25.02.2019 - Der Nabel - Teil 3

Der Nabel – das Tor zum Leben – Teil 3

Was der Landwirt über Nabelerkrankungen wissen sollte – Erkrankungen des inneren Nabels

Wenn das Neugeborene das Licht der Welt erblickt hat, werden die Sauerstoffversorgung über die Lunge und die Ausscheidung des Harns über die Blase gewährleistet. Während der Embryonalzeit war das die Aufgabe der Nabelstrukturen, welche sich nach der Geburt normalerweise vollständig zurückbilden.

Nicht immer klappt die Rückbildung vollständig und eine zusätzliche Infektion, die zu einem Abszess führt, ist nicht selten.

Bindegewebige Strukturen können zwischen Nabel und Harnblase oder zwischen Nabel und Leber bestehen bleiben. Oft sind diese bestehenden Verbindungen infiziert und es bildet sich ein Abszess, verursacht durch Bakterien, die kurz nach der Geburt in den Nabelstrang gelangt sind.

Im Rahmen dieses Krankheitsbildes zeigen die Kälber in der Praxis am häufigsten einen leicht aufgekrümmten Rücken oder eine Umfangsvermehrung im Nabelbereich – oft ohne deutliche Bauchschmerzen.

Bild: K. Nuss, Abteilung für Nutztierchirurgie, Tierspital Zürich

Wenn bei einem weiblichen Tier zusätzlich der Nabel feucht ist und / oder es den Harn stossweise absetzt, erhärtet sich der Verdacht einer bestehenden Verbindung zwischen Harnblase und ursprünglicher Nabelpforte. Nach tierärztlicher Diagnose ist ein operativer Eingriff empfehlenswert und sehr erfolgsversprechend.

Bei einem operativen Eingriff wird der bestehende Strang zwischen Nabel und Blase vollständig entfernt. Der Strangdurchmesser kann mehrere Zentimeter betragen.

Der Strang kann mit Eiter und Harn gefüllt sein.

Nicht selten muss die Blase angeschnitten werden, damit die störenden Strukturen vollständig entfernt werden können. Die Blase muss mit einer feinen Naht verschlossen werden, um keinen Harn durchdringen zu lassen.

Die Schichten der Bauchdecke müssen mit mehreren Nähten verschlossen werden, damit die Wunde das Gewicht des Bauches zu halten vermag. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass die Kälber möglichst mit einem Körpergewicht unter 100 kg operiert werden.

Nachfolgende Illustrationen zeigen die Erkrankung von weiblichen Kälbern, bei denen sich die Nabelstrukturen zwischen Nabelpforte und Leber nicht vollständig zurückgebildet und infiziert haben (Aus: K. Nuss, Erkrankungen der inneren Nabelstrukturen beim Rind, Tierärztl. Praxis 2007; 35, 149-156, Skizzen M. Haab, Pferdeklinik der Universität Zürich).

a) Der Abszess zwischen Nabelpforte und Leber ist abgekapselt und dringt nicht bis in die Leber hinein.

b) Der Nabelvenenabszess konnte durch den operativen Eingriff vollständig und erfolgreich entfernt werden.

Wenn ein Nabelabszess bis in die Leber reicht, ist die Gefahr einer Blutvergiftung sehr gross. Betroffene Kälber zeigen Bauchschmerzen, Trinkunlust und ein reduziertes Allgemeinbefinden und müssen umgehend operiert oder euthanasiert werden.

a) Nabelvenenabszess, der bis in das Lebergewebe reicht.

b) Bei der Operation wird die Abszesskapsel an der Bauchdecke festgenäht (Pfeil)

c) Die Strukturen ausserhalb der Bauchdecke werden eröffnet, damit der Eiter abfliessen kann.

d) Wunde am Abheilen, zwei Wochen nach Operation.

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