Webinar 4. Januar 2023

Nachhaltiges Parasiten-Management beim Rind
 

Magen-Darm-Strongyliden (MDS), Lungenwürmer und Leberegel – viele Parasiten können die Gesundheit insbesondere von Jungtieren schädigen und erhebliche wirtschaftliche Einbussen verursachen. Die Erreger, deren Wirtspektrum und die Bekämpfungsmöglichkeiten muss man kennen, um effiziente und kostengünstige Strategien für jeden einzelnen Betrieb planen zu können. Hubertus Hertzberg ist seit langen Jahren Fachmann auf diesem Gebiet. Die wichtigsten Schlussfolgerungen zum Parasiten-Management präsentierte er in diesem Webinar.

Parasitismus ist eine äusserts erfolgreiche Lebensform. Mehr als 50 % aller Organismen leben parasitisch. Somit ist klar, dass Weidehaltung unausweichlich mit Parasitenbefall verknüpft ist. Die Problemparasiten bei Weidrindern sind Magendarmstrongyliden (MDS), Lungenwürmer (Dictyocaulus viviparus) und Leberegel (Fasciola hepatica). In diesem Vortrag werden aus zeitlichen Gründen nur die zwei Erstgenannten besprochen.
 

MDS
 

MDS kommen in allen Weidebetrieben und in allen Altersgruppen vor. Klinische Erkrankungen kommen selten und fast ausschließlich bei Jungtieren in der ersten Weideperiode vor. Die Leitsymptome sind Abmagerung, Durchfall und Fressunlust. Der externe Entwicklungszyklus der MDS ist schnell. Innerhalb von drei Wochen entstehen aus den mit dem Kot ausgeschiedenen Eiern die infektiösen Larven (L3). Der Entwicklungszyklus ist temperaturabhängig. Im Winter findet keine Entwicklung statt. Die L3 sind von einer Hülle umgeben, welche sie vor äusseren Einflüssen schützt. Infektiöse Larven können bis zu zwei Jahren auf der Weide überleben. Trotzdem ist die Kontamination der Weide mit Wurmlarven bei Beginn der Weidesaison häufig gering. Erst in der zweiten Hälfte der Weideperiode haben die Jungtiere ein erhöhtes Infektionsrisiko. Berücksichtigt man bei der Bekämpfung der MDS gezielt den Lebenszyklus der Würmer, können Entwurmungsmittel reduziert werden. Durch Vorsorgemassnahmen im Frühjahr kann man die starke Anreicherung von infektiösen Larven im Sommer und Herbst verhindern.

Diagnostik von MDS ist sehr wichtig. In der Kotuntersuchung lassen sich die Eier von MDS einfach nachweisen.

Gegen MDS sind nur drei Gruppen von Anthelminthika (AH) wirksam: Benzimidazole, Imidazothiazole, makrozyklische Laktone. Alle drei Gruppen sind schon lange bei der Bekämpfung gegen MDS im Einsatz. Die AH unterscheiden sich in der Dauer ihrer Wirksamkeit, im Wirkungsspektrum, in den Absetzfristen, im Behandlungsintervall, sowie in ihrer Applikationsart (Injektion, Pour-on, orale bzw. intraruminale Gabe/Bolus). Der AH-Einsatz muss immer situationsangepasst durchgeführt werden, damit Resistenzentwicklungen gegen MDS-Entwurmungsmittel verringert werden können. Bei gesömmerten Tieren können zum Beispiel die vorgegebenen Behandlungsintervalle oft verlängert werden (bestimmen des Infektionsdrucks anhand von Sammelkotproben). Da Benzimidazole eine nur sehr kurze Wirkungsdauer haben, ist es nicht sinnvoll, Jungtiere bei Weidebeginn mit diesem Wirkstoff zu entwurmen. Die Jungtiere müssen zuerst in Kontakt mit den Larven kommen, damit Benzimidazole wirken können. Die Wirkstoffgruppen sollten jährlich gewechselt werden.
 

Bespiel zur Behandlung mit makrozylischen Laktonen:

Folie aus Vortrag von H. Hertzberg

Durch die längere Wirkungsdauer sind die Jungtiere zu Beginn der Alpung geschützt. Die zweite Behandlung ist selten nötig (Diagnostiknachweis). Je höher die Alp liegt, desto kleiner wird der Infektionsdruck. Wichtig ist, dass die rote Linie (Wirkungsdauer) einen Unterbruch hat, damit die Jungtiere eine Immunität aufbauen können. Die Immunität der Jungtiere muss zwingend in der ersten Weidesaison aufgebaut werden.
 

AH-Boli setzen Wirkstoff über einen längeren Zeitraum kontinuierlich oder in Intervallen frei. Der Einsatz von Boli ist dann sinnvoll, wenn ein höherer Infektionsdruck erwartet wird, d.h. bei Jungtieren, die zu Hause bleiben. Bei Jungtieren, die auf die Alp gehen, sollten keine Boli eingesetzt werden. Mit den Boli erreicht man eine Kontaminationsprophylaxe, (es werden nur noch wenige Eier ausgeschieden, die in der Menge keine Gefahr mehr bedeuten), eine Ansteckungsprophylaxe (auf Weiden, wo es schon viele L3 hat, passiert nichts mehr, da die L3 durch das AH abgetötet werden) und eine Immunitätsentwicklung (alle heutigen Boli lassen eine gewisse Grundinfektion zu). Bei reinen Jungtierweiden kann der Bolus anfangs Weidesaison gegeben werden. Bei gemischten Weiden macht es Sinn, den Bolus erst Ende Juni zu verabreichen (guter Schutz bei hoher Kontamination der Weide). Auch beim Einsatz von Boli ist nicht in allen Fällen eine Aufstallungsbehandlung nötig (Diagnostik).
 

Resistenzen gegenüber Anthelminthika (AH) bei MDS
 

In einer sehr kleinen Anzahl sind Resistenzgene bereits vor dem ersten Kontakt mit AH in den MDS vorhanden. Findet man Resistenzen, gelten diese für alle Mittel einer Wirkstoffgruppe. Resistenzen können nicht wieder zum Verschwinden gebracht werden. Um in der Praxis zu testen, ob sich in einem Betrieb bereits eine Resistenz gegen ein AH gebildet hat, kann man den Eizahlreduktionstest durchführen. Man untersucht eine Kotprobe vor der Gabe des AH und 14 Tage nach der Gabe. Wenn keine Resistenz vorliegt, ist die Anzahl der gefundenen Eier in der zweiten Kotprobe um mehr als 90 % reduziert gegenüber der ersten. In der Schweiz haben wir im Moment keine Zahlen über AH-Resistenzen beim Rind. Die Resistenzentwicklung bei Rindern läuft deutlich verzögert ab gegenüber den Resistenzen bei MDS der kleinen Wiederkäuer. Der Hauptgrund dafür ist, dass die Immunitätsentwicklung bei Schafen und Ziegen sehr viel schlechter ist als beim Rind. Somit müssen auch erwachsene Tiere in die Entwurmung miteinbezogen werden, was die Resistenzentwicklung stark fördert. Darum sollten erwachsene Rinder nur nach Durchführen einer Kotuntersuchung behandelt werden, um eine Resistenzentwicklung zu verhindern. Weiter sollte die Behandlungsfrequenz immer dem Betrieb angepasst sein und möglichst tief gehalten werden. Eine korrekte Dosierung der AH ist ebenfalls sehr wichtig.
 

Parasitenkontrolle über das Weidemanagement bei MDS
 

Ziel ist es, eine Erregerverdünnung auf der Weide zu bewirken. Dies erreicht man zum einen mit der Besatzdichte und zum anderen auch mit Schnittnutzung. Hier muss aber erwähnt werden, dass sich die Larven auch sehr weit unten am Grashalm befinden und man mit der Schnittnutzung nur einen Teilerfolg erlangen kann. Sehr wichtig ist auch, dass man Jungtiere in den Weiderhythmus von älteren Tieren integriert, weil so der Infektionsdruck stark reduziert werden kann. Dies zeigt sich deutlich bei Mutterkuhhaltungen, wo Jungtiere nicht routinemässig behandelt werden müssen. Auf reinen Jungtierweiden baut sich ein sehr hoher Infektionsdruck auf. Eine weitere Möglichkeit den Infektionsdruck zu reduzieren, ist ein tierarten-übergreifendes Weidemanagement. Davon profitiert jede Tierart. Und natürlich hilft die Alpung, da je höher die Weiden liegen, der Infektionsdruck deutlich abnimmt.

Biologische Bekämpfung von MDS (nematophage Pilze)

Sporen von nematophagen Pilzen werden täglich übers Futter verabreicht und im Kot ausgeschieden und töten dann die MDS-Larven im Kot ab. Dies führt zu einer deutlich geringeren Weidekontamination mit infektiösen Larven. Im Tier selber haben die Sporen keine Wirkung. In verschiedenen Studien konnte eine sehr gute Wirkung dieser Pilze zur MDS-Bekämpfung gezeigt werden. Leider ist bis jetzt noch kein Mittel mit nematophagen Pilzen in der Schweiz zugelassen. In Australien, Neuseeland und der USA wird bereits ein Mittel eingesetzt.
 

Dictyocaulus viviparus (Lungenwürmer)
 

Erkrankungen mit Lungenwürmern betreffen ebenfalls vor allem Jungtiere, bei fehlender Exposition können aber auch ältere Rinder gefährdet sein. Ein erhöhtes Infektionsrisiko hat man im Spätsommer und Herbst in Verbindung mit feucht-kühlem Wetter. Da es für klinische Symptome (Husten, Kopf nach vorne strecken, schwer atmen) wenig Larven braucht, sind Infektionen auch auf höher gelegenen Weiden möglich. Sie treten meistens im Spätherbst auf. Die Verbreitung der Lungenwürmer ist regional sehr unterschiedlich und kann sich von Jahr zu Jahr ändern. Gründe für dieses Verhalten hat man bis jetzt nicht gefunden. Bei der Kotuntersuchung muss man nach Larven suchen (Baermann-Trichter). Nach einem Erstkontakt entwickelt sich rasch eine gute Immunität. Entwurmungen in der ersten Saisonhälfte decken Lungenwurm-Infektionen mit ab. Behandlungen in der zweiten Saisonhälfte müssen meistens wegen Lungenwurmproblematik durchgeführt werden und nicht wegen MDS. Zur Kontrolle der Lungenwürmer nützt das Weidemanagement leider nichts. In der Schweiz ist immer noch eine Lebendvakzine gegen Lungenwürmer verfügbar, die sehr gut wirkt.

PD Dr. med. vet. Hubertus Hertzberg ist Mitarbeiter am Institut für Parasitologie an der Vetsuisse-Fakultät Zürich
 

Parasiten-Management bei Weiderindern von Eric Meili

Seit 15 Jahren betreibt Eric Meili auf seinem Betrieb Weidemast. Durch seine jahrelange Erfahrung und akribischen Untersuchungen aller Teile seines Betriebes erreicht Eric Meili einen immer besseren Schlachterlös und dies mit reiner Heu und Grassilagefütterung im Winter und Vollweidemast im Sommer. Eric Meili kauft 200 kg schwere Remonten von einem Nachbarbetrieb und mästet diese während maximal 24 Monaten aus. Er vermarktet das Fleisch selbst.

Die Mastrinder sind während der Weidesaison auf Kurzrasenweiden und im Winter in einem Laufstall mit ad libitum Zugang zu Heu, Grassilage, Mineralstoff und Salz. Die Parasitenkontrolle ist bei seinen Weidetieren sehr wichtig, insbesondere bei den Remonten in der ersten Weidesaison. Ziel ist es, eine gute Immunabwehr aufzubauen.
 

Grundlagen zur MDS-Bekämpfung auf Meilis Betrieb
 

Jedes Jahr beginnt der Weidestart auf einer anderen Weide. Die gesamte Weidemastherde wird zusammen geweidet, um ein Ausdünnen der Parasiten zu erreichen. Es wird darauf geachtet, dass die Besatzdichte möglichst tief gehalten wird. Ebenfalls wird jedes Jahr die Schnittnutzung gewechselt. Im Sommer gehen die Mastrinder auf die Alp. Ein weiterer wichtiger Aspekt der Parasitenbekämpfung ist das gute Beobachten der Jungtiere. Im Herbst jeden Jahres wird beim Einstallen eine Sammelkotprobe von 5 Tieren durchgeführt. Falls das Resultat dieser Kotprobe positiv ist, werden die Rinder behandelt.

Kontrolle von weiteren Parasiten

Die Kontrolle des grossen Leberegels fällt auf einem Rindermastbetrieb sehr einfach aus. Anhand der Schlachttieruntersuchung erfährt man sofort, ob die Leber wegen grossen Leberegeln konfisziert wurde. Auf dem Betrieb von E.Meili sind nur ca. 30 % der Lebern befallen.

Der Lungenwurm wird anhand von Symptomen kontrolliert. Sobald ein Jungtier hustet, wird eine Kotprobe genommen und untersucht. Bis jetzt waren auf dem Betrieb alle Proben negativ.

Generell ist ein gutes Tiermanagement eine sehr wichtige Grundlage für das Parasitenmanagement. Alle Tiere werden jeden Monat gewogen, damit der Tageszuwachs überwacht werden kann. Futteranalysen werden von jedem Schnitt gemacht und Salz und Mineralstoffe ad libitum verabreicht. Die sehr guten Zuwachsraten geben E. Meili recht, dass die Bekämpfungsstrategien auf seinem Betrieb stimmen.
 

Eric Meili, Dipl.-Ing. Agr. ETH, Landwirt in Bubikon

Das komplette Webinar und weitere können nochmals angeschaut werden unter: https://www.rgs-sbs.tv

 

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