Webinar Phytotherapie vom 07.09.2022

Die Phytotherapie soll dann zum Einsatz kommen, wenn das Tier unwohl, aber noch nicht schwer krank ist oder unterstützend zu einer schulmedizinischen Behandlung.

 

Im Beitrag von Michael Walkenhorst vom Forschungsinstitut für biologischen Landbau wurde die Unterscheidung von primären (Fett, Eiweiss und Kohlenhydrate) und den diversen sekundären Pflanzeninhaltsstoffen, welche vermutlich von der Anzahl her im Millionenbereich liegen, erklärt. Aus Pflanzen gewonnene Reinstoffe, wie beispielsweise das Morphin sind keine Phytopharmaka. Phytopharmaka bedeutet immer der Einsatz von Vielstoffgemischen, also pflanzlichen primären und sekundären Pflanzeninhaltsstoffen.

 

Theresa Schlittenlacher hat anschaulich dargestellt, welche Pflanzen in verschiedenen Ländern seit Jahren häufig als Heilpflanzen eingesetzt werden. Diese sind zum Bsp. Ringelblume, Kamille, Brennnessel, Johanniskraut, Arnika, Thymian, Malve, Zwiebel, Hafer und viele mehr.

 

In einer Studie konnte gezeigt werden, dass Kälber, welchen zum Kolostrum und zur regulären Tränke im ersten Lebensmonat Fenchelsamenpulver (3g/Tag) oder Oreganoblätterpulver (30g/Tag) verabreicht wurden, eine signifikant höhere Wachstumsrate und ein selteneres Auftreten von Krankheiten zeigten. Bei Vorkommen einer Krankheit war diese von signifikant kürzerer Dauer als in der unbehandelten Placebogruppe.

Sabine Bosshard ist als Beraterin und Lehrerin am Plantahof tätig zusammen mit Roland Bischof, welcher am Plantahof als Melker und Tierpfleger arbeitet.

 

Praktisch wurde der Einsatz von einigen Arzneipflanzen live demonstriert.

 

Auge

Augentrost/Euphrasia kann als Tee/ Tinktur verdünnt mit Wasser mit einem Schwamm zum Einmalgebrauch lokal am Auge eingesetzt werden.

 

Haut

  • Offene Wunden

Ringelblume/Calendula officinalis als Tee/Tinktur oder als Salbe aus dem Ölauszug zusammen mit Bienenwachs fördert die Wundheilung.

  • Lästlinge

Befallene Tiere werden einmalig mit Schmierseife gewaschen.

Nachbehandlung:

Spitzwägerichtee (bei Juckreiz) zusammen mit einer frischen, gepressten Knoblauchzehe und einigen Tropfen naturreinem Lavendelöl kann den betroffenen Tieren eingesprüht werden. Die Haltbarkeit dieser Mischung ist kurz, daher nur eine Tagesdosis ansetzen.

Wenn die Tiere sich lecken, kann die doppelte Heilwirkung über die Haut und den Magendarmtrakt ausgenutzt werden.

  • Flechten

Heilwerde wird zusammen mit Spitzwägerichtinktur oder hochkonzentriertem Salbeitee (wirkt antimykotisch) oder Obstessig zu einer Paste angemacht, welche mit einem Einwegschwamm aufgetragen wird. Die Paste wird gerne abgeleckt und die doppelte Heilwirkung von innen und aussen kann ausgenutzt werden.

Die Behandlung trocknet die Haut aus, daher soll mit einem Öl nachbehandelt werden (Bsp. Johanniskrautöl).

Meist reichen eine bis zwei Behandlungen.

  • Klauen Verletzungen

Diverse Kräuter wie Frauenmantel, Ringelblume (entzündungshemmend),

Schafgarbe, Alpenblake (abschwellend), Thymian (entzündungshemmend) werden mit dem Wahlholz/Mörser gequetscht, sodass ein feuchtes Pflanzenmus entsteht, das zusammen mit Honig als Verband auf die betroffene Stelle aufgetragen wird.

 

Durchfall

  • Wichtig: Die Phytotherapie kann eine reguläre Rehydratationstherapie nicht ersetzen. Zudem sollte beim Beimischen der Phytopharmaka die Milch möglichst unverdünnt belassen werden.
  • Im Akutfall, bei Verdacht auf Schleimhautschädigung

Einsatz von Gerbstoffdrogen wie Eichenrinde oder Schwarztee (nie in Milch geben!).

Bsp. 1TL Schwarztee/Liter Wasser für 10min kochen lassen (Rind: 1-1.5 Liter/Tag)

Der Schwarztee wirkt dank dem Koffein kreislauffördernd.

Schleimstoffdrogen wie Eibischwurzel, Leinsamen, Flohsamen (als Kaltauszug)

Bsp.: Leinsamen (Rind 50-100g/Tag)

pro 10gr Leinsamen 150ml kaltes Wasser dazugeben

Ganze Leinsamen, wenn eine Wirkung im Darm gewünscht wird (zusammen mit reichlich Flüssigkeit verabreicht), bei Obstipation/Verstopfung.

Einsatz von geschroteten Leinsamen, bei Verdacht auf Labmagengeschwüre.

  • Kamillentee: Faustregel: Wenn’s stinkt! Wirkt entzündungshemmend und krampflösend.
  • Wenn die Schmerzen im Vordergrund stehen, können Kümmel-/Fenchel-/Anissamen eingesetzt werden. Sie wirken stark spasmolytisch.

Bsp. Kümmel: Rind: 25-50g/Tag, direkt verfüttert oder als Aufguss aus 1TL Kümmel und 0.25Lt Wasser oder als Öl (Rind: 15-30 Tropfen)

 

Erkältung obere Atemwege

  • Kamille als Tee als Zwischentränke
  • Kapuzinerkresse, welche als Senföl nur frisch eine Wirkung zeigt. Um diese auch im Winter zur Verfügung zu haben, kann die gesamte Pflanze gemörsert werden. Dabei sollte das saubere Gefäss komplett mit der Pflanze und danach mit Schnaps befüllt werden. Die Mischung lässt man für drei Wochen ziehen.

Die Tinktur kann bei Nasenausfluss in kleiner Menge in die Milch gegeben werden und darf nicht mehr als 2–3-mal angewendet werden

  • Konzentrierter Thymiantee zur Inhalation
  • Frische Tannenäste in der Boxe zur Verfügung stellen

Weitere Informationen zu den einzelnen Pflanzen sind zu finden unter: www.phytoarznei.ch

Unsere Webinare für LandwirtInnen und TierärztInnen finden regelmässig an jedem 1. Mittwoch im Monat statt.

In der nächsten Folge am 5.10.2022 geht es um Labmagengeschwüre bei Kuh und Kalb – unvermittelt, unheilbar, unvermeidbar??

 

Sie können sich dafür jederzeit problemlos und kostenfrei registrieren unter

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Dort können Sie auch die Beiträge aus den vergangenen Webinaren aufrufen.

 

Wir freuen uns aus Sie!

 

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