Rückblick Veranstaltung Diagnostic des mammites

In dieser Fortbildung ist ein sehr interessiertes Publikum auf einen spannenden Referenten gestossen. Olivier Salat beeindruckt durch seine Titel (European College ECBHM, deep studies in milk quality CEAV und weitere), sowie durch seine langjährige praktische Erfahrung in der Auvergne; einem Berggebiet mit kleinen Betrieben, der Schweiz gar nicht unähnlich. Die Anwesenden profitierten von seinem grossen Wissen und seinen Erfahrungen mit Mastitisdiagnostik, aber auch von seiner praxisnahen unkomplizierten und direkten Art. Dies führte zu einem angeregten Austausch zwischen dem Referenten und den Teilnehmenden aus der Nutztierpraxis. Die Anwesenheit der Schweizer Mastitisspezialistin Michèle Bodmer (ebenfalls Dipl. ECBHM) hat ebenfalls zu guten Diskussionen beigetragen.

Kernaussagen von Olivier Salat:

  • Die Untersuchung von Milchproben ist von grosser Bedeutung und Landwirte legen Wert auf schnelle Resultate.
  • Werden Proben eingeschickt, so sollte darauf geachtet werden, dass das Labor einen MALDITOF Apparat besitzt. Dieser steigert Geschwindigkeit und Präzision der Untersuchung und wird zum Beispiel zur Validation eigener Untersuchungen verwendet.
  • PCR hat eine hohe Sensitivität und wird unter anderem zur Bestimmung von schwer kultivierbaren Keimen wie Mykoplasmen verwendet.
  • Schnelltests wie Petrifilm, MastDecide, VétoRapid oder Mastatest können hilfreich sein, haben aber noch eine relativ schlechte Übereinstimmung mit den MALDITOF Resultaten und sind eingeschränkt im Spektrum von detektierbaren Erregern.
  • Die Zukunft könnte präzisen Schnelltests gehören, die auf Phagen oder PCR basieren.
  • In seiner Praxis in der Auvergne werden Milchproben jeden Tag von Tierärzten angesetzt und untersucht nach einem standardisierten Verfahren, basierend auf verschiedenen Nährmedien und biochemischen Tests.
  • Der Redner hat sich dafür eingesetzt, dass man Untersuchungen korrekt durchführen sollte, speziell Antibiogramme müssen einem hohen Standard genügen, um aussagekräftige Ergebnisse zu liefern.

Und was macht man nun mit den Resultaten?

  • Sie helfen Mastitiden gezielt zu behandeln.
  • Nur schwerwiegende und akute Mastitiden (Kuh in Lebensgefahr) brauchen eine unmittelbare antibiotische und/oder systemische Therapie. In den anderen Fällen kann ohne Nachteil für die Heilung 24 Stunden gewartet werden.
  • Während Staphylokokkus aureus und Streptokokken eine schlechte Tendenz zur Selbstheilung zeigen, so heilen 8095 % der nicht schwerwiegenden E.Coli Mastitiden ohne Therapie. Davon abgesehen, gibt es auch Mastitiden ohne bakteriellen Ursprung.
  • Mehrere Studien zeigen den Vorteil einer selektiven Therapie von Mastitiden. Es wird Geld für Antibiotika gespart und es besteht keine Liefersperre.
  • Um abzuschätzen, ob eine Therapie sinnvoll ist, sollten mehrere Faktoren einbezogen werden, wie das Alter der Kuh, die Art des Keims, die Zitzenkondition, die Chronizität der Infektion usw.
  • Eine klare Diagnose erlaubt es, weniger BreitspektrumAntibiotika einzusetzen. Das am häufigsten eingesetzte Antibiotikum in dieser Praxis ist, wie z.B. auch in Skandinavien, Penicillin. Sobald sich der Gebrauch von Breitspektrum-Antibiotika verringert, sinken auch die Resistenzen.
  • Ausserdem erhält man durch regelmässige Milchprobenentnahmen wichtige Informationen über die Betriebssituation.

Verschiedene Schnelltests wurden in einem Workshop vorgestellt und Resultate von Studien mit Schnelltests der Universitäten Bern und Zürich präsentiert. Zusammenfassend gesagt, haben all diese Schnelltests ähnliche Limitationen: Nicht alle Keime werden klar identifiziert. Die Resultate von Milchproben aus der Praxis sind nicht immer ganz eindeutig und nicht so einfach zu beurteilen bei allen Tests. Es braucht Übung und man muss sich der Grenzen bewusst sein.  Es wird versucht, die bakteriologische Untersuchung simpel zu machen, was sie aber nicht ist.

Abschliessend haben Michèle Bodmer und Ramona Deiss (Mitarbeiterin RGS) das Thema Management des Trockenstellens präsentiert und auch Erfahrungen aus Dänemark von Professor Volker Krömker miteingebracht.

  • In Dänemark, wie auch in der Schweiz zwingt das Gesetz zum selektiven Trockenstellen (Verbot von prophylaktischen Antibiotika).
  • Daten von Dagmar Heim (BLV): Die Schweiz ist Spitzenreiterin beim Einsatz von intramammären Antibiotika.
  • Für Kühe mit einer chronischen Mastitis können antibiotische Trockensteller aber hilfreich sein, deshalb gilt es gut auszuwählen, damit diese Option bewahrt werden kann.
  • Zitzenversiegler sind eine gute Alternative, auch weil sie länger als ein Antibiotikum schützen und so die kritische Zeit kurz vor der Abkalbung abdecken.
  • Sehr interessant waren die Daten zur Selbstheilung: 73.4 % Streptokokken, 82.6 % gram + Erreger allg. und 80.8% Staph aureus zeigten nach Daten von Volker Krömker eine mikrobiologische Heilung ohne Therapie.
  • Die meisten Infektionen passieren zwischen der Abkalbung und der ersten Milchprobe. Eine Optimierung verschiedener Faktoren kann dazu beitragen, dies zu verhindern: Dies sind z.B. allgemeine Hygiene verbessern, Hypokalzämie verhindern, Kuhdichte reduzieren, negative Energiebilanz minimieren etc.
  • Die Entscheidung zum Trockenstellen mit oder ohne Antibiotika sollte dem Betrieb angepasst werden und kann sich auf verschiedene Kriterien abstützen: Zellzahl, kuheigene Faktoren (Laktationsnummer, Mastitisvorgeschichte) oder auch bakteriologische Resultate (Milchprobe, Schnelltest). Eine Wegweisung zum selektivenTrockenstellen in der Schweiz findet man im Therapieleitfaden des BLVs (Sachgemässer Antibiotikaeinsatz (admin.ch).

Edith Paradis griff die sehr aktuelle Problematik der Zitzenversiegler auf und hat das Merkblatt von RGS zu Alternativen zum antibiotischen Trockenstellen weiterempfohlen.

  • Die «schwarzen Punkte» im Käse sind optisch unschön, aber gesundheitlich unbedenklich
  • Ein grosser Aufruf geht an die Tierärzte, die Kunden korrekt im Gebrauch von Zitzenversieglern zu schulen. Bei korrekter Applikation in die Zitze (Basis abklemmen!) und korrekter Entnahme der ersten Milch mit dem Versiegler drin, (wiederum Zitzenbasis abklemmen), sollte das Problem gar nicht entstehen.
  • Ausserdem ist Sauberkeit bei der Anwendung oberstes Gebot!
  • Momentan gibt es noch keine äquivalenten Alternativen zu Zitzenversieglern, RGS bleibt aber an dieser wichtigen Thematik dran.

zurück