25.03.2019 - Vet's Corner 3/2019

Vet’s Corner 3/2019

Sind klein geborene Kälber häufiger krank als Grosse? Was bringt eine Thorax-Ultraschalluntersuchung zur Erkennung von Lungenentzündungen? Wie gross sind die Auswirkungen von Hitzestress auf hochträchtige Tiere und ihre ungeborenen Kälber?

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Little association between birth weight and health of preweaned dairy calves

Glove I D, D C Barrett and KK Reyher

Veterinary Record 2019; accepted and published online.

Diese neue Studie untersucht den Zusammenhang zwischen Geburtsgewicht und Gesundheit von Tränkekälbern in Besuch auf respiratorische Erkrankungen und Durchfall. Zu diesem Zweck wurden auf 3 Holstein-Betrieben in Süd-West-England insgesamt 476 Kälber untersucht und folgende Parameter erhoben: Geburtsgewicht, Trächtigkeitsdauer, Serumtotalprotein, Geschlecht, Jahreszeit bei Geburt und Geburtsbetrieb. Infolge fehlender Daten bei einigen Tieren, konnten schlussendlich die Daten von 244 Tieren ausgewertet werden. Alle Betriebe wurden wöchentlich von einem Tierarzt besucht und alle neugeborenen Kälber untersucht und beprobt. Die Kälber wurden mittels Faeces-Score auf das Vorhandensein von Durchfall beurteilt und mittels dem Wisconsin und dem California Calf Health Score auf das Vorhandensein von respiratorischen Erkrankungen.

Die vorliegende Studie konnte keinen Zusammenhang herstellen zwischen einem tiefen Geburtsgewicht und der Auftretenswahrscheinlichkeit von respiratorischen oder intestinalen Erkrankungen. Dies kann laut den Autoren verschiedene Gründe haben, u.a. wird diskutiert, dass die Folgen von kleinem Geburtsgewicht eher nach dem Absetzen zum Vorscheinkommen oder dass die Resultate verfälscht wurden, da die kleinen Kälber bewusst oder unbewusst besser betreut wurden.

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Growth of preweaned, group-housed dairy calves diagnosed with respiratory disease using clinical respiratory scoring and thoracic ultrasound – A cohort study

Cramer M C and T L Ollivett

Journal of Dairy Science 2019; 102: 1-10.

Das Ziel dieser amerikanischen Kohortenstudie war es einerseits, ein vereinfachtes Schema für die Thorax-Ultraschalluntersuchung (TUS) beim Kalb zu prüfen und andererseits festzustellen, ob es zusätzlich Sinn macht, einen klinischen Respirations-Score (KRS) zu bestimmen. Bisher wurde davon ausgegangen, dass die TUS dem KRS überlegen ist in der Erfassung von Lungen-kranken Kälbern zur Voraussage von reduzierten Tageszunahmen (TZN). Gemäss amerikanischen Milchproduzenten führen respiratorische Erkrankungen zu 23% aller Todesfälle bei weiblichen Aufzuchtkälbern. Hinzu kommen weitere Effekte wie reduzierte TZN und langfristig reduzierte Milchproduktion.

In der beschriebenen Studie wurden hierfür 233 Kälber eines Milchviehbetriebes in Ohio USA untersucht. Zweimal pro Woche wurde eine TUS durchgeführt sowie der KRS (anhand von Nasen, Augen, Ohren, Husten und Rektaltemperatur der Kälber; Wisconsin Calf Health Score) bestimmt.

Die Resultate dieser Studie zeigen, dass zur Voraussage von reduzierten TZN die bisher gebräuchliche 6-Level-TUS durch eine einfachere 2-Level-TUS ersetzt werden kann, welche die Tiere nur noch in 2 Gruppen einteilt: Lungenkonsolidierungen ? 1cm und Lungenkonsolidierungen < 1cm. Wenn diese 2-Level-TUS zusätzlich mit einem KRS kombiniert wird, können die Voraussagen sogar noch weiter optimiert werden.

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Physiology Symposium: Effects of heat stress during late gestation on the dam and its calf

Tao S, G E Dahl, J Laporta, J K Bernard, R M Orellana Rivas and T N Marins

Journal of Animal Science 2019; accepted and published online.

Dieser Artikel fasst die aktuellen Erkenntnisse zusammen, welche zum Thema Hitzestress bei hochträchtigen Rindern vorliegen. Werden die Tiere vor dem Abkalben zu hohen Umgebungstemperaturen ausgesetzt, beeinflusst dies Gewebeentwicklung, Stoffwechsel und Immunfunktion von Mutter- und Jungtier.

Frühlaktierende Kühe, welche in der Trockenstehzeit Hitze ausgesetzt waren, zeigen einen reduzierten Grad an Insulin-Resistenz im peripheren Gewebe sowie reduzierte Fettgewebsmobilisierung im Eutergewebe, was wiederum zu reduzierter Milchleistung führt. Zusätzlich wird die Plazentafunktion durch die Hitze beeinflusst und die Sekretion von Hormonen reduziert, was wiederum zu vermindertem fetalen Wachstum und geringeren Geburtsgewichten bei den Kälbern führt. Das Körpergewicht von Kälbern aus Muttertieren, welche unter Hitzestress litten, bleibt mind. 1 Jahr lang erniedrigt verglichen mit Kälbern aus nicht-Hitzegestressten Müttern. Diese Jungtiere zeigen jedoch eine stärkere Fähigkeit, bei schwierigen Stoffwechsel-Situationen Glukose zu resorbieren. Des Weiteren wurde beobachtet, dass die Immunität ebenfalls durch pränatalen Hitzestress beeinträchtigt wird und somit die Kälber eine grössere Wahrscheinlichkeit haben, im späteren Leben zu erkranken und sogar vor der Pubertät die Herde zu verlassen. Es zeigte sich auch, dass solche Tiere eine geringere Milchleistung in den ersten beiden Laktationen aufweisen.

Die Autoren folgern daraus, dass es immens wichtig ist, das Klima für hochträchtige Rinder möglichst optimal zu halten und die Tiere wenn nötig mit Sprühanlagen zu kühlen.

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