Eisenmangel vorbeugen - wie machen es die KGD-Mitglieder?

Kälber sollen in den ersten Lebenstagen und -wochen einen guten Start erwischen: ein intensives Wachstum sichert ein gutes Immunsystem und damit eine belastbare Gesundheit, die zügige Organentwicklung und damit eine gute Performance im späteren Leben. Neben der Milchmenge ist dafür auch die Versorgung mit ausreichenden Mengen an Spurenelementen und Vitaminen entscheidend.

Tatsächlich sind aber beispielsweise Eisen, Selen und die fettlöslichen Vitamine A, D und E in Vollmilch kaum vorhanden. Vollmilch ist also nicht – wie man vielleicht annehmen könnte – ein perfektes Futtermittel für Kälber, die sich zügig entwickeln und schnell wachsen sollen! Wir raten deshalb dazu, neugeborene Kälber stets mit einem Kälber-Booster zu versorgen. Das sind Präparate, die mittels Injektor oder Kartusche direkt in das Maul des Kalbes verabreicht werden.

Praktisch jede Futtermittelfirma bietet derartige Booster an, die teilweise zusätzlich noch gesundheitsfördernde Pflanzenextrakte und Probiotika enthalten. Letztere sind z. B. Milchsäurebakterien, die für eine Besiedlung des Darms mit gesundheitsfördernden Bakterien sorgen und damit die Vermehrung von potentiell gefährlichen Infektionserregern verhindern. Alternativ zum Kälber-Booster können Eisen und Selen auch effektiv in Abstimmung mit dem Bestandestierarzt mit Hilfe einer Injektion verabreicht werden. Der Vorteil ist es, dass so die Eisenkonzentration im Blut direkt erhöht wird., während das Eisen bei der Eingabe ins Maul erst noch aus dem Darm in das Blut aufgenommen werden muss.

Angesichts der Bedeutung von Eisen für die Kälbergesundheit wollte der Schweizer Kälbergesundheitsdienst herausfinden, wie üblich die Eisenversorgung der Kälber in der Schweiz ist. Dazu haben wir im Dezember 2021 eine Umfrage unter über 500 konventionell arbeitenden Schweizer Milchvieh- und Mutterkuhbetrieben lanciert. Diese wurden gebeten, einen Fragebogen auszufüllen und zurückzusenden.

Trotz der umtriebigen Vorweihnachtszeit haben wir tatsächlich von 213 Landwirten aus der Ost-, Zentral- und Westschweiz eine Rückmeldung erhalten, und zwar von 166 Milchvieh- und 47 Mutterkuhbetrieben. Neben allgemeinen Betriebsangaben u. a. zur Grösse des Betriebes, der Futtergrundlage, der Region und dem Leistungsniveau wollten wir wissen, welche Futtermittel den Kälbern angeboten werden (d. h. Vollmilch, Milchaustauschertränke oder Joghurttränke) und mit wie viel Milch die Kälber täglich während der ersten drei Lebenswochen erhalten (4-6 L oder 6-8 L oder soviel, wie sie mögen). Auch gefragt haben wir nach der Gesundheit der Kälber während der Tränkeperiode (subjektive Zufriedenheit, Anteil der Kälber mit Durchfall bzw. Kälbergrippe), ob ein Kälber-Booster verabreicht wird oder ob Injektionen mit Eisen, Selen oder beidem routinemässig erfolgen.

Die Ergebnisse sind beeindruckend: tatsächlich verabreichen 61% aller teilnehmenden Milchviehbetreibe einen Kälber-Booster und weitere 22% injizieren ein Präparat mit Eisen. Auf Betrieben mit hoher Milchleistung wurde besonders häufig auf die Verabreichung von Spurenelementen und Probiotika geachtet. Teilweise wurden Booster verabreicht und zusätzlich Eisen oder Selen gespritzt. Das aber erscheint «des Guten zuviel» - zumal eine zu hohe Dosierung der Wirkstoffe auch negative Konsequenzen haben kann. Wir prüften auch, ob Betriebe mit gehäuften Durchfallproblemen weniger häufig Booster bzw. Injektionen einsetzten – das war aber nicht nachweisbar. Es lässt sich schlussfolgern, dass die Verabreichung der Spurenelemente nur ein Puzzleteil von vielen im Zusammenarbeit mit der Tiergesundheit ist.

Erfreulich und ermutigend war die Rückmeldung der Teilnehmer von Milchviehbetrieben, dass bereits fast die Hälfte der teilnehmenden Landwirte mehr als 8 L Vollmilch pro Tag an die Kälber vertränken – die ad libitum-Fütterung setzt sich somit mehr und mehr durch. Angesichts eines Milchkonsums von ca. 10 L Vollmilch täglich bei sehr jungen Kälbern in Mutterkuhhaltung raten wir ausdrücklich von der früher empfohlenen, sehr knappen Tränkung der Kälber mit lediglich 4–6 L Vollmilch ab. Tatsächlich ist das auf nur noch 26 der 166 Milchviehbetriebe die übliche Praxis. Der immer wieder mal zu hörende Einwand, dass ad libitum-getränkte Kälber häufiger Durchfall hätten als restriktiv gefütterte Tiere, liess sich durch unsere Umfrage widerlegen: tatsächlich waren gehäufte Durchfälle auf den Höfen mit hohen täglichen Milchmengen für die Kälber seltener als auf Betrieben mit sehr knapper Milchversorgung. Ganz überwiegend wurde die Versorgung der Kälber mit Booster oder Injektion als zielführend und sinnvoll eingeschätzt.

Auf Betrieben mit Mutterkuhhaltung ergab sich insgesamt ein ähnliches Bild. Die 47 Betriebe hielten im Mittel jeweils 32 Mutterkühe. Dabei berichteten 51.6 % der Landwirte von der regelmässigen Verabreichung von Kälber-Boostern an ihre Kälber, während 12.8 % der Tierhalter Eisenpräparate injizierten. Die Mehrzahl der Befragten erklärte, dass sie die Verabreichung von Spurenelementen für sinnvoll im Hinblick auf die Entwicklung der Kälber betrachten.

Insgesamt brachte die Umfrage zum Ausdruck, dass die Mehrzahl der Tierhalter die besondere Bedeutung der Spurenelementversorgung für die Tiergesundheit und das Wachstum kennt und vorbeugend aktiv wird. Das ist nachdrücklich zu begrüssen und unterstreicht die Bemühungen unserer Milchvieh- und Mutterkuhhalter um eine Optimierung der Kälberaufzucht!

Wie versprochen haben wir unter den Teilnehmern drei Preise ausgelost.

Die glücklichen Gewinner sind:

  • 1. Preis - Fabian Emmenegger, Hochwald 3, 6173 Flühli
  • 2. Preis - Nicolet Yves, Route de Lentigny 21, 1741 Cottens
  • 3. Preis - Bruhin Stefan, Rainhofweg 3, 8862 Schübelbach


Wir gratulieren den Gewinnern und wünschen allen viel Gesundheit und Erfolg weiterhin in Haus und Stall!

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