27.05.2019 - Vet's Corner 5/2019

Vet’s Corner 5/2019

Was hat die Persönlichkeit eines Kalbes mit seinem Fressverhalten zu tun? Wie unterscheiden sich Therapie-Entscheide von Nicht-Tierärzten zu solchen von Tierärzten? Lesen Sie mehr dazu im neusten Vet’s Corner!

Personality is associated with feeding behavior and performance in dairy calves

Neave H W, J H C Costa, D M Weary, and M A G von Keyserlingk

Journal of Dairy Science 2018; 101: 7437-7449.

Ziel dieser Studie war es, mittels standardisierter Tests Persönlichkeitseigenschaften von Kälbern zu identifizieren und herauszufinden, ob diese mit Fressverhalten und Leistung korrelieren.

Dazu wurden 56 Holstein-Kälber (32 weiblich, 24 männlich) in 7 Gruppen à 8 Tieren eingeteilt. Alle Tiere wurden spätestens 6 Stunden nach der Geburt von der Mutter getrennt, erhielten in der ersten 6 Stunden 4 Liter Kolostrum und wurden für 1 Woche einzeln gehalten, bevor sie in besagte Gruppen umgestallt wurden. In jeder Gruppe hatten jeweils 2 Kälber Anrecht auf 6, 8, 10, bzw. 12 Liter Milch pro Tag. Am 27. Und 76. Lebenstag wurden die Kälber jeweils einzeln 3 verschiedenen Tests unterzogen: 30 Minuten in neuer Umgebung, 10 Minuten mit unbekannter Person, 15 Minuten mit unbekanntem Objekt (schwarzer 140 L Eimer). Dabei wurden 7 verschiedene Verhaltensweisen aufgezeichnet: Verzögerung bis und Dauer der Berührung, Dauer der Aufmerksamkeit, Anzahl der Vokalisierungen, Anzahl durchquerte Quadranten im Testgehege als Mass der Aktivität sowie Dauer von Inaktivität, Erkundung und Spielen.

Bei der Analyse der Daten teilten die Autoren die Kälber in 3 Typen ein (interaktiv, erkundend-aktiv und stimmlich-inaktiv) und stellten fest, dass erkundend-aktive Tiere früher und in grösserer Menge Starterfutter aufnahmen und dementsprechend auch grössere Tageszunahmen aufwiesen. Die Tiere der anderen beiden Typen hingegen wiesen vermehrt erfolglose Versuche am Tränkeautomaten auf. Die vertränkte Milchmenge hatte dabei keinen Einfluss auf das Verhalten. Die Autoren folgern daraus, dass die Persönlichkeitseigenschaften der Kälber und insbesondere ihr Umgang mit Stress durchaus einen negativen Einfluss haben können auf Fressverhalten und Leistung.

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A retrospective cohort study comparing dairy calf treatment decisions by farm personnel with veterinary observation of clinical signs

Olson A, W M Sischo, A C B Berge, A Adams-Progar and D A Moore

Journal of Dairy Science 2018; 102: article in press.

Da Antibiotika häufig an Kälber mit Durchfall verabreicht werden, obwohl es klare Hinweise gibt, dass die Wirksamkeit und Notwendigkeit fraglich sind, war das Ziel dieser Studie, vorgängig gesammelte Daten zu evaluieren und dabei die klinische Einschätzung eines Tierarztes mit der tatsächlich verabreichten Behandlung durch Farm-Personal zu vergleichen. Dazu wurden auf 4 Farmen insgesamt 460 Kälber täglich durch einen Tierarzt und unabhängig davon durch Farm-Personal untersucht. Die Behandlungsentscheide fielen ausschliesslich aufgrund der Beobachtungen durch das Farm-Personal und die Therapien wurden durch Studienpersonal aufgezeichnet.

Dabei fiel auf, dass die Wahrscheinlichkeit Flüssigkeits- oder Elektrolyttherapie zu erhalten für ein Kalb mit klinischen Anzeichen von Dehydrierung bzw. Durchfall bei 8-27% bzw. bei 3-12% lag. Wohingegen die Wahrscheinlichkeit Antibiotika zu erhalten für ein Kalb mit Durchfall mit 23-65% deutlich höher lag. Bei einem Kalb mit klinischen Anzeichen einer respiratorischen Erkrankung lag die Wahrscheinlichkeit einer Antibiotika-Behandlung bei 33-76%.

Die Autoren folgern aus der Auswertung dieser Daten, dass eine erhebliche Diskrepanz besteht zwischen Behandlungsentscheiden durch Farm-Personal im Vergleich zu Entscheiden durch Beobachter, welche sich nach klar definierten klinischen Zeichen richten. Die Autoren sehen hier eine wichtige Herausforderung für Tierärzte, sicher zu stellen, dass die behandelnden Personen klinische Zeichen identifizieren und interpretieren können und die Therapien entsprechend sinnvoll auswählen und zielführend umsetzen.

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