11.05.2021 - Aus der Praxis

Wie man sich bettet, so liegt man … Dieses Sprichwort gilt nicht nur für uns Menschen, sondern auch für unsere Kühe. Schliesslich verbringen sie dort täglich bis zu 14 Stunden. Der Liegeplatz ist von zentraler Bedeutung für Verdauung, Milchproduktion, Eutergesundheit und die Regeneration der Kuh – vorausgesetzt, die Unterlage ist bequem und hygienisch einwandfrei. Viele Landwirte entscheiden sich daher, ihre Tiefboxen mit einer Kalk-Stroh-Matratze auszustatten. Was muss dabei beachtet werden? Tipps dazu von der KGD-Tierärztin Maren Feldmann.

1. Kalkarten

 

 

  • Kohlensaurer Kalk (hauptsächlicher Einsatz als Düngekalk)
    CaCO3, Naturprodukt als ungebranntes Kalksteinmehl – bei hohen Temperaturen (> 800 °C) entsteht Branntkalk
  • Löschkalk
    Ca(OH)2, gelöschter Kalk (desinfizierend; wurde früher häufig zum Kalken der Stallwände benutzt)
  • Branntkalk (stark ätzend, leicht entflammbar, stark desinfizierend)
    Ca0, bei Kontakt mit Feuchtigkeit entsteht unter Wärmeentwicklung (Achtung: Selbstentzündung) Löschkalk

2. Material und Aufbau

 

 

Unterschieden wird zwischen Grund- und Deckschicht:

 

  • Grundschicht

Der Unterbau hat die Aufgabe, die Matratze stabil zu halten und gleichzeitig den Tieren eine gut nachfedernde, weiche Unterlage zu bieten sowie Feuchtigkeit zu binden.

 

   Mischung Gewichtsanteile (Empfehlungen DLG 2012)DLG

   

Trockenkalk

Feuchtkalk*

Stroh

1

1

1

Kalk

4 bis 5

4.5

5

Wasser

1 bis 2

2

1.5

*Feuchtkalk wird für die Anlieferung loser Schüttungen direkt aus dem Tagebau verwendet; durch geringere Staubentwicklung

leichtere Verarbeitung

 

  • kohlensaurer Kalk mit Partikelgrösse ≤ 0.09 mm (grössere Partikel setzen sich in der Gülle ab)
  • der Trockensubstanzgehalt der fertigen Mischung sollte bei etwa 70 % liegen
  • pro Liegebox ist etwa ein Kalkaufwand von 250 bis 300 kg notwendig
  • Mischung in einem Futtermischwagen herstellen; sofern Platzverhältnisse und Befahrbarkeit des Liegebereichs dies zulassen, auch Verteilung mittels Futtermischwagen
  • Einbringen des Gemischs auf eine Höhe von etwa 20 cm
  • Verdichtung der Grundschicht auf Gesamthöhe von 15 cm mit einem Plattenvibrator.

Ein Nebeneffekt der Kalk-Stroh-Matratze ist, dass der anfallende Kalk in der Gülle auch zur Kalkung landwirtschaftlicher Flächen genutzt wird. Das eingesetzte Material für die Matratze unterscheidet sich nicht vom Düngekalk.

  • Deckschicht

Sie ist die Kontaktzone zur Kuh und soll die Federung des Unterbaus unterstützen. Die Deckschicht ist insbesondere für die Hygiene der Liegefläche verantwortlich, denn die Kuh soll sauber und trocken bleiben.

Für die Deckschicht gibt es unterschiedliche Konzepte:

  • nur mit Strochhäcksel
  • Kalk-Stroh-Gemisch im Gewichtsverhältnis Stroh : Kalk : Wasser etwa 1 : 3.5 : 1
  • Die Dicke dieser Deckschicht beträgt etwa 10 cm, die dann auch verdichtet wird.    

3. Pflege

 

Täglich müssen Ausscheidungen des Tieres aus den Boxen entfernt werden. Bei Bedarf werden Unebenheiten ausgeglichen und Deckschichtmaterial nachgestreut. Zur Arbeitserleichterung ist es sinnvoll, einen Vorrat an Deckschichtmaterial im Kopfkasten anzulegen, ohne die Kuh in ihrem Abliege- und Aufstehverhalten zu behindern. Die Deckschicht darf nicht zu trocken werden, sonst wird die Liegefläche hart und unbequem. Bei hohen Temperaturen im Stall muss die Deckschicht mit Wasser angefeuchtet werden.

Die regelmässige Pflege ist von herausragender Bedeutung, damit eine kompakte Matratze erhalten bleibt. Grösste Gefahr ist eine Muldenbildung, die sich durch blosses Überstreuen mit Stroh nicht verhindern lässt. Ein Ausgleich von Mulden kann nur durch eine Ergänzung der Grundmaterialien in Intervallen von etwa sechs Wochen erreicht werden.

4. Spezialkalk für den hinteren Bereich

Spezialkalke zur Verwendung in Liegeboxen sind Gemische aus CaCO3, Ca(OH)2 und Mg(OH)2 in unterschiedlichen produktspezifischen Gewichtsanteilen. Der pH-Wert der Einstreu wird durch diese Produkte angehoben und damit die Keimvermehrung reduziert. Die desinfizierende Komponente soll den pH-Wert besonders im hinteren Bereich der Liegebox auf Werte um 12 anheben, womit eine Keimvermehrung weitestgehend verhindert wird (Produktbeispiele: Desical® plus, Dekamix®, Desintec® Floorcal pH 12). Empfohlen wird das Nachstreuen mit etwa 300-500 g im Bereich der hinteren Liegefläche zwei- bis dreimal wöchentlich.

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