Dänemark, Road Map international, living lab

Von grossen Herden und strengen Regeln – Spannende Diskussionen & Betriebsbesuche in Dänemark

Text: Helen Huber

Ende August hatte ich die Gelegenheit, für den KGD und die Schweiz an einem Treffen im Rahmen des Projektes ROADMAP in Dänemark teilzunehmen. ROADMAP ist ein auf vier Jahre angelegtes EU-Projekt, das den Übergang zu einem umsichtigen Antibiotika-Einsatz in der Tierproduktion in verschiedenen Branchen fördern soll, indem es ein Umdenken entlang der gesamten Lebensmittelversorgungskette unterstützt. Die Teilnehmer des Treffens waren Landwirte und Tierärzte aus Belgien, Grossbritannien, Dänemark und der Schweiz. Der dreitägige Aufenthalt bestand aus Workshops und Diskussionsrunden sowie sechs Betriebs-besuchen auf je drei Milchvieh- und auf Grossviehmastbetrieben.

Aus den vielen angeregten Diskussionen ergab sich klar, dass die Strukturen in der Schweiz kaum vergleichbar sind mit anderen europäischen Ländern: In Dänemark (DK) z.B. werden Mastkälber in der Regel mit 14 Tagen vom Geburtsbetrieb auf den Mastbetrieb transportiert und bleiben dort bis zum Alter von ca. 9-11 Monaten. Kälbermast wie in der Schweiz, gibt es in DK kaum, da Kalbfleisch kein von den Konsumenten gefragtes Produkt ist. Hingegen ist die biologische Landwirtschaft in DK bezüglich der Marktanteile sehr vergleichbar mit der Schweiz. 10% der dänischen Betriebe wirtschaften nach biologischen Richtlinien und 13% der Lebensmittel stammen aus biologischer Produktion. In der Schweiz sind es 17% der Betriebe, welche 11% der verkauften Lebensmittel nach Bio-Richtlinien produzieren.

Aus tierärztlicher Sicht war es hochinteressant zu sehen, wie stark die tiermedizinische Bestandesbetreuung in DK bereits verankert ist. Ein Landwirt erhält in DK keine Medikamente auf Vorrat oder zur Nachbehandlung, wenn er nicht mindestens alle zwei Wochen von einem Tierarzt besucht, die Herde eingehend untersucht und vorhandene Probleme besprochen/behandelt werden. Bio-Betriebe erhalten gar keine Medikamente zur Nachbehandlung ihrer Milchkühe, lediglich Kälber unter 6 Monaten dürfen vom Landwirt selbst nachbehandelt werden. Zudem dürfen Tierärzte in Dänemark keine Medikamente auf Vorrat verkaufen, sie können lediglich Rezepte ausstellen und der Landwirt holt die Medikamente in der Apotheke.

Aus Schweizer Sicht ebenfalls sehr eindrücklich sind die Herden- und Betriebsgrössen der dänischen Betriebe. Die besuchten drei Milchviehbetriebe hielten 800 (konventionell; siehe Bild 1), 370 (Bio) und 100 (Bio) Milchkühe. Obwohl in DK insgesamt fast gleich viele Milchkühe gehalten werden (564'000 in 2021) wie in der Schweiz (534'000 in 2021), liegt die durchschnittliche Herdengrösse in DK bei ca. 200 Milchkühen pro Betrieb im Vergleich zu 27 Milchkühen pro Betrieb in der Schweiz. Übrigens: Der Milchpreis für konventionelle Milch liegt aktuell mit 4 Kronen pro Liter (= 52 Rp) weit über dem Vorjahrespreis von 2.80 Kronen. Der Grund für den Preisanstieg wird im Ukraine-Krieg vermutet und der damit verbundenen erschwerten globalen Versorgungskette.

Bei den drei besuchten Grossviehmästern waren zwischen 300 bis 2700 Tiere auf dem Hof (siehe Bild 2). Die Hauptprobleme stellen auch hier die Lungen- und Ohrenentzündungen der Masttiere dar. Hinzu kommt oft auch die Durchfallproblematik, da die Tiere bereits im Alter von 10-14 Tagen transportiert werden. Eine routinemässige «Einstallmedizinierung» wurde auf keinem der drei besuchten Betriebe durchgeführt. Die Sterblichkeitsraten lagen zudem auf den drei Betrieben mit 3%, 4% und 8% (aktuell viele Probleme) in einem ähnlichen Rahmen wie in der Schweiz. Auch die Tageszunahmen der Tiere von ca. 1200-1300g befanden sich auf den besuchten Betrieben auf einem beeindruckenden Niveau, insbesondere weil es sich bei ca. 40% der Tiere um männliche Holsteinkälber handelt. Es wurde jedoch deutlich, dass diejenigen Mastbetriebe im Vorteil sind, die ihre Kälber selbst auf den immer gleichen Geburtsbetrieben aussuchen und abholen können im Vergleich zu denjenigen Mästern, die die Kälber von Händlern erhalten.

Auch in Dänemark stehen die Landwirte vor der grossen Schwierigkeit, geeignetes Personal für die Mitarbeit auf den Betrieben zu finden. Neben einigen dänischen Angestellten kommen auch in DK ein Grossteil der Mitarbeiter aus Osteuropa. Der zu zahlende Durchschnittslohn für landwirtschaftliche Mitarbeiter beträgt 20-28 Euro/Std und die Arbeitswoche hat (auch in der Landwirtschaft) 37 Stunden.

 

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