26.10.2020 - STS-Tagung: Mehr Tierwohl am Markt

STS-Tagung: Mehr Tierwohl am Markt

Neben der Politik nehmen Kommunikation und Marketing einen bedeutenden Stellenwert für die künftige Positionierung von Tierwohl in unserer Gesellschaft ein. Doch wie kann Marketing und Konsumentenforschung den Absatz von Tierwohl-Labels unterstützen und damit den Kauf zur Norm machen? Ausgewählte Experten erläutern zum diesjährigen STS-Thema „Mehr Tierwohl am Markt“ politische Ansätze und Vermarktungsstrategien. Politische Instrumente, Massnahmen am Verkaufspunkt, gemeinsamem Markenaufbau mit Konsumenten und Storytelling sind dabei wichtige Instrumente.

Die diesjährige STS-Tagung konnte aufgrund der aktuellen Corona-Situation nicht durchgeführt werden. Da die Thematik für unsere Branche von zentraler Bedeutung ist, haben wir für Sie fünf Experten-Referate zusammengestellt, welche wir als besonders relevant erachten.

Der Schweizer Tierschutz (STS) betont, dass nur durch die einzigartige Kombination von gesetzlichen Mindestanforderungen, der gezielten Abgeltungen von Mehrleistungen der Bauern, Verkaufsanstrengungen am Markt in der Schweiz bereits einiges im Bereich Tierwohl erreicht werden konnte. Dieses System funktioniere jedoch nur in gegenseitiger Ergänzung optimal: Eine zu starke Abschwächung des einen Bereiches führe automatisch zu einer Abschwächung des Gesamtsystems. Aktuell scheinen in verschiedenen Bereichen die Marktzahlen für tiergerecht erzeugte Produkte zu stagnieren oder gar rückläufig zu sein. Dies, obwohl Nachhaltigkeit und Tierwohl in Konsumentenbefragungen weiterhin ein hohes Interesse ausweisen. Liegt dies daran, dass Konsumenten von der Bedeutung des Tierwohls bei der Produktion überzeugt sind, sich aber beim Konsum konträr verhalten? Oder liegt es vielmehr an der Fülle von Herkunftsbezeichnungen und Marken? Welche Rolle spielen dabei Detailhandel und Politik? Eines scheint gemäss STS-Geschäftsführer Cesara Sciarra klar: «Nur Landwirte, die finanziell Bewegungsfreiheit für Verbesserungen im Stall und in der Tierhaltung haben und die wissen, dass sie für ihre Arbeit Wertschätzung erhalten, sind in der Lage, auch den von ihnen gehaltenen Tieren bessere Lebensbedingungen zu geben. Und nur motivierte Bauern sind mit ihrer Arbeit auch in der Lage, das Vertrauen der Bevölkerung in die Landwirtschaft aufrecht zu erhalten oder wieder zu gewinnen.»

Wie bringt man respektvoll produzierte tierische Produkte an die KonsumentInnen

Dorothea Schaffner, Professorin für Wirtschaftspsychologie erläutert wie man respektvoll produzierte tierische Produkte an die KonsumentInnen bringt. Die Werbe- und Konsumentenpsychologie hat dabei immer auch das Ziel, das Konsumentenverhalten wie hier insbesondere die Einstellungs-Verhaltensdiskrepanz unter dem Begriff „Tierwohl-Paradox“ zu verstehen und dabei die Fragen vor Augen, welche konkreten Gestaltungsoptionen Erfolg versprechen. Eine zentrale Massnahme sieht Schaffner am Verkaufspunkt, welche den gesellschaftlichen Veränderungsprozess dahin gehend unterstützt, dass der Kauf von respektvoll produzierten tierischen Produkten die Norm wird.

Mehr dazu

Transparente Produktionswege und ehrliches Marketing für tierische Produkte

Dem Wertewandel der Konsumentenbedürfnisse soll im Marketing mehr Bedeutung zukommen, betont Jörg Reuter, Inhaber Grüneköpfe Strategieberatung aus Berlin. Bedürfnisse nach Gesundheit und Selbstoptimierung, Regionalität und Re-Connection, Nachhaltigkeit und Verantwortungsübernahme sollen dabei gezielt genutzt werden. Lösungswege sieht Reuter dabei in gemeinsamen Marken-Initiativen, welche insbesondere mit Konsumenten geschaffen werden sollen. Zudem ist das Storytelling ein wichtiges Instrument für höchste Tierwohlstandards, wenn es darum geht, Labels mit emotionaler Nähe wie etwa der Haltung und Exzellenzen der Erzeuger zu koppeln und damit eine entsprechende Zahlungsbereitschaft der Konsumenten zu generieren.

Mehr dazu

Detailhändler im Vergleich: Eine Übersicht im Labeldschungel

Der STS stellt eine verwirrende Vielfalt an Labels im Detailhandel fest. Dies bringt die Tatsache mit sich, dass es für Konsumenten zunehmend schwierig ist, bei all diesen Marken und Herkunftsbezeichnungen den Überblick zu wahren. Bei allen Detailhändlern sind tierfreundlichere Produkte erhältlich, wobei sich einige im Aufbau eines eigenen Labelsortiments befinden. Es gibt verschiedene Faktoren, welche tierfreundlichere Produkte ausmachen – entsprechend gross sind auch die Unterschiede zwischen den verschiedenen Labels. Eine Gesamtbewertung finden Sie im ausführlichen Bericht.

Mehr dazu

Kampagne «Absatzoffensive Labelfleisch»

Der STS zielt mit der Kampagne «Absatzoffensive Labelfleisch» auf eine Absatzsteigerung, die Beseitigung von Preisverzerrungen im Labelmarkt und einer künftig fairen Preisbildung ab. Die Marktakteure sollen sich zu einem Branchenansatz «maximale Preisrelationen» verpflichten, welcher sich anhand Produzenten- und Verkaufspreise überprüfen lassen. Anhand einer neuen Labelstatistik des STS soll das Engagement der grössten Detailhändler in den Labelmärkten regelmässig gemessen und ausgewiesen werden können.

Mehr dazu

Politische Instrumente: Förderung von Qualität und Nachhaltigkeit in der Land- und Ernährungswirtschaft

Die Einführung der leistungsgebundenen Direktzahlungen war ein bedeutender Schritt in Richtung einer nachhaltigeren und tiergerechteren Landwirtschaft. Mit der AP14-17 wurde 2013 in der Verordnung über die Förderung von Qualität und Nachhaltigkeit in der Land- und Ernährungswirtschaft (QuNaV) neue Instrumente in der Qualitäts- und Absatzförderung geschaffen: Einerseits können mit der Fördermassnahme «innovative Projekte» im Tierwohl-Bereich Projekte mit Modellcharakter initiiert werden. Die Massnahme «Produktionsstandards» fördert Standards, welche deutlich über die gesetzlichen Anforderungen hinausgehen. Mit QuNaV sollen unter Einbezug mehrerer Stufen der Wertschöpfungskette Nachhaltigkeitsaspekte gestärkt werden.

Mehr dazu

 

zurück

Projekt Bio Suisse

Kooperationsprojekt Bio Suisse

Teilnehmende des Kooperationsprojektes Bio Suisse profitieren von einer kostenlosen Jahresmitgliedschaft und einer Betriebsberatung durch den KGD. Interessiert? Dann füllen Sie nachstehendes Kontaktformular aus und wir organisieren Ihren Besuch.

Empfohlene Einträge

Werden Sie jetzt Fördermitglied,
Gönner oder Kollektivmitglied

News-Archiv

Anmeldung Newsletter

Newsletter-Archiv