Vet's Corner 7/2022

  • Auf vielen Betrieben kann heute durch Sensoren am Halsband der Kühe die Dauer des täglichen Wiederkauens und die Aktivität erfasst werden – der Wert dieser Parameter zur Prognose des Zeitpunktes der Kalbung wurde von einer kanadischen Arbeitsgruppe bestimmt. Lesen Sie mehr …
     
  • Ketosen in der Frühlaktation wirkungsvoller durch vorübergehend täglich nur einmaliges Melken behandeln? Das funktioniert – wie eine aktuelle kanadische Studie zeigt …
     

Die Antworten dazu finden Sie im aktuellen Vet's Corner

Activity and rumination changes as predictors of calving in primiparous and multiparous Holstein cows

Veränderungen der Aktivität und des Wiederkäuens als Prädiktoren für das Abkalben bei primiparoten und multiparoten Holsteinkühen

Macmillan K, Gobikrushanth M, Colazo MG: Activity and rumination changes as predictors of calving in primiparous and multiparous Holstein cows. Livestock Science 2022, 260, 104944; https://doi.org/10.1016/j.livsci.2022.104944

Veterinary Record Open

Ziel dieser kanadischen Studie war es zu prüfen, ob sich das Wiederkauverhalten und die Laufaktivität als Parameter zur Erkennung des Zeitpunktes der Kalbung eignen. Dazu wurden 94 Holstein Kühe (67 Erstkalbinnen, 27 mehrkalbige Kühe) drei Wochen vor dem errechneten Kalbetermin mit Halsbändern mit Sensor (Heatime©) ausgestattet. Wiederkauen und Aktivität wurden anschliessend kontinuierlich in jeweils zweistündigen Intervallen erfasst. Die Kalbung wurde mittels Kamera aufgezeichnet. Die Auswertung der Aufzeichnungen ergab, dass die Dauer des Wiederkauens beginnend mit der 10. Stunde ante partum linear abnahm, um innerhalb der letzten zwei Stunden vor der Geburt ein Minimum zu erreichen (etwa 70% Abnahme gegenüber der 10.-12. Stunde ante partum). Die Laufaktivität erhöhte sich signifikant beginnend mit der 8. Stunde ante partum, um innerhalb der letzten zwei Stunden vor der Kalbung ein Maximum zu erreichen (Zunahme um etwa 25%). Die Erstkalbinnen erwiesen sich als aktiver verglichen mit den mehrkalbigen Kühen. Grundsätzlich ergaben sich hinsichtlich der Veränderungen des Wiederkauverhaltens und der Aktivität zwischen Erstkalbinnen und mehrkalbigen Kühen keine wesentlichen Unterschiede, allerdings war eine Tendenz erkennbar, dass die Veränderungen bei den Erstkalbinnen bereits etwa zwei Stunden früher auffielen als bei den mehrkalbigen Kühen. Die Autoren folgern, dass sich die Erfassung sowohl der Wiederkau- als auch der Laufaktivität von Kühen für die Vorhersage des Zeitpunktes der Kalbung eignen.

Reducing milking frequency from twice to once daily as an adjunct treatment for ketosis in lactating dairy cows—A randomized controlled trial

Reduzierung der Melkfrequenz von zweimal auf einmal täglich als Zusatzbehandlung für Ketose bei laktierenden Milchkühen - eine randomisierte kontrollierte Studie

Williamson M, Couto Serrenho R, McBride BW, LeBlanc SJ, DeVries TJ, Duffield TF: Reducing milking frequency from twice to once daily as an adjunct treatment for ketosis in lactating dairy cows — a randomized controlled trial. Journal of Dairy Science 2022, 105, 1402–1417. https://doi.org/10.3168/jds.2021-20551

Journal of Veterinary Internal Medicine

In dieser kanadischen prospektiven Feldstudie wurde geprüft, ob das vorübergehend nur einmalige Melken von Hochleistungskühen (> 10'000 kg ECM/305 Tage) in der Frühlaktation eine sinnvolle Massnahme zur Behandlung von subklinischer Ketose darstellt. Dazu wurde bei 138 Holstein-Kühen zwischen dem 3. und 16. Tag post partum täglich eine Blutprobe aus der Schwanzvene entnommen, um mittels Cow-side-Test die Konzentration von β-Hydroxybutyrat (BHB) zu ermitteln. Kühe, deren Werte bei einer Beprobung ≥ 1.2 mmol/L lagen (n = 104), erhielten an den folgenden 5 Tagen jeweils 300 mL Propylenglykol peroral. Sie wurden am Tag der Diagnose randomisiert zwei Gruppen zugeteilt: die Tiere der Versuchsgruppe (ODM; n = 51; 19 primipar, 32 pluripar) wurden während der folgenden zwei Wochen nur einmal täglich gemolken. Anschliessend wurden diese Kühe wieder zweimal täglich gemolken, was dem Vorgehen bei der Kontrollgruppe (n = 47; 18 primipar, 29 pluripar) entsprach, die grundsätzlich zweimal täglich gemolken wurde.  Milchmenge und -zusammensetzung wurden über die ersten 15 Laktationswochen erfasst. Tatsächlich erwies sich das einmalige Melken als sehr effektiv bei der Behandlung der Ketose: der Anteil von hyperketonämischen Kühen sank in der ODM-Gruppe innerhalb von 48 Stunden bei den primiparen Kühen um 95% (Kontrollgruppe – 50%) und um 65% bei den mehrkalbigen Kühen (Kontrollgruppe -40%). Somit war der Anteil der Kühe, die ein zweites Behandlungsintervall (weitere 5 Tage mit jeweils 300 mL PG per os) benötigten, mit insgesamt 39% bei den ODM-Tieren signifikant geringer als bei den Kühen der Kontrollgruppe (64%). Während der zweiwöchigen Phase des einmaligen Melkens sank die Milchleistung um 26% verglichen mit der Leistung der Kühe der Kontrollgruppe. In der folgenden Phase (3. bis 15. Laktationswoche), als sämtliche Kühe zweimal täglich gemolken wurden, lag die Milchleistung der Kühe der ODM-Gruppe um 14% unter der der Kontrolltiere. Verglichen mit den Kontrolltieren war der Milcheiweissgehalt der Kühe der ODM-Gruppe signifikant höher, für den Milchfettgehalt und die somatische Zellzahl ergaben sich eine statistisch tendentiell höhere Werte bei den Kühen der ODM-Gruppe. Die Autoren schlussfolgern, dass das vorübergehend nur einmalige Melken von Kühen sich als sehr wirkungsvoll bei der Behandlung subklinischer Ketosen erwies. Um langfristige negative Effekte auf die Milchleistung zu vermeiden, sollte künftig allerdings geprüft werden, ob nicht eine kürzere Periode des einmaligen Melkens (5-7 Tage) ausreichend sind.

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