23.06.2020 - Vet’s Corner 6/2020

Welche Faktoren begünstigen das Entstehen einer Zwillingsträchtigkeit? Lässt sich eine Zwillingsträchtigkeit mittels PSPB-Messung diagnostizieren? Die Antworten auf diese Fragen finden Sie im Folgenden.

Andreu-Vázquez C, Garcia-Ispierto I, López-Gatius F

Photoperiod length and the estrus synchronization protocol used before AI affect the twin pregnancy rate in dairy cattle

Theriogenology 2012, 78, 1209-1216.

Diese spanische Studie befasste sich mit tier- und umweltspezifischen Faktoren, die die Wahrscheinlichkeit einer Zwillingsträchtigkeit (ZT) bei Milchkühen beeinflussen. Spezielles Augenmerk wurde auf den Einfluss von hormonellen Therapien vor der künstlichen Besamung (AI) gelegt.

Dazu wurden von Juli 2010 bis Juli 2011 insgesamt 2‘015 trächtige Kühe untersucht. Bei 361 (17.9%) handelte es sich um eine ZT oder Drillingsträchtigkeit (n=43). Die ZT-Rate variierte zwischen den Herden von 12.4 und 23.9%. Das Risiko einer ZT nach AI war reduziert, wenn die AI während den warmen Monate (Faktor 0.65) und bei zunehmenden Tageslichtlängen (Dez.-Juni; Faktor 0.71) durchgeführt wurde. Die Wahrscheinlichkeit einer ZT war erhöht bei zunehmenden Laktationszahlen (jeweils um den Faktor 1.11), nach Einsatz der PRID-Spirale in Kombination mit 500 oder 750 IE eCG (Faktor 4.57 bzw. 6.33), bei Tieren, welche aufgrund einer Ovarialzyste mit PG behandelt worden waren (Faktor 2.39), bei Tieren mit zweimaliger PG-Behandlung vor AI (Faktor 1.94) und bei Tieren, welche schon zuvor Zwillinge geboren hatten. Keinen Einfluss hatte die Anzahl der Laktationstage zum Zeitpunkt der AI, Milchfett- und Milchprotein-Gehalt, die Anzahl der Besamungen, der verwendete Stier bei AI, die Laufaktivität am Tag der AI, eine GnRH-Injektion vor der AI, eine Totgeburt in vorhergegangenen Laktationen oder verlorene ZT in der laufenden Laktation.

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Szelényi Z, Balogh O G, López-Gatius F, Garcia-Ispierto I, Krikó E, Gábor G

Is twin pregnancy, calving and pregnancy loss predictable by serum pregnancy-specific protein b (PSPB) concentration 28-35 days after AI in dairy cows?

Acta Veterinaria Hungarica 2018, 66, 451-461.

Die Autoren dieser spanisch-ungarischen Studie halten zunächst fest, dass Zwillingsträchtigkeiten (ZT) weltweit zunehmen. Diagnostiziert werden diese meist mittels Ultraschall zwischen dem 28. und 34. Tag nach der künstlichen Besamung (AI). Das Risiko eines Trächtigkeitsverlustes im ersten Trimester ist bei Tieren mit ZT drei- bis neunmal höher als bei Einlingsträchtigkeiten. Das „pregnancy-specific protein B“ (PSPB) ist ein guter Indikator sowohl für Trächtigkeit als auch für Trächtigkeitsverlust.

Ziel dieser Studie war es, PSPB-Serumkonzentrationen von 7’300 Kühen 29-35 Tage nach AI zu erfassen und zum anderen den Vorhersagewert von PSPB-Serumkonzentrationen in Bezug auf ZT und Trächtigkeitsverluste bei 98 Tieren zu überprüfen.

Von den untersuchten Tieren wiesen 7% eine ZT auf. Obwohl Hormonbehandlungen oft als Hauptursache für ZT genannt werden, konnten die Autoren das in dieser Studie nicht bestätigen. Die einzige Ausnahme bildete die einmalige PG-Injektion, welche die Wahrscheinlichkeit für eine ZT signifikant erhöhte. Die Milchleistung hatte keinen Einfluss auf die Wahrscheinlichkeit einer ZT, diese nahm jedoch bei steigender Laktationszahl zu. Ebenfalls signifikanten Einfluss hatte der eingesetzte Stier, dessen Vater und Grossvater sowie der Vater der Kuh. Bei Tieren mit hohen PSPB-Serumkonzentrationen (> 3 ng/ml) wurden häufiger ZT nachgewiesen. Es konnten jedoch lediglich unterschiedliche (2.1 bzw. 2.9 ng/ml), nicht aber statistisch signifikante PSPB-Serumkonzentrationen gemessen werden bei Kühen mit ZT im Vergleich zu Tieren mit Einlingsträchtigkeiten. Die Autoren sehen einen möglichen Grund in der geringen Anzahl geprüfter Kühe sowie im möglichen Effekt der Milchproduktion auf den PSPB-Wert.

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