Rückblick auf Workshop Mastitisdiagnostik mit Volker Krömker

Am 21. und 22. Juni 2022 konnten wir  Volker Krömker als Gastreferenten bei unseren Tagesworkshops in Zürich und Zollikofen begrüssen.  Er ist ein international renommierter Spezialist für Eutererkrankungen mit Schwerpunkt Mastitisepidemiologie und -diagnostik.  Seit 2019 ist er Professor an der Universität Kopenhagen am Departement für Veterinary and Animal Science.

Volker Krömker hat in seinem Beitrag hervorgehoben, dass Mastitisdiagnostik ein wertvolles Instrument in der täglichen Arbeit des Bestandestierarztes ist. Einerseits ist die Kenntnis des beteiligten Erregers wichtig («den Feind kennen), andererseits das Wissen über Verteilung und Vorkommen im Betrieb (z.B. lokale «Hot spots»)

Grundsätzlich unterscheidet man zwischen Kuh-assoziierten Keimen, wie z.B. Staph. aureus, die zwischen Kühen und über das Melken übertragen werden können und Umwelt-assoziierten Erregern, wie z.B. Strept. uberis. Es gibt jedoch auch Situationen, in denen diese Einteilung nicht mehr so klar möglich ist – z.B. bei einer sehr hohen Ausscheidungsrate von Strept. uberis durch eine infizierte Kuh bei warmen und feuchten Verhältnissen oder bei den wenigen Strept. uberis Stämmen, die auch von Kuh zu Kuh übertragbar sind.

Volker Krömker vertritt die Meinung, dass nicht alle Mastitiserreger aus den Betrieben eliminiert werden müssen. Manche Keime können schlicht nicht ausgerottet werden, da sie in der Umwelt weitverbreitet sind.  Der Weg sollte nicht sein, alle Erreger zu eliminieren oder alle Mastitiden zu behandeln, sondern «das Euter dazu zu bringen, dass es weniger anfällig für Euterinfektionen ist». Die Präsenz von gewissen Keimen ist normal..Krömker ist überzeugt davon, dass zum Beispiel Staph. aureus praktisch immer vorhanden sind, aber nicht immer zu Problemen führen. Sanierungen können Sinn machen, sind aber nicht in jedem Fall notwendig. Bei sehr grossen Betrieben sind sie z.T. auch einfach zu kostspielig! Hingegen sollten Euterinfektionen mit Mykoplasmen unbedingt verhindert werden. Auch Mykoplasmen kommen vermutlich auf den meisten Betrieben vor. Diese Erreger sind häufig bei Lungen- und Ohrentzündungen bei Kälbern zu finden. Probleme bei den Kühen deuten meist auf Mängel in der internen Biosicherheit der Betriebe hin. So wird in den grossen Milchviehbetrieben in Ostdeutschland die Übertragung vom Kalb auf die Kuh verhindert, indem das Melkpersonal keinen Kontakt zu den Kälbern hat.   Eine Verschleppung vom Kalb zum Euter wird damit deutlich reduziert. Die momentane Tendenz zur muttergebundenen Kälberaufzucht könnte das Risiko allerdings erhöhen, das Euter mit Mykoplasmen anzustecken.

Volker Krömker äusserte vier Grundsätze zur strategischen Optimierung der Eutergesundheit:

Grundsatz

Handlung

1

Entfernung der entfernbaren Mikroorganismen;

z.B.  Streptococcus agalactiae, Mykoplasmen-Mastitiden

Behandeln und Merzen (betriebs- und tierspezifische Vorgehensweise)

2

Reduktion der reduzierbaren Mikroorganismen;

z.B. Staphylococcus aureus (<5 % der Tiere einer Herde sollten maximal betroffen sein)

Melkhygiene optimieren – Handschuhe, Melkreihenfolge, ein Putztuch pro Kuh, Dippen, Trockenstellen

3

Beherrschung der verbleibenden Mikroorganismen; wenig Umweltmastitiden

Sauber und trockene Umgebung

4

Überwachung der Situation und Reaktion bei Abweichung, zeitliche Kontinuität

Alles im Blick behalten durch gute Dokumentation

 

In Dänemark werden während der laufenden Laktation grundsätzlich keine subklinischen Mastitiden behandelt , ausser es handelt sich um Strept. agalactiae. Bei den Rindern mit erhöhten Zellzahlen oder positivem Schalmtest bei Laktationsstart wird eine Milchprobe untersucht und entsprechend reagiert. Untersuchungen zeigen, dass auch Erstkalbinnen öfter mit Strept. agalactiae oder Staph. aureus infiziert sind.

Im Allgemeinen empfiehlt Volker Krömker die antibiotische Behandlung von klinischen Mastitiden nur bei Infektionen mit Gram-positiven Kokken (z.B. Staph.aureus, Strept. agalactiae, Strept. uberis), . Er betonte, dass in Dänemark hauptsächlich mit Penicillinen erfolgreich behandelt wird. Für die «anderen Staphylokokken», («Nicht- Aureus-Staphylokokken» oder auch «Koagulase-negative Staphylokokken» (KNS)) ist eine Behandlung meistens nicht notwendig. Hier ist noch zu wenig bekannt über die verschiedenen Stämme und deren klinische Bedeutung. Vielfach sind KNS auch Kontaminationen durch die Milchprobenentnahme. Kühe mit Mastitiden durch Gram-negative Erreger (z.B. E. coli) werden in Dänemark nicht antibiotisch behandelt.  Der Schwerpunkt der Behandlung bei deutlichen klinischen Symptomen, wie hohem Fieber und stark geschwollenem Euter, besteht in der Gabe von Entzündungshemmern sowie reichlicher Flüssigkeitszufuhr.

In Dänemark werden aktuell ca. 60% der Kühe antibiotisch trockengestellt. In der Galtzeit heilen viele Infektionen und entzündliche Veränderungen des Eutergewebes aus. Volker Krömker empfiehlt daher,  das Entscheidungskriterium  «Höhe der Zellzahl» für das antibiotische Trockenstellen, den Verhältnissen auf dem Betrieb anzupassen. Auf einem sehr gut geführten Betrieb mit wenig Problemen mit Eutererkrankungen, darf diese Schwelle ruhig etwas höher angesetzt werden, d.h. Betriebe ohne Probleme können den Grenzwert durchaus höher ansetzen (z.B. alle Kühe mit Zellzahlen > 200'000/ml bekommen ein Antibiotikum), während Betriebe mit deutlichen Problemen eher niedrigere Zellzahlen ansetzen sollten (z.B. alle Kühe > 150'000/ml).

Euter- oder Zwischenschenkelekzeme (Intertrigo) sollten verhindert oder konsequentbehandelt werden, da sie Erreger wie Staph. aureus oder Eitererreger wie Trueperella pyogenes beherbergen können.

Tierzukäufe sind ein externes Biosicherheitsrisiko und stellen eine nicht zu unterschätzende Einschleppungsgefahr von Erregern dar. Dies gilt insbesondere dann, wenn die Tiere direkt an Auktionen gekauft werden, da dort häufig viele Kühe von verschiedenen Betrieben mit dem gleichen Melkaggregat gemolken werden. Gleiches gilt nach der Rückkehr von den Alpen im Herbst.

Weniger Behandlung scheint manchmal mehr zu sein! Volker Krömker hob hervor, dass Mastitiden meistens Ausdruck von Schwächen im Arbeitsablauf sind. Langfristig führen nur gute Arbeitsstandards zu einer besseren Eutergesundheit. Insofern stellt die Optimierung von Haltung, Hygiene und Fütterung dazu bei, dass weniger Neuinfektionen auftreten.

Weitere Referenten an diesen Workshops waren Daniel Glauser, Bereichsleiter der Veterinärmedizinischen Diagnostik von Suisselab, Michèle Bodmer, Leiterin der Bestandesmedizin der Vetsuisse Fakultät Bern und Maren Feldmann von Rindergesundheit Schweiz.

Ein großes Dankeschön an alle unsere Referentinnen und Referenten und unsere Sponsoren MSD und Boehringer Ingelheim sowie an alle Teilnehmenden für diese zwei erfolgreichen Tageskurse!

 

 

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