23.04.2020 - Vet’s Corner 3/2020

Was bringt eine BAL verglichen mit einem tiefen Nasentupfer bei Kälbern mit Rindergrippe? Gibt es Pathogen-spezifische Risikofaktoren bei respiratorischen Erkrankungen der Kälber? Projekt „Freiluftkalb“: Was sind die grossen Vorteile dieses Systems? Lesen Sie mehr darüber im neusten Vet’s Corner!

A deep nasopharyngeal swab vs. nonendoscopic bronchoalveolar lavage for isolation of bacterial pathogens from preweaned calves with respiratory disease

Van Driessche L, B R Valgaeren, L Gille, F Boyen, R Ducatelle, F Haesebrouck, P Deprez, and B Pardon

Journal of Veterinary Internal Medicine 2017; 31: 946-953.

Ziel dieser belgischen Studie war es, bei Kälbern mit respiratorischen Erkrankungen die Resultate der bakteriologischen Kultur und der Überwucherung durch Kommensale zu vergleichen zwischen Proben, welche durch tiefe Nasentupfer (TNT) entnommen wurden und solchen, welche durch eine nicht-endoskopische bronchoalveoläre Lavage (BAL) gewonnen wurden.

Dazu wurden 183 Kälber (114 Fälle und 39 Kontrolltiere) aus 14 Mastbetrieben (Kälber und Grossvieh) beprobt. Kälber wurden mittels einer definierten 4-Punkte-Skala als Fall anhand ihrer klinischen Symptome (Lethargie, Husten, Rektaltemperatur, Nasenausfluss) und einer thorakalen Ultraschalluntersuchung definiert. Bei jedem Kalb wurden sowohl ein TNT entnommen, als auch eine BAL durchgeführt. Dazu wurde zuerst der Naseneingang mit Alkohol gereinigt und dann, im Falle des TNT, ein 16cm langer Nasentupfer vorsichtig bis zum Nasopharynx vorgeschoben und anschliessend in Amies-Medium platziert und ins Labor gebracht. Bei der BAL wurde nach der Alkoholreinigung ein flexibler Katheter medioventral in die Nasenhöhle eingeführt, über Larynx und Trachea vorgeschoben bis in die Bronchien. Dort wurden 20ml steriles NaCl injiziert und sofort wieder aspiriert. Falls nötig, wurde dieser Vorgang wiederholt und dann das Aspirat ins Labor gebracht. Im Labor wurde anschliessend kulturell das Vorhandensein von Pasteurella multocida, Mannheimia haemolytica, Histophilus somni und Mycoplasma bovis ermittelt.

Die Resultate zeigen auf, dass die BAL-Proben deutlich weniger kontaminiert sind als TNT-Proben. Bei knapp 80% der BAL-Proben konnte ein interpretierbares Resultat im Vergleich zu gut 30% der TNT-Proben erzielt werden. Hinzu kommt, dass H. somni aus BAL-Proben häufiger isoliert werden konnte als aus TNT-Proben.

Daraus folgt, dass die einfach in der Praxis durchführbare nicht-endoskopische BAL die bessere Methode ist, um Erreger von respiratorischen Erkrankungen bei Kälbern zu diagnostizieren und die Rentabilität der Bakteriologie deutlich höher ist.

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Pathogen-specific risk factors in acute outbreaks of respiratory disease in calves

Pardon B, J Callens, J Maris, L Allais, W van Praet, P Deprez, and S Ribbens

Journal of Dairy Science 2020; 103: 2556-2566.

Die Autoren dieser Studie aus Belgien versuchten, Pathogen-spezifische Risikofaktoren zu identifizieren für Erreger, welche im Zusammenhang mit respiratorischen Erkrankungen der Kälber (Enzootische Bronchopneumnoie, EBP) auftreten. Dazu wurden 128 Ausbrüche untersucht (29 bei Aufzuchtkälbern, 41 bei Mastkälbern und 58 bei gemischten Gruppen). Von jeder Gruppe wurde eine gepoolte Probe aus nicht-endoskopischer bronchoalveolärer Lavage (BAL) mittels einer semiquantitativen PCR auf 7 Erreger der EBP untersucht (BRSV, PI-3, bovines Coronavirus BCV, P. multocida, M. haemolytica, H. somni und M. bovis). Risikofaktoren wurden anhand von Fragebogen und Daten der Tierverkehrsdatenbank definiert.

Die meisten EBP-Ausbrüche fanden zwischen Oktober und März statt. Einfache virale Infektionen wurden in 58.6% der Fälle nachgewiesen, multiple virale Infektionen in 13.3%. Das BCV war das am häufigsten nachgewiesene Virus (38.4%), gefolgt von BRSV (29.4%) und PI-3 (8.1%). Pasteurella multocida war der am häufigsten nachgewiesene bakterielle Erreger (89.1%), gefolgt von M. haemolytica (41.2%), H. somni (36.4%) und M. bovis (33.3%). Als spezifischer Risikofaktor für den Nachweis von BCV waren der gleichzeitige Nachweis von M. haemolytica, die Herdengrösse und der BCV-Nachweis im Kot von Kälbern im vergangenen Jahr. Eine saisonale Häufung konnte nur bei BRSV ermittelt werden. Weitere mit dem Nachweis von BRSV assoziierte Faktoren waren der Nachweis von PI-3, die Prävalenz von klinisch kranken Kälbern sowie die Anzahl Tage mit respiratorischen Symptomen vor der Beprobung. Neben seiner Assoziation mit BCV wurde M. haemolytica (und auch H. somni) häufiger nachgewiesen bei Gruppen mit mehr als 5 Tieren und bei Tieren, welche Sägemehl als Einstreu hatten. Der Zukauf von Tieren konnte als Faktor für das Vorkommen von M. bovis identifiziert werden.

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Effect of the novel concept “outdoor veal calf” on antimicrobial use, mortality and weight gain in Switzerland

Becker J, G Schüpbach-Regula, A Steiner, V Perreten, D Wüthrich, A Hausherr, and M Meylan

Preventive Veterinary Medicine 2020; 176: 104907.

Dieser Artikel beschreibt den Effekt des neuen umfassenden Managementkonzepts für Kälber, dem sog. „Freiluftkalb“, welches im Rahmen einer grossen Studie an der Wiederkäuerklinik der Vetsuisse-Fakultät an der Universität Bern in Zusammenarbeit mit IP-SUISSE und dem Migros-Genossenschafts-Bund entwickelt wurde.

Dieses Konzept wurde in 19 Kälberherden (Versuchsbetriebe) umgesetzt und mit 19 traditionell gehaltenen Herden (Vergleichsbetriebe) in der gleichen Region verglichen. Die Vergleichsbetriebe folgten den IP-SUISSE Richtlinien und verfügten unter anderem über Ställe mit Zugang zu einem unbedeckten Auslauf. Von den an der Studie beteiligten Versuchsbetrieben wurden Kälber von benachbarten Betrieben zugekauft und direkt ohne Kontakt mit anderen Kälbern angeliefert und eingestallt. In den Versuchsbetrieben lebten sowohl zugekaufte wie auch auf dem Betrieb geborene Tiere zuerst 3 Wochen im Freien in Einzeliglus mit Sichtkontakt zu Artgenossen – im Sinne einer Quarantäne – und wurden intranasal geimpft. Später kamen sie in kleine Gruppen von maximal 10 Tieren, ebenfalls im Freien, in ein Gruppeniglu mit einem überdachten, eingestreuten Auslauf. So konnten sie sich im geschützten Auslauf an der freien Luft aufhalten und waren weniger Erregern und Schadgasen ausgesetzt. Jeder Betrieb wurde während einem Jahr monatlich besucht und Daten bezüglich Gesundheit, Behandlung und Produktion wurden gesammelt.

Die durchschnittliche Behandlungsintensität (gemessen mit der defined daily dose-Methode) war bei Versuchsbetrieben 5.3-fach geringer, die Mortalität 2.1-fach geringer als bei den Vergleichsbetrieben. Die durchschnittlichen Tageszunahmen unterschieden sich nicht zwischen Betrieben.

Aus diesen Ergebnissen lässt sich ableiten, dass die Implementierung von relativ einfachen Methoden zur Minimierung von Risikofaktoren eine drastische Reduktion der Behandlungsintensität und Mortalität in Mastbetrieben ermöglicht, ohne dabei die Tiergesundheit oder die Tageszunahmen negativ zu beeinflussen.

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