18.09.2020 - Vet's Corner 9/2020

Aborte und Totgeburten verursachen grosse wirtschaftliche Verluste in der Viehzucht. Die Aufarbeitung ist häufig mühselig und unbefriedigend, weil das auslösende Agens nur selten diagnostiziert werden kann. Welche Erreger können am häufigsten diagnostiziert werden? Wie kann die Diagnose eines Leptospirenabortes vereinfacht werden?
 

Diagnostic studies of abortion in Danish cattle 2015 -2017

Wolf-Jäckel GA, MS Hansen, G Larsen, E Holm, JS Agerholm, TK Jensen
Acta Vet. Scand. 2020; 62:1.

Aborte sind die Hauptquelle von wirtschaftlichen Verlusten in der Viehzucht. Es gibt eine Vielzahl an Abortursachen. Infektionen werden am häufigsten diagnostiziert. Eine Vielzahl an Bakterien, Protozoen, Viren und Pilzen können ursächlich beteiligt sein.

In dieser Studie (im Zeitraum Januar 2015 bis Juni 2017) wurden insgesamt 9 Totgeburten und 153 Aborte makroskopisch, histologisch und mittels bakterieller Kultur untersucht. 33% der Aborte fanden im mittleren Trimester statt und 67% der Aborte im letzten Trächtigkeitstrimester. Das Serum des Muttertiers wurde auf BVD- Antikörper getestet.

In 53 Fällen (33%) konnte eine infektiöse Ursache für den Abort oder Totgeburt gefunden werden. Die häufigste Ursache war die Protozoen Infektion mit 31 Fällen (19%), welche vereinbar ist mit einer Neosporose. Es konnte in allen 31 Tieren eine nicht-eitrige interstitielle Myokarditis festgestellt werden. Dazu kam eine nicht-eitrige Hepatitis (26 Fälle) und einer fokaler nekrotisierender Enzephalitis. In 19 Fällen konnte eine bakterielle Ursache für den Abort gefunden werden. Hierbei konnten Trueperella pyogenes (5 Fälle, 3%), Staphylococcus aureus (3 Fälle, 2%), nicht hämolytischen Escherichia coli (4 Fälle, 2%) und Listeria monocytogenes (2 Fälle, 1 %) gesehen werden. Andere bakterielle Ursachen wie Bacillus licheniformis, Streptococcus spp., Klebsiella pneumonieae, Aeromonas spp. und L. garvieae konnten in je einem Fall nachgewiesen werden.
In 38% der Fälle konnten makroskopisch an der Plazenta oder an den fetalen Organen Entzündungsanzeichen gesehen werden, ohne dass jedoch eine spezifische infektiöse Ursache nachgewiesen werden konnte.
Brucelle spp und BVD-Antikörper konnten nie nachgewiesen werden. Über den gesamten Zeitraum stammten in 92% der Fälle weniger als drei Aborte/Totgeburten von einem Betrieb.

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Laboratory Diagnosis of Bovine Abortions Caused by Non-Maintenance Pathogenic Leptospira spp.: Necropsy, Serology and Molecular Study Out of a Belgian Experience

Grégoire F, R Bakinahe, T Petitjean, S Boarbi, L Delooz, D Fretin, M Saulmont, M Mori
Pathogens 2020; 9: 413.

In dieser Studie wurden 116 Aborte im Zeitraum 27. August 2014 bis 15. Juni 2015 makroskopisch, mittels MAT, DNA Extraktion und Real-Time PCR auf Leptospirose spp. untersucht. In dieser Zeitspanne konnten überdurchschnittlich viele Fälle von Gelbsucht bei Rinderfeten in Belgien festgestellt werden. Es wurden Aborte mit ikterischen Feten und makroskopisch unauffälligen Feten in die Studie aufgenommen. Alle Feten wurden makroskopisch nach einem definierten Standartverfahren untersucht. Eine MAT wurde aus der fetalen Pleuralflüssigkeit und vom Serum des Muttertieres gemacht. Eine DNA Extraktion und eine Real Time PCR wurde aus einer speziell aufbereiteten homogenen Organmazeration (Milz, Plazenta, Nieren, Nebennieren, Leber, Lunge, Hirn, Leberlymphknoten) durchgeführt.
Die bovine Leptospirose ist eine bakterielle, potentiell zoonotische Erkrankung, die durch Leptospira spp. verursacht wird. Es sind über 300 Serovare und 64 Genomspezies beschrieben, wovon 37 als pathologisch beschrieben sind.
Leptospiren Infekte sind als klinisch unauffällig beschrieben, wenn nicht-pathogene Leptospiren spp beteiligt sind (Icterohaemorrhagiae, Hebdomadis, Grippotyphosa, Canicola). Diese Infektionen werden indirekt und selten durch direkten Kontakt mit einem infizierten Wird oder einem Wildtierreservoir übertragen. Auf der anderen Seite können Kühe als Hauptreservoir für L. Borgepetersenii Serovar Hardjobovis, L. Interrogans serovar Hardjopajitno und L- kirschneri serovar Grippotyphosa gelten. In diesem Falle erfolgt die Infektion über Urin, Milch oder Fruchtwasser. Die typischen klinischen Symptome einer akuten Infektion wie hohes Fieber, hämolytischer Anämie, Ikterus und vermindertem Allgemeinzustand werden selten gesehen. Viel häufiger kommen Fruchtbarkeitsstörungen, Aborte, Totgeburten, Kümmerer und eine reduzierte Milchleistung vor.

Die 116 Aborte fanden vom 3. Bis zum 9 Trächtigkeitsmonat mit einer Häufung im letzten Trimester statt. In 52 Fällen konnte Ikterus, in 59 Fällen Splenomegalie, in 40 Fällen eine Kupferfarbene Leber und in 59 Fällen eine perirenale Hämorrhagie gesehen werden.
Es konnte ein signifikanter Zusammenhang zwischen einem seropositiven Resultat und der Präsenz von Ikterus, Milzvergrösserung oder kupferfarbiger Leber gesehen werden.
Bis anhin wurde die makroskopische Untersuchung der Aborte nicht in die Diagnostik der Leptospirose berücksichtigt.
Es konnte gesehen werden, dass ein signifikanter Zusammenhang zwischen einem positiven Resultat und den folgenden makroskopischen Symptomen bestand: Ikterus als Zeichen einer akuten Leptospiroseinfektion, Vergrösserung der Milz und kupferfarbene Leber.

Es konnte gezeigt werden, dass die makroskopische Untersuchung von Feten ein wichtiges Tool zur Diagnose eines Leptospiren Abortes darstellt.

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