Mehr Spass im Stall

Die mutterlose Kälberaufzucht in Milchviehbetrieben stellt hohe Anforderungen an das Management. Dabei gilt es nicht nur den Nährstoffbedarf der Kälber zu decken, sondern auch dem arteigenen Verhalten Rechnung zu tragen und entsprechende Bedürfnisse der Kälber zu befriedigen. Die seit einigen Jahren praktizierte ad-libitum Tränke ist auf diesem Weg nicht nur ein wertvoller Beitrag zur entscheidenden metabolischen Programmierung der Kälber, sondern auch eine zielführende Maßnahme zur Annäherung an eine artgerechte oder zumindest tiergerechte Tränke.

Neben der Erfüllung des Saugbedürfnisses durch eine ausreichende Tränkemenge und der Verwendung von Nuggis, die einen hohen Saugwiederstand haben, spielen der Sozialkontakt und das Spiel- und Erkundungsverhalten eine große Rolle. Ein ungestilltes Saugbedürfnis, Reizverarmung und Montonie im Stall sowie Stresssituationen können Verhaltensstörungen und orale Stereotypen auslösen (gegenseitiges Besaugen, exzessives Belecken). Das wirkt sich einerseits nachteilig auf das Tierwohl und andererseits auch langfristig negativ auf die Gesundheit der Kälber aus. Das Angebot von Beschäftigungsmaterial stillen verschiedene der genannten Bedürfnisse von Kälbern.

Es kommen sowohl organische als auch anorganische Materialen zum Einsatz. Neben dem altbewährten Langstroh bieten Nadel- oder Laubholzzweige Kälber die Möglichkeit, diese zu beknabbern oder auch zum Kratzen zu verwenden. Die Veränderbarkeit von organischem Material liefert immer wieder neue Reize für Kälber und sie besitzen eine hohe Attraktivität.

Spielobjekte aus anorganischem Material wie Kunststoffseile, Edelstahlketten, Vollgummispielzeuge, die an der Decke hängend fixiert werden können, animieren die Kälber zum Spielen und bieten den Vorteil, dass sie sehr langlebig, robust und leichter zu reinigen sind. Sie sind allerdings teurer und werden für Kälber schnell uninteressant.

Eine Kombination aus beiden Materialien sind beispielsweise schwingende Raufutterspender, bei denen in von der Decke herabhängenden Säcken oder Bällen verschiedenes Raufutter (Heu, Silage) angeboten werden können. Diese bieten den Vorteil, dass sie einerseits aufgrund der leichten Beweglichkeit als auch durch das Angebot von Futter immer wieder einen Reiz auf die Kälber ausüben.

Welches Beschäftigungsmaterial auf einem Betrieb sinnvoll ist, hängt von den vorhandenen Gegebenheiten ab. Je reizärmer und monotoner das bestehende System aus der Kälberperspektive ist, desto wichtiger ist der Einsatz von passenden Materialien. Hier kann kreativ gestaltet und improvisiert werden. Voraussetzung ist dabei immer, dass das Material gesundheitlich unbedenklich ist und die Kälber keinen Schaden nehmen.

Einen Überblick verschiedener Beschäftigungsmöglichkeiten im Praxiseinsatz bietet eine aktuelle Broschüre, die vom Tierschutz-Kompetenzzentrum erstellt und vom Bundesministerium für Landwirtschaft in Deutschland herausgegeben wurde. Sie steht unter folgendem Link als Download zur Verfügung.

Beschäftigungsmaterial für Kälber - Ein Überblick über unterschiedliche Beschäftigungsmöglichkeiten im Praxiseinsatz | Nutztiere | Landwirtschaft | BLE-Medienservice

 

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