifischen Impfstoff; die Resultate sind jedoch noch ausstehend.

Unabhängig von der Situation auf dem Geburtsbetrieb ist der Mastbetrieb sehr häufig mit immer wiederkehrenden Mycoplasmen-Infektionen konfrontiert, wobei sich die Kälber gegenseitig anstecken. In der erfolgreichen Bekämpfung dieser Infektionswellen sind nebst der Reduktion von Stressfaktoren die Früherkennung der Erkrankung und die adäquate Behandlung von einzelnen Tieren sowie unter Umständen der ganzen Gruppe in Absprache mit dem Tierarzt zentrale Faktoren. Ohrentzündungen im Frühstadium zeigen sich in Müdigkeit, angestrengtem Gesichtsausdruck durch starke Kopfschmerzen, zeitweise asymmetrische Ohrstellung und vermehrtem Kratzen hinter den Ohren. Dabei ist die Körpertemperatur nicht oder nur leicht bis 39.5° C erhöht.

Mycoplasmen sind im Labor kulturell nicht so einfach nachzuweisen, da sie sich ausserhalb des Tierkörpers sehr langsam vermehren und schnell absterben. Die Probenentnahme tief in der Nase bzw. Rachenraum mit einem Trockentupfer und die Untersuchung mittels PCR stellen eine Alternative dar.

Autorin: Corinne Bähler, KGD

 

 

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