Vet's Corner 5/2022

  • Wie wirkt die Impfung gegen Str. uberis nach einer intramammären Belastungsinfektion?
  • Welchen Einfluss hat das selektive Trockenstellen langfristig auf die Eutergesundheit?

Antworten auf diese Fragen und mehr lesen sie in diesem Vet’s Corner!

---------------------------------------------------------------------------------------------

Study of the efficacy of a Streptococcus uberis mastitis vaccine against an experimental intramammary infection with a heterologous strain in dairy cows.

Collado R, Montbrau C, Sitjà M, and A Prenafeta (2018)

Journal of Dairy Science 101: 10290-10302.

Streptococcus uberis ist ein weltweit verbreiteter Erreger, der intramammäre Infektionen bei Milchvieh verursacht. Dennoch waren lange Zeit keine kommerziellen Impfstoffe verfügbar und die Massnahmen zur Bekämpfung gehäufter Strept. uberis-Mastitiden beschränkten sich auf die Umsetzung guter Management- und Hygienepraktiken. Das Ziel der vorliegenden Studie war die Beurteilung der Wirksamkeit eines Strept. uberis-Subunit-Impfstoffs (Hipra, Spanien). Dieser Impfstoff wurde Kühen vor dem Kalben verabreicht. Es sollte die Wirksamkeit gegenüber einer postpartalen, experimentellen intramammären Belastungsinfektion mit einem heterologen Strept. uberis-Stamm geprüft werden.

Dazu wurden 25 erstmals trächtige Holstein-Friesian Rinder nach dem Zufallsprinzip einer von zwei Gruppen zugeteilt: Tiere der Gruppe 1 (n = 13) erhielten den Impfstoff intramuskulär verabreicht. Rinder der Gruppe 2 (n = 12) dienten als Kontrollgruppe; ihnen wurde Kochsalzlösung intramuskulär verabreicht. Beide Gruppen wurden zweimal vakziniert (60 und 21 Tage vor dem voraussichtlichen Geburtstermin). Vierzehn Tage nach dem Abkalben wurden allen Kühen 100 Kolonie-bildende Einheiten eines heterologen Strept. uberis-Stammes in jeweils zwei Euterviertel intrazisternal infundiert. Die infizierten Viertel wurden während der folgenden 21 Tage auf klinische Anzeichen einer Mastitis überwacht. Tägliche Milchleistung, Rektaltemperatur, Keimzahl und die Anzahl somatischer Zellen wurden erfasst.

Die Ergebnisse zeigten, dass alle Kühe mit infizierten Vierteln eine klinische Mastitis entwickelten. Dennoch zeigten die geimpften Kühe der Gruppe 1 nach der intramammären Infektion signifikant weniger klinische Anzeichen einer Mastitis sowie signifikant geringere Keimzahlen und geringere Rektaltemperaturen im Vergleich zur ungeimpften Kontrollgruppe; auch der Rückgang der Milchleistung war bei geimpften Tieren weniger ausgeprägt als bei Kühen der Kontrollgruppe. Zudem war die Zellzahl gegen Ende der Studie (19-21 Tage nach Infektion) in signifikant mehr Eutervierteln der geimpften Kühe unter 200’000 Zellen/ml und bakteriologisch negativ bzgl. Strept. uberis.

Die Autoren betonen zusammenfassend, dass weitere Studien unter Feldbedingungen erforderlich sind, um die Wirksamkeit des Impfstoffes zu bestätigen.

---------------------------------------------------------------------------------------------

Effect of selective dry cow treatment on udder health and antimicrobial usage on Dutch dairy farms.

Tijs H H W, Holstege M M C, Scherpenzeel C G M, Santman-Berends I M G A, Velthuis A G J, and T J G M Lam (2022)

Journal of Dairy Science (article in press)

Seit 2013 wird das selektive antibiotische Trockenstellen (SAT) Milchviehhaltern in den Niederlanden empfohlen. Bereits kurze Zeit später ging der Einsatz antibiotischer Wirkstoffe zur Mastitistherapie deutlich zurück; es wurden zudem auf Betrieben mit SAT nicht vermehrt klinische Mastitiden in der Folgelaktation beobachtet. Resultate von Langzeitstudien lagen zu diesem Zeitpunkt jedoch zunächst nicht vor. Die vorliegende niederländische Studie sollte daher einen Einblick geben in die Methoden und das Niveau der Umsetzung von SAT in niederländischen Milchviehbetrieben mit konventionellen Melksystemen (KMS; 189 Betriebe) oder automatischen Melksystemen (AMS; 73 Betriebe).

Die Studie lief in den Jahren 2016 und 2017, d. h. nach der flächendeckenden Empfehlung des SAT. Es dokumentierten 262 Landwirte das Vorgehen beim Trockenstellen von Kühen sowie alle klinischen Mastitiden über ein Jahr (1. Mai 2016 - 30. April 2017). Parallel wurden Daten zur somatischen Zellzahl (SCC) auf Kuh- und Herdenebene, Behandlungsdaten auf Herdenebene (inkl. Verwendung antimikrobieller Präparate) und Ergebnisse von Angaben der Landwirte zum Eutergesundheits-management gesammelt und anschliessend statistisch ausgewertet.

Während des Studienzeitraums wurde SAT bei fast allen dieser Milchviehbetriebe (98.8%) angewandt. Der Hauptgrund für die Anwendung von antimikrobiellen Trockenstellern war entweder der Verlauf der Zellzahl während der vorangegangenen Laktation oder die Zellzahl bei der letzten Milchwägung vor dem Trockenstellen. Der mediane Prozentsatz der Kühe, welche antibiotisch trockengestellt wurden, betrug 48.5 %. Die durchschnittliche Inzidenzrate von klinischen Mastitiden lag in der Folgelaktation bei 27.3 Fällen pro 100 Kühe und Jahr. Von allen klinischen Mastitiden jeder Herde wurden im Durchschnitt 32.8 % als leichte, 42.2 % als mittlere und 25.0 % als schwere Fälle beurteilt. Der durchschnittliche SCC-Wert in der Tankmilch der Herden betrug 168.989 Zellen/ml. Es wurde von einer subklinischen Mastitis (SKM) ausgegangen, wenn der individuelle SCC-Wert ≥ 150’000 Zellen/ml bei primiparen bzw. ≥ 250’000 Zellen/ml bei pluriparen Kühen lag. Das Überschreiten dieser Schwellenwerte nach zwei zuvor niedrigeren SCC-Werten wurde als ein neuer Fall von SKM gewertet. Die mittlere Inzidenzrate von SKM in diesen Herden betrug 62.5 Fälle pro 100 Kühe und Jahr. Tankmilch-SCC und die Inzidenzrate von SKM in Betrieben mit einem KMS waren statistisch gesehen niedriger als in Betrieben mit einem AMS, während die Inzidenzrate von klinischen Mastitiden sich nicht signifikant zwischen den beiden Gruppen von Betrieben unterschied. Die AMS-Betriebe hatten mehr Kühe pro Herde, welche mit antimikrobiellen Präparaten behandelt wurden und einen größeren Anteil an schweren klinischen Mastitiden als die KMS-Betriebe. Es ist nicht bekannt, ob die Unterschiede auf das Melksystem oder auf andere Unterschiede zwischen den beiden Betriebstypen zurückzuführen sind.

In dieser Studie wurde deutlich, dass sich die Eutergesundheitsparameter nach Einführung des SAT nicht von denen unterschieden, die in niederländischen Studien vor der Einführung von SAT üblich waren. Die Autoren folgern, dass die niederländischen Milchviehhalter in der Lage waren, mit dem reduzierten Einsatz von antibiotischen Trockenstellern umzugehen und gleichzeitig die langjährigen Kennzahlen für die Eutergesundheit zu halten.

zurück

Anmeldung Newsletter

Newsletter-Archiv


 

Empfohlene Einträge

Werden Sie jetzt Fördermitglied,
Gönner oder Kollektivmitglied