03.07.2019 - Vet's Corner 6/2019

Vet’s Corner 6/2019

Hat die Haltung in Einzel-Iglus einen Einfluss auf den Futterverzehr der Kälber? Wie und unter welchen Einflüssen beurteilen Tierärzte das Wohlbefinden von Kälbern?

Antworten auf diese Fragen finden Sie im neusten Vet’s Corner!
 

Short communication: Pair housing dairy calves in modified calf hutches

Whalin L, D M Weary, and M A G von Keyserlingk

Journal of Dairy Science 2018; 101: 5428-5433.

Ziel dieser Kanadischen Studie war es, Kälber in Einzel-Iglus mit Kälber-Paaren in 2 über den Auslauf verbundenen Iglus (Doppel-Iglus) bezüglich Körpergewicht, Verzehr von Starterfutter sowie Reaktion auf Neuerungen zu vergleichen.

Zu diesem Zweck wurden 30 weibliche Holstein-Kälber am 5. Tag nach der Geburt entweder in Einzel-Iglus (14 Tiere) oder in Doppel-Iglus (8 Paare) untergebracht. Die Milch erhielten sie über Nuckelflaschen (1. Woche 6 L/Tag, 2.-5. Woche 10 L/Tag, Absetzen am Tag 60) sowie Heu und Starterfutter zur freien Verfügung. Die Tiere in den Doppel-Iglus wurden regelmässig überwacht hinsichtlich gegenseitigem Besaugen der Kälber. Am Tag 60 wurde allen Kälbern für 30 Minuten ein neues Futtermittel (TMR) angeboten, welches in identischen Kesseln am gleichen Ort wie das Starterfutter bereitgestellt wurde (Futter-Neophobie-Test).

Die Resultate zeigten zwar keine Unterschiede im Körpergewicht zwischen den beiden Aufstallungssystemen, jedoch bei Tieren im Doppel-Iglu deutlich höhere Starterfutter-Aufnahmen sowie weniger Angst vor neuem Futter und entsprechend höheren TMR-Verzehr im Testzeitraum. Die Autoren dieser Studie, wie auch diverse Arbeiten früher, erklären dies mit verbesserten Sozialkompetenzen der Kälber und der Tatsache, dass die negativen Auswirkungen von neuen Stresssituationen besser toleriert werden, wenn Kälber nicht einzeln gehalten sind. Tiere in Einzelhaltung sind weniger neugierig, spielen weniger und lernen nicht durch imitieren. Gegenseitiges Besaugen wurde in dieser Studie lediglich 5 mal bei 4 Kälber-Paaren beobachtet. Die Autoren betonen, dass eine ausreichende Milchmenge sowie das Tränken über Nuckelflaschen anstelle von Eimern (weniger Saugwiderstand) das gegenseitige Besaugen massiv reduzieren, da so das natürliche Saugbedürfnis der Kälber ausreichend gestillt werden kann. Nicht eingegangen wird in dieser Studie jedoch auf die Auswirkungen von Doppel-Iglu-Haltung auf die Gesundheit der Kälber v.a. in Bezug auf ansteckende Krankheiten.

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Canadian dairy cattle veterinarian perspectives on calf welfare

Sumner C L and M A G von Keyserlingk

Journal of Dairy Science 2018; 101:10303-10316.

Dass Tierärzte in idealer Position sind, um Tierhalter in Bezug auf die Tiergesundheit zu beraten, ist offensichtlich. Neuere Studien haben auch festgehalten, dass Nutztierärzte (NTAs) auch um das gesamte Wohlbefinden der Tiere, im Speziellen um Unterbringung/Stallung, schmerzhafte Eingriffe und den Umgang mit Krankheiten bei adulten Tieren besorgt sind. Es ist jedoch wissenschaftlich wenig bekannt über deren Sichtweisen zum Wohlergehen von Kälbern.

Das Ziel der hier beschriebenen Studie war es daher, NTAs in gelenkte Diskussionen zu verwickeln und dabei besser zu verstehen, was sie über Kälber-Wohlbefinden denken und wo sie Ihre Verantwortlichkeit sehen, dieses zu verbessern. Bei der Auswertung der Gesprächstranskripte konnten 4 grosse Themenbereiche identifiziert werden: 1) NTAs priorisieren oftmals Kälbergesundheit (inklusive Fütterung) gegenüber anderen Bedürfnissen wie Sozialkontakte. 2) NTAs sehen ihre Rolle in der Verbesserung des Kälber-Wohlbefindens in Sinne von Veränderung der Management-Standards auf den Betrieben, unter anderem auch unter dem Druck ihres Berufsstandes, aber auch der Kunden und der Öffentlichkeit. 3) NTAs sehen sich als soziale Einflussnahme und Ausbildner für ihre Kunden. Und 4) sehen NTAs ihre persönlichen Werte und die Berufsethik als Treibkraft, das Kälber-Wohlbefinden zu verbessern.

Zusammenfassend zeigen die Resultate dieser Studie auf, dass NTAs sich um einige Bereiche des Kälber-Wohlbefindens kümmern, jedoch der Meinung sind, dass sie eine aktivere Rolle im Kälber-Management auf den Betrieben haben sollten und dass sie Ihre Rolle in der Verbesserung des Kälber-Wohlbefindens immer unter dem Einfluss von eigenen Wertvorstellungen, den Bedürfnissen der Kundschaft und den Bedenken der Öffentlichkeit ausüben müssen.

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