Betriebsreportage

Gutschein eingelöst – KGD-Spezialbesuch am 16.02.2022

Als langjähriges KGD-Mitglied gewannen Marc und Rosmarie Vogt an der Suisse Tier 2021 beim Wettbewerb «Biosicherheit» den 1. Preis und im Februar wurde der Spezialbesuch auf ihrem Fresseraufzuchtbetrieb durchgeführt. Explizit gewünscht wurden Klimamessungen sowie das Beisein des Fütterungsberaters.


So trafen wir uns an einem Tag bei nass-kalter Witterung und die Änderungen seit dem letzten Besuch wurden gemeinsam begutachtet und Erfahrungen ausgetauscht. Fütterungs-anpassungen mit reduziertem Proteingehalt im Jahre 2019 haben nicht zu dem gewünschten Erfolg geführt. Zwar waren die Magen-Darm-Probleme weniger präsent, jedoch brach der Tageszuwachs ein. Das aktuelle Kälbermüesli mit einem Proteingehalt von fast 19% und einem Strohanteil von 10% sowie das Angebot von Heu mit bekanntem Zucker- und Proteingehalt und Wühlerde stellen seit einiger Zeit eine zufriedenstellende Basis dar.

Die medizinischen Massnahmen werden von Rosmarie und Marc Vogt nicht nur vorbildlich notiert, sondern auch ausgewertet, um diesbezüglich stetige Optimierungen vorzunehmen. Inmitten unseres Besuches kam es doch tatsächlich zu einer unangemeldeten blauen Kontrolle, die uns kurzzeitig aus dem Konzept brachte. Eine Verschiebung wäre möglich gewesen, jedoch bevorzugten wir einen Unterbruch unseres Besuches für die Kontrolle, um sie als erledigt zu wissen.


Die blaue Kontrolle war dann auch schon nach einer halben Stunde vorbei und wir konnten uns auf die Klimamessungen konzentrieren. Die Rauchprobe zählte sieben Minuten: Dies ergibt eine Luftaustauschrate von annähernd 9 x pro Stunde. Für die Winterzeit ist eine Luftaustauschrate von 10 x pro Stunde anstrebenswert. Während die Ammoniakmessung maximal 1 ppm anzeigte, lag der CO2-Wert mit dem Optimum < 1000 ppm in den Boxen 2 und 3 durchschnittlich bei 1100 bis 1200 ppm.

Jedoch war es angesichts des feuchtkalten Wetters nicht empfehlenswert, die Lüftungsrate zu erhöhen, da im mittleren Liegebereich schon leicht unangenehme Luftzüge spürbar waren. Die Frischluft gelangt passiv über die Heubühne sowie auf der gegenüberliegenden Seite durch Windschutznetze in den Stall und wird über einen Kanal auf der Heubühne mittels eines Ventilators abgezogen. Der Verdacht von Kurzschluss-Lüftungsströmungen auf der Heubühne konnten gemäss Rauchprobe ausgeschlossen werden.


In der Einstallboxe (Box 1) lag der CO2-Wert über 1400 ppm und insbesondere der Ammoniakwert bei 6 ppm. Die Einstallboxe ist durch eine Bretterwand von der angrenzenden Boxe abgetrennt, um den Nasen-Nasen-Kontakt zu verhindern, was jedoch zu einer verminderten Durchlüftungsrate führt. Öffnungen auf der Höhe über dem Strohbett sind in einem solchen Fall empfehlenswert, damit Schadstoffe abfliessen können.

 



Atemwegsinfektionen waren in der Einstallbox im Gegensatz zu den nachfolgenden Boxen bei keinem Kalb zu erkennen. In den Boxen 1 und 2 plagten insbesondere chronische Ohrentzündungen das eine oder andere Kalb. Um den Antikörper-Status gegen Mycoplasma bovis zu evaluieren, wurde einigen Kälbern Blut entnommen. Die Proben waren Antikörper positiv und zeigten somit, dass der Erreger in der Herde zirkuliert und sich das Immunsystem dagegen zur Wehr setzte. Oft reicht die eigene Abwehr nicht und betroffene Kälber müssen früh erkannt und behandelt werden, damit es nicht zu chronischen Fällen kommt.



Auffällig waren die vielen Kälber mit Kratzspuren im Schulter- und Halsbereich, was auf einen Läusebefall hindeutete, der sich bei näherer Untersuchung bestätigte. Viele Kälber wurden schon so angeliefert, wie dies auf zahlreichen Mastbetrieben zu beobachten ist. Da auf dem Betrieb ein Mittel gegen Läuse vorhanden war, nahmen wir uns die am stärksten betroffenen Tiere vor: Ein Scherkopf-breites Scheren im Nackenbereich und Auftragen des flüssigen Mittels auf die Haut.


Schliesslich die Besprechung in der warmen Küche mit einem feinen Kaffee und Süssigkeiten: Im Stall angesprochene Punkte und Beobachtungen wurden zusammengefasst, bei Bedarf detailliert ausgeführt und schriftlich notiert, damit der nachfolgende KGD-Bericht umfassend zugestellt werden konnte.

 

 

 


Wir danken Rosmarie und Marc Vogt für ihr tägliches Engagement mit den Kälbern und wünschen ihnen weiterhin viel Freude und Erfolg!

 

 

 

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