17.12.2018 - Vet's Corner 9/2018

Vet’s Corner 9/2018

Nabelentzündungen treten mit einer Häufigkeit zwischen 5 und 15 % auf. Sie sind nach Lungenentzündung und Durchfall das häufigste Problem im Kälberstall. Die Früherkennung, alternative Nabel-Dippmittel, die Effekte von Managementfaktoren auf das Besaugen nach der ersten Lebenswoche sowie die Zuverlässigkeit neuer Methoden, um eine Omphalitis zu diagnostizieren werden in aktuellsten Studien diskutiert.

Development of clinical sign-based scoring system for assessment of omphalitis in neonatal calves

Steerforth DD and S Van Winden

Vet Record 2018; 182: 549.

In dieser Studie wurde ein Punktesystem erarbeitet, um die Diagnose einer Omphalitis beim Kalb aufgrund mehrerer klinischer Symptome mit einer grösseren Spezifität und Sensitivität einteilen zu können, mit dem Ziel die Früherkennungsrate zu erhöhen. Eine Omphalitis wurde als Entzündung des Nabels, inklusive der Nabelgefässe, des Urachus oder des unmittelbar den Nabel umgebenden Gewebes definiert.
Für die Studie wurden 187 männliche Holstein-Frisian Kälber, die in UK im Alter zwischen 7 und 15 Tagen auf dem Schlachthof angeliefert wurden, klinisch auf eine Nabelinfektion untersucht. Die Marginalsymptome waren lokale Dolenz, Schwellung (Verdickung > 1.3 cm), erhöhte lokale Temperatur (> 0.5 °C) und lokaler Ausfluss. Dazu wurden Anzeichen einer Nabelhernie, einem persistierenden Urachus, reduzierter Allgemeinzustand oder Anzeichen einer Arthritis notiert. Die erhobenen Befunde wurden mit den Untersuchungen post mortem verglichen.
Bei 34.2 % (64 Kälber) trat eine post mortem diagnostizierte Omphalitis auf, wobei bei 29.7 % (19 der 64 Kälber) intraabdominale Strukturen betroffen waren. Die dabei am häufigsten beteiligte Struktur war der Urachus mit 78.1 %. Die Körpertemperatur war lediglich bei vier Tieren erhöht. Die hohe Prävalenz für Omphalitiden in dieser Studie erklären sich die Autoren damit, dass es sich ausschliesslich um männliche Tiere handelte und diese wohl auch unter ungünstigeren Bedingungen gehalten wurden als die weiblichen Tiere auf dem Betrieb.
Bei 91 % der Kälber, die keine Omphalitis zeigten, war der Nabel am vierten Lebenstag abgetrocknet und kollabiert.
Klinisch aussagekräftige Parameter, die für eine Omphalitis sprechen sind: eine Verdickung des Nabels über 1.3 cm, ausfliessendes Sekret, eine erhöhte lokale Temperatur und die Präsenz einer Nabelhernie. Trat Nabelsekret aus, war dieses in allen Fällen mit einer intraabdominalen Entzündung assoziiert.
Mit diesen klinischen Parametern, die mittels Punktesystem eingeteilt wurden, konnte ein kumulatives Score-System erstellt werden (0 - 9). Dabei wurden die Kälber als positiv eingestuft, wenn sie einen Score von mindestens 2 erhielten. Dieses Scoring weist eine Sensitivität von 85.9 %, eine Spezifität von 74.8 % und eine korrekte Klassifizierung von 78.6 % von allen Kälbern auf.

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The effect of novel antiseptic compounds on umbilical cord healing and incidence of infection in dairy calves

Fordyce A.L., L. L. Timms, K. J. Stalder and H. D. Tyler

J. Dairy Sci 2018; 101: 5444-5448.

In dieser Studie wurden vier Nabel-Dippmittel verglichen. Dabei wurden die Heilungsrate, die Infektionsrate und die Zeit bis zum Abstossen des Nabels verglichen. Dazu wurden 67 neugeborene, weibliche Holsteinkälber untersucht. Die Kälber wurden bei der Geburt beobachtet und unmittelbar danach in vier Gruppen eingeteilt. Der Nabel wurde 30 Minuten post partum, in einem mit maximal 30 ml gefüllten Gefäss, für circa 5 Sekunden, gedippt. Zuvor wurde der Nabel, als Indikator für Nabelheilung und Nabelabtrocknung, gemessen. Die Nabelmessung wurde nach 24, 48 und 72 Stunden wiederholt.
Die Näbel wurden mit einer 7 % Iodin-Lösung, einer trockenen Formulierung von antibakteriellen Peptiden (Nisin) gemischt mit Kalk (3.105g Nisin per 100 g Kalkpuder, abgeleitet von der Nabelpflege vom menschlichen Neugeborenen), mit flüssigem Nisin (64 µg /ml) oder mit 4% Chlorhexidin-Lösung gemischt mit Alkohol (50 : 50) gedippt.
Die Tiere wurden täglich klinisch untersucht. Eine Nabelinfektion war diagnostiziert als vermehrte Röte, Schwellung, Dolenz, Ausfluss, reduzierte Fresslust oder Fieber.
Es konnten keine Unterschiede bezüglich der Nabelabtrocknung und der Zeit bis zum Abfallen des Nabels zwischen den vier verschiedenen Dippmittel festgestellt werden.
Die Inzidenz für eine Nabelinfektion lag in dieser Studie bei 9 % (6 Kälber von 67). Die Wahrscheinlichkeit an einer Nabelinfektion zu erkranken, lag bei Kälbern, die mit Iodin (13.3 %) oder mit flüssigem Nisin (17.6 %) behandelt wurden höher gegenüber den Kälbern, die mit trockenem Nisin (0 %) oder Chlorehxidin:Alkohol (5.9 %) behandelt wurden.
Zusammenfassend kann gesagt werden, dass das trockene Nisin eine gute und preiswerte Alternative zum 7 % Iodin darstellt.

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On-farm factors associated with cross-sucking in group-housed organic Simmental dairy calves

Grössbacher V, C Winckler and C. Leeb

Applied Animal Behaviour Science 2018; 206: 18-24.

In der BIO-Verordnung der EU ist es vorgeschrieben, dass die Kälber nach der ersten Lebenswoche in Gruppen gehalten werden müssen.
Für diese Studie wurden 31 Farmen, die nach biologischen EU-Richtlinien produzieren und Tiere der Rasse Simmentaler halten, besucht. Dabei wurde die Kälbergruppe für 90 Minuten ab der morgendlichen Tränke beobachtet und alle Interaktionen notiert. Zusätzlich wurde ein Interview mit dem Betriebsleiter durchgeführt und alle Therapien vermerkt. Die durchschnittliche Herdengrösse betrug 31 ± 10 Kühe (17 -59), und 11 ± 7 Kälber (3 -37), mit einer durchschnittlichen Kälber-Gruppengrösse von 4 ± 2 Tieren pro Gruppe (2 -8).
Besaugen trat auf 29 Betrieben (94 %) mit einem Durchschnitt von 1.66 Aktionen pro halbe Stunde auf. Die Besaugungsrate war kleiner, wenn die Tiere im selben Alter waren und wenn die Tiere, die Möglichkeit hatten länger zu saugen (Leersaugen). Im Gegenzug stieg die Besaugungsrate an, wenn die Tiere zum Tränken für mindestens 30 Minuten nicht fixiert wurden. Im Gegensatz zu früheren Studien konnte nicht bestätigt werden, dass eine Milchmenge über 7 Liter das Besaugen fördert. Auch das Alter beim Umstallen in die Gruppe stellte kein Risikofaktor dar.
Es konnte keine Assoziation zwischen Besaugen und der Inzidenz für Therapien festgestellt werden.

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Using thermography as a diagnostic tool for omphalitis on newborn calves

Shecaira C L, C H Seino, J A Bombardelli, G A Reis, E J Fusada, M R Azedo and F J Benesi

Journal of Thermal Biology 2018; 71: 209-211.

In dieser Studie wurde an 47 Tieren (20 gesunde Tiere, 27 an Omphalitis erkrankte Tiere) evaluiert, ob sich die Thermographie als diagnostisches Tool einer Omphalitis bewährt.
Thermographie hat die Möglichkeit eine Veränderung der lokalen Temperatur, Durchblutung, und des Blutflusses darzustellen.
Die klinische Diagnostik einer Omphalitis benötigt viel Zeit, wenn das Einfangen des Tieres mitberücksichtigt wird. Mittels Thermographie kann das Kalb im Abstand von einem Meter untersucht werden, was weniger Stress für das Tier bedeutet und zeitsparend ist.
In der Studie konnte beobachtet werden, dass die lokal maximal messbare Temperatur zwischen Kontroll – (35.7 °C ± 1.8) und der Omphalitisgruppe signifikant variierte ( 37.0 °C ± 1.1), wobei die höchste Temperatur bei nabelgesunden Kälbern kranial des Nabels und bei Omphalitiskälbern am distalsten Punkt des Nabels lag. Dieses Resultat zeigt, dass sich die maximale Temperatur bei einer Omphalitis auf Grund der lokalen Entzündung an den distalsten Punkt des Nabels verlagert. Es konnten keine Unterschiede gesehen werden, wenn abdominale Strukturen mitbetroffen waren.
In dieser Studie konnte gezeigt werden, dass Thermographie eine zuverlässige Methode ist, um eine Omphalitis zu diagnostizieren.

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