Vet's Corner 12/2021

Bessere Behandlungserfolge durch die Kombination eines Antibiotikums mit einem Antihistaminikum?

Bruer G. G., Hagedorn P., Kietzmann M., Tohamy A. F., Filor V., Schultz E., Mielke-Kuschow S., Meissner J. (2019): Histamine H1 receptor antagonists enhance the efficacy of antibacterials against Escherichia coli. BMC Veterinary Research 15:55.

Seit einigen Jahren mehren sich Berichte über antibakterielle Effekte von Antihistaminika sowie synergistische Effekte der Kombination eines Antihistaminikums mit einem Antibiotikum. Dies könnte u. a. darauf beruhen, dass verschiedende Bakterien unter spezifischen Rahmenbedingungen Histamin produzieren. Im Rahmen der vorliegenden Studie wurden die Interaktionen zwischen acht konventionell eingesetzten Antibiotika und dem H1-Antagonisten Mepyramin in vitro geprüft. Zum Einsatz kam die sog. Checkerboard-Methode, bei der zunächst die 96 Wells einer Mikrotiterplatte mit definierten Konzentrationen zweier spezifische Coli-Referenzisolate in einem Nährmedium beimpft wurden. Anschliessend wurden steigende Mengen des Antibiotikums bzw. Antihistamins zugegeben und die Platten für 24 Stunden bei 37 °C bebrütet. Anschliessend wurde das bakterielle Wachstum mit einem Mikroplatten-Reader durch Bestimmung der Absorption bei 570 nm erfasst.

Im Rahmen dieser in vitro-Studie wurde das bakterielle Wachstum bei Kombinationen steigender Antibiotikakonzentrationen (waagerecht) mit steigenden Konzentrationen des Antihistamins Mepyramin (senkrecht) geprüft; je dunkler das Feld, desto intensiver das bakterielle Wachstum. NG – no growth, d. h. kein Wachstum


Die Auswertungen ergaben, dass die Kombination des Antibiotikums mit dem Antihistamin zu niedrigeren minimalen Hemmstoffkonzentrationen (MHK) der ColiIsolate führte. Dieser synergistische Effekt war nachweisbar bei Amoxicillin, einem potenzierten Sulfonamid, Colistin, Enrofloxacin, Tetrazyklin und Florphenicol – nicht hingegen bei Gentamicin. Am ausgeprägtesten war der hemmende Effekt der Zugabe von Mepyramin auf das bakterielle Wachstum bei Florphenicol und Colistin. Die Studie zeigt, dass künftig die Kombination von Antibiotika mit Antihistaminika eine Option bei der Behandlung bakterieller Infektionen sein könnte. Eigene empirische Erfahrungen insbesondere bei der Behandlung von Kälbern mit enzootischer Bronchopneumonie unterstützen diese Hypothese. Die Fachliteratur im PDF-Format finden Sie auf unserer Webseite www.kgd-ssv.ch im Mitgliederbereich.

Wir wünschen Ihnen viel Spass bei der Lektüre.

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