Digitaler Briefkasten

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Leserbrief Januar 2022 - Kälbertransporte - so geht es nicht weiter!

Zehntausende Kälber werden jährlich in der Schweiz von Geburtsbetrieben an Händler verkauft, die sie wiederum an Kälber- oder Grossviehmäster verkaufen. Das erfordert zwingend Transporte. Und dass ist das Problem: die Tiere sind zu lange unterwegs, werden umgeladen, durchmischt, sind häufig noch auf Sammelstationen und gelangen schliesslich kalt, hungrig und durstig auf den Mastbetrieb. Vermutlich ebenfalls eine Rolle spielen Betriebsleiter, welche ihre Kälber auch dann verkaufen, wenn sie nicht ganz fit sind. Die einen wohl bewusst, die anderen mangels Zeit oder Fähigkeit, es zu erkennen. Hauptsache weg. Und gesucht sind sie ja.

Ich bin überzeugt, dass wir mit der Digitalisierung gute Möglichkeiten hätten, bei diesem Problem einen grossen Schritt zu machen. Ich sehe auch die Hürden. Man wird ja nach wie vor nicht belohnt, wenn man ein Tier länger behält und es beim Verkauf dann „zu schwer“ ist. Dabei hätten wir heute die technischen Möglichkeiten, das Problem massiv zu entschärfen: dank der Digitalisierung hätten wir die Grundlage, um ein System aufzubauen, wo jeder seine zu verkaufenden Tiere mit den nötigen Parametern erfasst, gewisse Daten wie die Rasse liessen sich sogar automatisiert mit den Daten aus der TVD oder vom Zuchtverband und der Besamungsorganisation einspeisen. Das Gewicht, allfällige Erkrankungen und deren Genesungszustand und Impfungen: Dies liesse sich teilweise ebenfalls automatisiert machen, denn längst gibt es die Möglichkeit, elektronische Behandlungsjournale zu führen, was auch schon öfters genutzt wird. Die Händler könnten die Zusammenstellung ihrer Routen und Gruppen bereits vorab planen – oder der Mäster wählt sie gar selbst aus und der Händler organisiert den Transport. Die Übernahme wird mit dem bald elektronisch verfügbaren Begleitdokument zeitlich ebenfalls erfasst. Die übernehmenden Betriebe könnten im Nachgang die Daten überprüfen und im System erfassen, wenn ein Tier bereits erkrankt ankommt oder andere Angaben nicht stimmen, auch eine Erfassung von Erkrankungen in den folgenden zwei Wochen wäre denkbar. So würde sich rasch ein Bild herauskristallisieren, wer wie gut arbeitet. Mit einem Bonus- / Malus System könnten Tierhalter belohnt werden, welche gesunde Tiere abliefern und die Bemühungen werden auch belohnt – auch und gerade besonders hohe Gewichte der Tränker beim Verkauf, die ja eine besondere Sorgfalt des Geburtsbetriebes zum Ausdruck bringen. Wer nicht gut abschneidet, weiss ebenfalls Bescheid und kann sich entsprechend versuchen zu verbessern – oder wird irgendwann Mühe bekommen, seine Kälber zu verkaufen.

Vermutlich bin ich nicht der Erste, der diese Idee hat. Und ich sehe natürlich auch die Probleme: einige wollen nicht so transparent sein wollen – was aber letztendlich ein Schlüssel zur Problemlösung ist und der Branche am Ende am meisten nützt! Die Händler werden um ihre Einflussnahme fürchten. Die einzelnen Landwirte können so etwas nicht aufbauen – es müsste also jemand aus der Branche den Lead übernehmen: Zuchtverbände und Mästerorganisationen? Der Bauernverband? Barto mit ins Boot holen? Oder preschen Label-Organisationen wie IP- oder Bio-Suisse, der Kälbergesundheitsdienst oder gar ein progressiver Händler vor? Wenn wir das Problem wirklich lösen wollen, dann müssen wir das anpacken – letztendlich können alle nur gewinnen! Auch für die Händler gibt es Chancen und auch da wird derjenige überleben, der sich anpasst und eine gute Dienstleistung anbietet, welche auch künftig unverzichtbar bleibt. So wie heute darf es jedenfalls nicht weitergehen!

Urs Wegmann, Hünikon

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