28.05.2020 - Vet's Corner 5/2020

Ist es aktuell schon möglich gegen Parasiten, abgesehen vom Lungenwurm, beim Rind zu impfen? Wie sieht der Stand der Forschung hierzu aus? Ist es möglich eine Dictyocaulose auf Herdenebene zu diagnostizieren? Welche diagnostische Methode ist die zuverlässigste zur Diagnose eine Fasziolose? Mehr zu dieser spannenden Thematik hier…

Helminth Vaccines in Ruminants
From Development to Application

Claerebout E, P Geldhof

Vet Clin Food Anim 2020; 36:159–171.

Auf Grund der steigenden Anzahl an Resistenzen gegen Antihelmintikagruppen wird die Forschung nach möglichen Impfstoffen vorangetrieben. Aktuell sind nur wenige Impfstoffe gegen Parasiten auf dem Markt. Bei Rindern ist aktuell weltweit nur ein Impfstoff erhältlich; jener gegen Dictyocaulus viviparus. Aktuell wird intensiv an einem Impfstoff gegen Fasciola hepatica geforscht. Das Auffinden der korrekten Antigene, die eine protektive Immunität im Wirt hervorrufen ist die grösste Herausforderung in der Entwicklung eines wirksamen Impfstoffes.

Der Impfstoff gegen Fasciola spp. erzeugte in Versuchen signifikante Schutzlevels, welche jedoch aktuell aus bisher noch unbekannten Gründen von Tier zu Tier sehr schwanken.

Beim aktuell erhältlichen Impfstoff gegen Dictyocaulus viviparus werden dem Wirt zwei mal 1000 lebende, bestrahlte Larven (L3) oral verabreicht mit einem Abstand von etwa 4 Wochen. Die gesamte Impfung sollte spätestens zwei Wochen vor dem ersten Weidegang abgeschlossen sein. Geimpfte Tiere sollen frühestens 2 Wochen nach der zweiten Impfung mit Anthelmintika behandelt werden. Die Impfung kann ab einem Alter von 8 Wochen durchgeführt werden. Die induzierte Schutzwirkung ist gut. Der Impfstoff hat jedoch den Nachteil, dass für die Impfstoffherstellung lebende Tiere verwendet werden müssen und dass der Impfstoff nicht lange haltbar ist.

Die Sicherheit eines Impfstoffes ist die wichtigste Anforderung, weshalb die Entwicklung eines neuen Impfstoffes auch so viel Zeit benötigt. Ein zusätzliches Problem stellt sich mit der Haltbarkeit eines Impfstoffes, welche stark von der parasitären Entwicklung abhängt und von der Anpassungsfähigkeit des Parasiten an die Immunantwort der Wirte auf die Impfung.

Mehr dazu

A novel pooled milk test strategy for the herd level diagnosis of Dictyocaulus viviparus

McCarthy C, J Höglund, R Christley, M Juremalm, I Kozlovac, R Smith, J van Dijk

Veterinary Parasitology 2019; X: 100008.

Aktuelle diagnostische Methoden zur Erkennung von Dictyocaulus viviparus in Kuhherden waren bisher alle wenig sensitiv, wenn sie auf Antikörperlevels in der Tankmilch beruhten. In der vorliegenden Studie wurde eine neue Technik zur Erkennung und Bestätigung einer Dictyocaulose basierend auf gepoolten Einzelmilchprobe von 10 zufällig ausgewählten Erstkalbinnen geprüft. Die Studie wurde in zwei Phasen aufgegliedert. In einer ersten Phase wurde die Infektionsdynamik in Milchproben während der Weidesaison überprüft. Dazu wurde ein Prototyp ELISA (entwickelt durch Boehringer Ingelheim, Uppsala) verwendet. Es wurden 231 Tiere getestet, wovon 69 Tiere in der ersten Laktation waren. Insgesamt wurden 501 Einzelmilchproben gezogen. Es konnte festgestellt werden, dass signifikant höhere Werte von D. viviparus-Antikörper (?) bei gepoolten Milchproben von 10 Erstkalbinnen im Vergleich zu älteren Kühen dokumentiert werden konnte (0.13 versus 0.07, P < 0.001). Ein positives Resultat der gepoolten Erstlaktierendenmilchprobe war in einer positiven Herde 14.7 mal wahrscheinlicher als in einer negativen. Daraus wurde der Schluss gezogen, dass es sinnvoll ist, gepoolte Milchproben von Erstkalbinnen zu ziehen.
In einer zweiten Phase wurde der gepoolte Milchtest unter Feldbedinungen in 50 Milchviehherden in UK (25 weidend, 25 nicht weidend) evaluiert. Der Höchstwert der optischen Dichteverhältnisse der gepoolten Milchprobe von 10 Erstkalbinnen war optimal mit einem Wert von 0.16. Das Poolen von 10 Erstkalbinnen führte zu einer Sensitivität von 66.7% und einer Spezifität von 95.5%. Im Vergleich dazu konnte in gepoolten Milchproben der gesamten Herde eine Sensitivität von 37.5 % und eine Spezifität von 63.6% mit einem ODR cut-off (Höchstwert) von 0.18 erreicht werden. Somit konnte in dieser Studie eine verlässlichere Methode für ein Herden-Screening auf D. viviparus aufgezeigt werden. Es wird von den Autoren empfohlen, eine Kuhherde im Herbst routinemässig, unabhängig einer allfälligen Symptomatik, zu testen. So wäre bekannt, ob der Parasit in der Herde zirkuliert und allfällige Schutzmassnahmen für die kommende Weidesaison (Impfung, Antihelmintika) könnten frühzeitig geplant werden.

Mehr dazu

Comparative assessment of faecal diagnostics for detection and predictive modelling of endemic Fasciola hepatica infection in sheep and cattle on Australian farms

George SD, AJ George, PF Rolfe, DI Emery

Veterinary Parasitology 2019; X: 100001.

Koproantigen ELISA wird zur Diagnose und Überprüfung der Therapieeffizienz einer Fasziolose bei Rind und Schaf empfohlen und stellt eine Alternative zur Leberegeleizählung dar. In früheren Studien konnte gezeigt werden, dass eine zweimalige Prüfung mittels Koproantigen ELISA eine Woche und 6 Wochen nach der Medikamentengabe die Therapieeffizienz verlässlicher zu überprüfen vermag.
In einer Feldstudie wurden die Eignung von Leberegeleizählung im Kot und ELISA auf australischen Schaf- und Rinderfarmen verglichen. Ein Jahr lang wurden monatlich Sammelkotproben von drei betroffenen Farmen gesammelt und mittels beider Methoden analysiert. Es konnte eine signifikante Steigerung der Sensitivität nachgewiesen werden, wenn beide Tests zusammen angewendet wurden. Die Übereinstimmung der beiden Tests war beim Rind höher als beim Schaf trotz der schlechten Sensitivität der Leberegeleizählung.

Mehr dazu

zurück

Empfohlene Einträge

Werden Sie jetzt Fördermitglied,
Gönner oder Kollektivmitglied

Veranstaltungen

News-Archiv

Anmeldung Newsletter

Newsletter-Archiv