02.09.2019 - Vet’s Corner 8/2019

Vet’s Corner 8/2019

Zeigen Kälber Veränderungen in ihrem Verhalten vor dem Auftreten von Durchfall? Wie beeinflussen Durchfall oder Nabelentzündung das Liegeverhalten von Kälbern? Beeinträchtigt Hitzestress bei Galtkühen die Milchleistung der ungeborenen Kälber? Details dazu finden Sie im neusten Vet’s Corner.

Physiological an behavioral responses as indicators for early disease detection in dairy calves

Lowe G L, M A Sutherland, J R Waas, A L Schaefer, N R Cox, and M Stewart

Journal of Dairy Science 2019; 102: 5389-5402.

In dieser Studie aus Neuseeland wurde untersucht, ob bei neonatalen Kälbern ein Veränderung von Verhaltensweisen und physiologischen Parametern vor dem Einsetzen von Durchfall zu beobachten ist. Dafür wurden 43 Kälber ab einem Alter von 4 Tagen in die Studie einbezogen und in zwei Gruppen eingeteilt. Neben der Kontrollgruppe (23 Tiere) wurde die zweite Gruppe (20 Tiere) experimentell mit Rota-Virus infiziert durch perorale Verabreichung von Wasser mit kontaminiertem Kot. Alle Tiere wurden täglich untersucht und folgende Parameter erhoben: Trinkverhalten am Tränkeautomat, periphere Körpertemperatur (mittels Infrarot-Thermographie an 5 Körperstellen), Liegeverhalten, Trinkverhalten am Wassertrog und Atemfrequenz.

Die Resultate der Studien zeigen auf, dass der Milchkonsum vor dem Einsetzen von klinischen Symptomen des Kälberdurchfalls zurück geht. Das Liegeverhalten veränderte sich ab 1 Woche vor Beginn des klinischen Durchfalls insofern, als die Gesamtliegezeit und die Anzahl Liegeperioden reduziert, die Dauer der einzelnen Liegeperioden jedoch verlängert waren. Die Atemfrequenz blieb unverändert sowie auch die Anzahl der Besuche am Wassertrog, wobei die Aufenthaltsdauer am Trog verlängert war. Auch die Temperatur der Körperoberfläche zeigte Veränderungen: Die Temperatur im Schulterbereich schien erniedrigt, wohingegen die Temperatur in der Flanke erhöht war.

Die Autoren der Studie sehen diese Veränderungen vor dem klinischen Sichtbarwerden von Kälberdurchfall als Möglichkeiten zur Früherkennung. Betroffene Tiere könnten so früher behandelt und gegebenenfalls separiert werden um weitere Ansteckung zu vermeiden.

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Short communication: The effect of diarrhea and navel inflammation on the lying behavior of veal calves

Studds M J, L L Deikun, D E Sorter, J A Pempek, and K L Proudfoot

Journal of Dairy Science 2018; 101:11251-11255.

Diese Amerikanische Studie untersuchte das Liegeverhalten von 125 männlichen Holstein-Kälbern mit Durchfall und Nabelentzündung auf einem Mastberieb. Die Kälber wurden einzeln auf Metal-Spaltenboden untergebracht und nach ihrem Eintreffen mit einem 3D-Akzelerometer ausgerüstet um das Liegeverhalten aufzuzeichnen. Über zwei Wochen wurde die Kälber zwei Mal wöchentlich klinisch untersucht, wobei die Rektaltemperatur, ein Nabel-Score (0 = normal bis 3 = stark entzündet) sowie ein Durchfall-Score (0 = normal bis 3 = wässerig) erhoben wurden. Ein Kalb galt als Omphalitis- bzw. Durchfall-Patient, sobald der Score an 3 von 4 Messtagen 2 lag.

Nun wurde das Liegeverhalten der Kälber mit Nabelentzündung (n = 22) und Durchfall (n = 15) mit dem der gesunden Tiere (n = 18) verglichen. Entgegen den Vermutungen der Autoren zeigten die erkrankten Kälber beider Gruppen eine reduzierte Liegezeit verglichen mit gesunden Kälbern. Im Fall der Omphalitiden wird spekuliert, dass sich die Kälber – ähnlich wie Kühe mit akuter Mastitis in einer anderen Studie – weniger gerne hinlegen aufgrund der Schmerzen am ventralen Abdomen. Bei den Kälbern mit Durchfall wird vermutet, dass sich die Tiere weniger gerne auf den verschmutzten und nassen (und somit weniger rutschfesten) Spaltenboden legten und somit mehr Zeit im Stehen verbrachten. Die Autoren fordern Mäster auf, die Einrichtungen anzupassen, damit bequemes Liegen speziell für erkrankte Kälber gut möglich ist und ihnen hilft, sich schneller zu erholen.

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In utero heat stress programs reduced performance and health in calves

Dahl G E, A L Skibiel, and J Laporta

Veterinary Clinics of North America: Food Animal Practice 2019;35:343-353.

Diese Amerikanische Übersichtsarbeit evaluiert den Einfluss von Hitzestress bei hochträchtigen Kühen in der Trockenstehzeit auf die Leistung und die Gesundheit der Kälber. Folgende Kernaussagen werden diskutiert: A) In Utero Hitzestress reduziert das Geburtsgewicht der Kälber. B) In Utero Hitzestress hat einen negativen Einfluss auf den Immunstatus der Kälber postnatal, da zwar nicht die Kolostrumqualität beeinträchtigt ist, wohl aber die IgG-Aufnahmekapazität der Kälberdarmes nach der Geburt deutlich reduziert ist. Bei Kälbern von hitzegestressten Kühen wurden niedrigere IgG-Werte im Blut gemessen als bei Kälbern von Muttertieren ohne Hitzestress. Diese Kälber mit reduziertem Immunstatus sind somit anfälliger für Krankheiten und erreichen ggf. gar nie die erste Laktation. C) Rinder aus hitzegestressten Kühen produzieren in der ersten beiden Laktationen weniger Milch als Tiere aus Muttertieren ohne Hitzestress. Die Autoren erklären dies damit, dass die Entwicklung des Eutergewebes in utero beeinträchtigt wird, was dann auch das postnatale Wachstum des Eutergewebes negativ beeinflusst. Es konnte gezeigt werden, dass das Euter von Tieren aus hitzegestressten Muttertieren mehr Bindegewebe enthielt, die Alveolen kleinere Lumina aufwiesen und somit die Milchsekretionskapazität deutlich reduziert war.

In den USA werden die jährlichen Verlustkosten infolge Hitzestress (reduzierte Milchleistung, erhöhte Morbidität und Mortalität bei Rindern) auf 1.5 Milliarden Dollar geschätzt. Die Autoren weisen daher mit ihrer Arbeit darauf hin, dass es unter anderem von grosser ökonomischer Wichtigkeit ist, den Hitzestress bei Galtkühen nach Möglichkeit zu vermeiden.

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