Vet's Corner 9/2022

Braun U, Reif C, Nuss K, Hilbe M, Gerspach C (2020): Clinical, laboratory and ultrasonographic findings in 87 cows with type-4 abomasal ulcer. BMC Veterinary Research (2019) 15:100; https://doi.org/10.1186/s12917-019-1844-6

Veterinary Record Open

Labmagenulcera werden in fünf Stadien eingeteilt. Als Typ 1-Ulcera gelten nicht-perforierende, oberflächliche Schleimhautdefekte ohne nennenswerte Blutung. Auch Typ 2-Ulcera sind nicht-perforierend, allerdings sind hier massive intraluminale Blutungen durch die Erosion eines grösseren Gefässes nachweisbar. Typ 3-Ulcera sind perforierend mit einer fokalen Peritonitis, während bei Typ 4-Ulcera eine Perforation des Labmagens einhergehend mit generalisierter, diffuser Peritonitis aufgrund der Kontamination der Bauchhöhle mit Ingesta nachweisbar ist.

Im Rahmen dieser retrospektiven Studie wurden die klinischen, laborklinischen, sonographischen und pathomorphologischen Befunde bei 87 Kühen im Alter zwischen 2 und 10 Jahren mit Typ 4-Ulcus ausgewertet. Als besonders typische klinische Befunde ergaben sich ein deutlich reduziertes Allgemeinbefinden mit deutlicher Anorexie (100%), injizierten Episkleralgefässen (77%), Pansenatonie (73%), Tachycardie (68%), Tachypnoe (65%), positiven Fremdkörpertests (58%), verminderter Hauttemperatur (53%), Fieber (49%), verminderter Unterdruck in der Bauchhöhle gemäss Befund bei der rektalen Untersuchung (39%), aufgekrümmte Rückenlinie (28%).

Laborklinisch waren auffallend eine Hypokaliämie (72%), Hämokonzentration (69%), Azotämie (56%), metabolische Azidose (49%), Hyperfibrinogenämie (45%), Leukopenie (35%) und Hypoproteinämie (29%). Bei 87% der untersuchten Kühe ergaben sich sonographisch Hinweise auf eine lokale oder generalisierte Peritonitis.  Im Rahmen der Sektion wurde bei allen Tieren ein Typ 4-Ulcus sowie eine generalisierte Peritonitis nachgewiesen; zusätzlich hatten 36 Kühe Typ 1-Ulcera, 6 Kühe hatten Typ 2-Ulcera und eine Kuh hatte ein Typ 3-Labmagengeschwür.

Die Autoren konstatieren, dass bei Typ 4-Ulcera eine Schock-induzierte Hämokonzentration im Unterschied zu Kühen mit Fremdkörpererkrankung typisch ist. Eine korrekte Diagnose allein auf Grundlage klinischer Befunde ist kaum möglich. Die zusätzliche Bestimmung des Hämatokrits und der Serumkonzentration des Gesamtproteins, Sonographie und die Beurteilung der Peritonealflüssigkeit repräsentieren jedoch Optionen, um bei der Mehrzahl der Patienten eine korrekte Diagnose zu stellen und eine möglichst zeitnahe Euthanasie aufgrund der infausten Prognose zu veranlassen.

 

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