06.11.2019 - Vet's Corner 10/2019

Vet’s Corner 10/2019

Heute geht es um das wichtigste Futtermittel überhaupt – das Wasser. Trinken Kälber in den ersten Lebenstagen überhaupt Wasser? Welche Auswirkungen hat eine allfällige frühe Wasseraufnahme auf die Futteraufnahme, das Wachstum und die Gesundheit? Beeinflusst eine schlechte Trinkwasserqualität die Wasseraufnahme? Beeinflusst eine verminderte Wasseraufnahme die Futteraufnahme? Wenn Kühe die Möglichkeit zu wählen haben, wie gehen sie mit verunreinigtem Wasser und nassen oder schmutzigen Liegeflächen um?

Drinking water intake of newborn dairy calves and its effects on feed intake, growth performance, health status, and nutrient digestibility

Wickramasinghe HKJP, AJ Kramer, JADRN Appuhamy

J. Dairy Sci. 2019; 102: 377-387.

Das Ziel der Studie war es zu prüfen, wie sich Wachstum, Gesundheitsparameter und Futterverdaulichkeit bei Kälbern unterscheiden, die entweder frisches Wasser ab dem ersten Lebenstag angeboten bekamen oder aber erst ab dem 17. Lebenstag Zugang zu frischem Wasser hatten. Beide Tiergruppen von jeweils 15 Kälbern bekamen Milch semi-ad libitum bis zum 42. Lebenstag gefüttert und wurden bis zum 49. Lebenstag abgetränkt. Kälber, die Wasser ab der Geburt zur freien Verfügung hatten, konsumierten im Schnitt 0.75 ± 0.05 kg/Tag Wasser während der ersten beiden Lebenswochen. Tiere, die erst ab dem 17. Lebenstag Zugang zu Wasser hatten, konsumierten anschliessend bis zum Abtränken 59 % mehr Wasser als die Kälber, die bereits ab der Geburt Zugang zu Wasser hatten. Die Milchaufnahme war während der Tränkeperiode bei den Kälbern, die ab der Geburt Wasser angeboten bekamen, um 0.285 kg pro Tag höher als bei Tieren, die erst später Wasser erhielten. Die Rate an Durchfallerkrankungen und die Intensität des Durchfalls sowie auch der allgemeine Gesundheitszustand waren bei beiden Gruppen identisch. Obwohl es keine signifikanten Unterschiede in der Festfutteraufnahme gab, waren Tiere, die früh Zugang zu Wasser hatten, höher und länger und zeigten eine bessere Futterverwertung. Im Alter von 5 Monaten hatten Kälber, die ab Geburt Wasser und Futter angeboten bekamen, ein höheres Lebendgewicht. Es liegt daher nahe, dass eine frühe Wasseraufnahme die Pansenentwicklung fördert und die Futterverwertung verbessert.

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Manure contamination of drinking water influences dairy cattle water intake and preference

Schütz KE, FJ Huddart, NR Cox

Appl. Anim. 2019; 217: 16-20.

Zahlreiche Studien zeigen, dass die Wasseraufnahme von Rindern eng mit der Futteraufnahme korreliert und eine verminderte Tränkeaufnahme schnell zu einem schlechten Allgemeinzustand und schlechten Produktionsdaten führt. In dieser prospektiven Studie wurde die Wasser- und Futteraufnahme von 18 Galtkühen untersucht, die für jeweils 5 Tage Wasser mit unterschiedlicher Qualität angeboten bekamen, und zwar entweder sauber, wenig kontaminiert (0.5 g Gülle/L Wasser) oder stark verschmutzt (1 g Gülle/L Wasser). Nach einem Erholungstag mit sauberem Wasser bekamen die Kühe für weitere 5 Tage eine andere Wasserqualität. In der letzten Phase von 5 Tagen konnten die Kühe zwischen zwei Wasserqualitäten auswählen. Der Grad der Verschmutzung beeinflusste die Tränkeaufnahme signifikant. Die tägliche Wasseraufnahme lag bei 37.0 L bei sauberem Wasser und reduzierte sich mit zunehmender Verschmutzung um 10 % (wenig kontaminiertes Wasser) bzw. um 28 % (stark verschmutztes Wasser). Die tägliche Wasseraufnahme schwankte in den 5 Tagen nicht signifikant. Die Futteraufnahme wurde nicht signifikant beeinflusst von der Wasseraufnahme. In der Phase, in der die Kühe Wasser auswählen konnten, zeigte sich eine klare Präferenz für sauberes Wasser. Die Ergebnisse lassen auf die herausragende Bedeutung einer hohen Wasserqualität für Leistungs- und Gesundheitsparameter von Milchkühen schliessen.

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Effects of 3 surface types on dairy cattle behavior, preference, and hygiene

Schütz KE, VM Cave, NR Cox, FJ Huddart, CB Tucker

J. Dairy Sci. 2019; 102: 1530–1541.

Kühe versuchen, verschmutzte Boxen zu meiden. Bis anhin ist jedoch unklar, welche Gründe dafür ausschlaggebend sind. Diese Studie untersuchte das Liegeverhalten von 18 Galtkühen. An 18 Stunden pro Tag waren sie ohne Zugang zu Futter auf Holzschnitzeln aufgestallt, die restlichen 6 Stunden auf der Weide zur Futteraufnahme. Das Holzschnitzelbett war entweder sauber und trocken (44 ± 3% TS), nass (mit sauberem Wasser benässt, DM von 23 ± 3 %) oder schmutzig (mit Gülle kontaminiert, 40 ± 4% TS). Auf jeder Liegefläche wurden die Kühe einzeln für jeweils 5 Tage gehalten.
Es zeigte sich, dass Kühe, die auf einer nassen Oberfläche aufgestallt waren, am wenigsten lagen (Liegezeit: trocken: 64%, nass: 21%, schmutzig: 57%,) und kompensatorisch auf der Weide vermehrt lagen (trocken: 3%, nass: 13%, schmutzig: 4%). Sie nutzten die Zeit auf der Weide zu einem Grossteil, um zu liegen statt Futter aufzunehmen. Die Gesamtliegezeit war dennoch auf der schmutzigen und auf der nassen Fläche kürzer als auf der trockenen Fläche. Zudem lagen die Kühe auf nassem Schnitzel weniger in einer lateralen Position und zogen die Füsse eher nahe an den Körper.
Wenn die Kühe die Wahl hatten, bevorzugten sie die saubere und trockene Fläche klar (98% der Zeit verbrachten sie darauf) gegenüber der schmutzigen oder nassen Fläche. Wenn die Kühe zwischen schmutzig und nass wählen konnten, wählten sie die schmutzige Fläche und verbrachten 94% der Zeit darauf. Es konnte zudem eine Tendenz (nicht signifikant) gesehen werden, dass die Kühe versuchten, nicht auf die saubere Fläche zu urinieren und zu koten. Kühe zeigen eine klare Aversion gegenüber nassen Liegeflächen und zeigen auf Grund dessen ein vermehrtes Stehen, welches bekanntermassen viele negative Auswirkungen haben kann.

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