29.01.2019 - Vet’s Corner 1/2019

Vet’s Corner 11/2018

Wie sollen Aufzuchtskälber getränkt und gefüttert werden? Welche Einflüsse haben das Tränkeregime und die Fütterung auf die spätere Leistung?
Aktuellste Forschungsergebnisse liefern neue Indizien.

 

Analysis of pre-weaning feeding polices and other risk factors influencing growth rates in calves on 11 commercial dairy farms

Johnson KF, N Chancellor, CC Burn and DC Wathes

Animal 2018; 12:7: 1413 – 1423.

Die Wachstumsrate von Aufzuchtkälbern während der Tränkeperiode beeinflusst die Gesundheit, das Erstkalbealter und die Lebensleitung. Dennoch wird auf Aufzuchtbetrieben häufig die tägliche Milchmenge limitiert, in der Meinung, dass damit die Festfutteraufnahme gefördert wird.
In dieser Studie wurde das betriebsgängige Tränkeregime (kg TS) mit den zugehörigen Wachstumsraten (Gewicht, Höhe, Länge) und den üblichen Gesundheitsparametern auf 11 britischen Betrieben, mit insgesamt 492 Tieren (71 % der Rasse Holstein) evaluiert. Auf sämtlichen Betrieben wurden die Kälber restriktiv gefüttert, wobei durchschnittlich zwischen 4 bis 6 Liter Milch pro Tag verabreicht wurden, was einer Trockensubstanz von 400g bis 900 g pro Tag und Kalb entspricht.
Bei allen Tieren waren die Wachstumsraten im zweiten Monat grösser als im ersten. Zwischen dem ersten und dem 63. Tag wiesen 70 % der Kälber eine tägliche Gewichtszunahme (ADG) von weniger als 700 Gramm pro Tag auf. Von diesen wiesen wiederum 19.6 % eine ADG von unter 500 Gramm pro Tag auf. Die Wachstumsrate war abhängig von der verabreichten Tagesmilchmenge. Eine Erhöhung der Gesamtmilchmenge über die gesamte Tränkeperiode von 20.4 auf 46.3 kg war assoziiert mit einer um 110 g erhöhten durchschnittlichen Tageszunahme. Auf den einzelnen Betrieben variierten die durchschnittlichen Tageszunahmen erheblich. Generell konnte aber festgestellt werden, dass eine Geburt in den kalten Wintermonaten, das Auftreten von massivem Durchfall, respiratorischen oder Nabelerkrankungen oder ein hohes Geburtsgewicht mit tieferen täglichen Zunahmen einhergingen. Kälber, die separat gehalten wurden, zeigten höhere Tageszunahmen als in Gruppen gehaltene. Es konnte auch festgestellt werden, dass die Kälber generell gesünder waren, wenn die tägliche Milchmenge höher war. In anderen Studien konnte bereits gesehen werden, dass Kälber in einem ad libitum Tränkesystem eine Milchmenge bis zu 20 % von ihrem Körpergewicht aufnehmen und damit tägliche Zunahmen von bis zu 1 Kg pro Tag aufweisen. Kälber wollen im ersten Monat durchschnittlich 8 Liter Vollmilch pro Tag aufnehmen.

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Influence of postweaning feeding management of beef heifers on performance and physiological profiles through rearing and first lactation

Rodríguez-Sánchez JA, A Sanz, J Ferrer and I Casaús

Domest. Anim. Endocrinol. 2018; 65: 24 – 37.

Das Ziel dieser Studie war es, zwei Fütterungsregimes nach dem Abtränken von Mutterkuhaufzuchtkälbern miteinander zu vergleichen mit dem Ziel, die Tiere mit 24 Monaten abkalben zu lassen. Die eine Fütterungsmethode bestand aus einer energiereichen Fütterung mit 0.8 Kg/Tag durchschnittlicher täglicher Gewichtszunahme (ADG) versus einer moderaten Energieversorgung von 0.6 Kg/Tag ADG. 25 Kälber wurden während der ersten 6 Lebensmonate identisch gefüttert und dann zwischen dem 6. und dem 15. Lebensmonat in die zwei Gruppen aufgeteilt. Mit ungefähr 15 Monaten wurden die Rinder besamt und danach bis zum Absetzen von ihrem ersten Kalb, 4 Monate post partum wieder identisch gefüttert. Verschiedene Parameter wurden bestimmt um das Wachstum und die Entwicklung zu bestimmen (Körpergewicht, durchschnittliche Tageszunahme, Höhe im Alter von 6 respektive 15 Monaten, bei der Abkalbung und beim Absetzen). Zusätzlich wurde bestimmt in welchem Alter und mit welchem Gewicht die erste Brunst eintrat. Zudem wurde während der ersten Laktation die Leistung der Mutter und der Kalbes bestimmt (Abkalbeparameter, Tageszunahmen, Milchmenge). Metabolische und endokrinologische Parameter wurden bei den Rindern alle 3 Monate (ab dem 6. Lebensmonat) und bei den Kühen jeden Monat erhoben.
Rinder mit der energiereichen Fütterung wiesen höhere Tageszunahmen auf. Zudem hatten sie mit 15 Monaten ein höheres Körpergewicht und ein ausgereifteres Becken erreicht. Ansonsten zeigten sich keine Unterschiede. Alle Rinder kamen bei Erreichen von 55 % des adulten Körpergewichtes in die Geschlechtsreife. Tiere aus der energiereichen Fütterung erreichten das Gewicht und somit die Geschlechtsreife früher, als Tiere aus der moderaten Fütterung. Die Abkalbeparameter, die Laktationsleistung und die Gewichtszunahmen des Kalbes variierten hingegen nicht zwischen den beiden Gruppen.
Zusammenfassend kann gesagt werden, dass eine moderate Energieversorgung ausreichend ist um eine adäquate Entwicklung der Rinder bis zur Abkalbung mit 24 Monaten und eine gute Leistung in der ersten Laktation zu erreichen. Eine darüber hinaus gehende höhere Energieversorgung bringt laut den Autoren keine zusätzlichen Vorteile mit sich.

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Different milk feeding intensities during the first 4 weeks of rearing in dairy calves: Part 1: Effects on performance and production from birth over the first lactation.

Kost M, C Koch, J Kesser, U Müller, F-J Romberg, J Rehage, K Eder and H Sauerwein

J. Dairy Sci. 2018; 100: 3096 – 3108.

In dieser Studie wurde die ad libitum Fütterung von Vollmilch oder Milchersatz der restriktiven Fütterung von Milchaustauscher während der ersten vier Lebenswochen gegenüber gestellt. Die Studie wurde an 57 Holsteinkälbern (29 weiblichen und 28 männlichen) durchgeführt, welche ab der Geburt bis zum 110. Lebenstag begleitet wurden. Die weiblichen Tiere wurden bis ans Ende ihrer ersten Laktation weiter untersucht und begleitet.
Alle Tiere bekamen während der ersten drei Lebenstage Kolostrum ad libitum von ihrer Mutter. Vom 4. bis zum 27. Lebenstag wurden die Kälber nach unterschiedlichen Tränkeregimen gefüttert: Milchaustauscher restriktiv in einer Menge von 6.78 kg pro Kalb und Tag (11.5 % TS), Milchaustauscher ad libitum (13.8% TS), oder Vollmilch ad libitum. Ab dem 28. bis zum 55. Lebenstag wurden sämtliche Tiere restriktiv mit Milchaustauscher gefüttert und bis zum 69. Lebenstag allmählich abgesetzt. Das Körpergewicht und die Futteraufnahme wurden bis am 110. Lebenstag erhoben. Die Profitabilität der unterschiedlichen Tränkeregimes wurde ebenfalls erhoben.
In der Zeitspanne von der Geburt bis zum Ende der vierten Lebenswoche war die Aufnahme des Totals an metabolisierbarer Energie bei den ad libitum getränkten Kälbern bei Vollmilch um 2.02 mal und bei mit Milchaustauscher gefütterten Kälbern um 1.65 mal höher als bei den restriktiv gefütterten Kälbern. In dieser Zeitspanne variierte die TMR Aufnahme nicht signifikant zwischen den einzelnen Gruppen. Die restriktiv gefütterten Kälber suchten den Tränkeautomaten häufiger auf als die ad libitum gefütterten Kälber, wobei 70 % der Besuche unbelohnt blieben. In der Zeitspanne der restriktiven Fütterung von allen Kälbern bis zum 55. Lebenstag lag die Anzahl an unbelohnten Tränkeautomat-Besuchen bei 65 %. Die durchschnittliche Tageszunahme und das Körpergewicht waren signifikant höher bei Kälbern aus den ad libitum gefütterten Gruppen bis zur vierten Lebenswoche, aber nicht über die Zeitspanne vom ersten bis zum 110. Lebenstag. Bei den weiblichen Tieren konnte bezüglich der Futteraufnahmen (TS), dem Körpergewicht und der Milchzusammensetzung in den ersten 10 Laktationsmonaten kein Unterschied festgestellt werden. Die Milchleistung war numerisch, aber nicht signifikant, grösser bei Tieren aus den ad libitum gefütterten Gruppen (+ 765 kg bei Vollmilch ad libitum getränkten und + 612 kg bei Milchaustauscher ad libitum getränkten Tieren), wobei die Autoren meinen, dass dies vor allem durch die zu kleine Anzahl an weiblichen Tieren begründet ist. Die ad libitum Fütterung von Vollmilch oder von Milchaustauscher war 1.37- respektive 1.21-mal teurer als die restriktive Fütterung.
Die Studie bestätigt, dass die ad libitum Fütterung in der Kälberaufzucht hinsichtlich Kälbergesundheit und Michleistung in der ersten Laktation attraktiv ist. Dies müsste aber mit einer grösseren Anzahl an weiblichen Tieren validiert werden.

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