Webinar Eutergesundheit vom 6. Juli 2022

Im ersten Beitrag von Friederike Reinecke (Tierärztin und Expertin für automatische Melksysteme bei der Milchhygieneüberwachung in Giessen) ging es darum, wie die Eutergesundheit am automatischen Melksystem (AMS) stabilisiert und verbessert werden kann.

Das Melken mit AMS birgt gewisse Risiken für die Eutergesundheit, welche jedoch mit gezielten Massnahmen in der Praxis reduziert werden können.

 

Risiko Nr. 1: Nur ein Melkplatz für 30-60 Kühe ohne fixe Melkreihenfolge

Massnahmen in der Praxis:
 

  • Hohes Mass an Hygiene bei der Zitzenreinigung
  1. Bürsten: Regelm. kontrollieren und nach 30'000 Melkungen ersetzen, bei ansteckenden Keimen 2 Bürstensätze wöchentlich abwechselnd einsetzen
  2. Desinfektion der Bürsten: Sprühbild, Konzentration (mit Teststreifen) sowie Wasserqualität überprüfen
  3. Reinigungsbecher: Sauberkeit, Wassereinstrom aus Lochdüsen prüfen
     
  • Hohes Mass an Hygiene bei der Melkung
  1. ​​​​​​​Zitzengummis: Abhängig vom Material regelmässig wechseln, bei hohem Infektionsdruck auch früher als angegeben
  2. Desinfektion: Wirksamkeit des eingesetzten Systems prüfen (Filterkontrolle bei Dampfdesinfektion; Teststreifen oder Küchenpapier-Test bei chemischer Desinfektion zum Ausschluss einer Über- bzw. Unterdosierung)
  3. Sauberkeit: alle Anlagekomponenten, die mit dem Euter in Berührung kommen, müssen so sauber wie möglich gehalten werden (Roboterarm, Boden, Umgebung etc.)
    ​​​​​​​

Risiko Nr. 2: Ansetzvorgänge sind nicht immer zu 100% erfolgreich

Massnahmen in der Praxis:
 

  • Unvollständige/Misslungene Melkungen überwachen

  • Euteranatomie bei der Kuh-Auswahl beachten (Selektion)

  • Euterhaare kürzen (am besten abflammen)

  • Störfaktoren wie Fliegen, Schadnager und Kälte reduzieren

  • Serviceintervalle einhalten, um technische Störungen zu reduzieren

Risiko Nr. 3: AMS kann die Zitzenreinigung nicht dem Verschmutzungsgrad anpassen. Dies stellt heute oft ein grosses Problem dar, da stark verschmutzte Euter nachweislich das Mastitisrisiko erhöhen.

Massnahmen in der Praxis:
 

  • Sauberkeit der Umgebung beachten: Liegeboxen und Laufgänge

  • Häufiges Kotabschieben hinter der Liegeboxenkante (Schwanz & Klauen)

  • Einstreu optimieren: Hochwertige Einstreu (mit weniger als 1 Mio KbE/g Keime), nicht im Kopfbereich lagern (wegen Atemfeuchtigkeit der Kühe)

  • Liegeboxen täglich nachstreuen

  • Überbelegung verhindern

  • Wichtig: Die Stallhygiene bestimmt die Sauberkeit am Roboter!

Risiko Nr. 4: Feuchte Zitzenvorbereitung. Viel Wasser löst zwar den Schmutz, Keime können so aber auch besser in den Strichkanal gelangen

Massnahmen in der Praxis:
 

  • Feuchte Reinigung ist gut, tropfnass darf es aber nicht sein

  • Boden nicht mit Wasser abspritzen, solange die Kuh noch im AMS steht

  • Bei Bürstenreinigung auf richtige Position des Abstreifers achten

Risiko Nr. 5: Zu kurze/lange/unregelmässige Zwischenmelkzeiten (ZMZ) führen zu Zellzahl-Anstieg. Zu kurze Abstände zwischen den Melkungen führen zu erhöhtem Stimulationsbedarf, weil der Euterinnendruck klein ist.

Massnahmen in der Praxis:
 

  • Die ZMZ sollte nicht über 14 Stunden liegen, da dann die Milchsekretionsrate absinkt.

  • Die ZMZ sollte nicht unter 5.5 Stunden liegen, da der Schliessmuskel Regenerationszeit benötigt und sonst das Risiko für Neuinfektionen im Euter ansteigt.

Weitere Risiken sind:
 

  • Zuviel Energie am Futtertisch führt zu reduzierter Besuchsfrequenz

  • Schlechte Klauengesundheit reduziert das Laufverhalten

  • Behandelte Kühe müssen konsequent gesperrt bzw. gehandhabt werden

Im zweiten Beitrag stellte Sarah Fritschi (Landwirtin & Agronomin bei Lely in Härkingen) die zahlreichen Möglichkeiten zur Eingabe von Futterplänen und Auswertung der Daten auf Herdenebene im neuen Programm Horizon vor.
 

Um das Laufverhalten positiv zu beeinflussen, soll in Roboter-Betrieben die kalkulierte Kraftfutterration am Futtertisch leicht unter dem errechneten durchschnittlichen Milchproduktionspotential der Herde liegen. Zudem eignet sich ein Kraftfutter vor allem dann als Lockfutter, wenn es schmackhaft ist, max. 30% Getreide, viel Mais und wenig Rapsschrot enthält, pelletiert und nicht mehlförmig ist und zudem wenig Fett, dafür hochwertige (Mykotoxin-freie) und Pansen-schonende Komponenten enthält.
 

Unsere Webinare für LandwirtInnen und TierärztInnen finden regelmässig an jedem 1. Mittwoch im Monat statt.

In der nächsten Folge am 03.08.2022 geht es im ersten französischen Webinar um intensive Kälberaufzucht («Le veau d’aujourd’hui est notre vache de demain»).
 

Sie können sich dafür jederzeit problemlos und kostenfrei registrieren unter

https://www.rgs-sbs.tv.
 

Dort können Sie auch die Beiträge aus den vergangenen Webinaren aufrufen.

Wir freuen uns aus Sie!
 

Helen Huber & Maren Feldmann

 

 

zurück

Anmeldung Newsletter

Newsletter-Archiv


 

Empfohlene Einträge

Werden Sie jetzt Fördermitglied,
Gönner oder Kollektivmitglied