13.09.2018 - Mittelohrenentzündungen - Teil 1

Mittelohrentzündungen – Teil 1

Seit geraumer Zeit sind auf Betrieben vermehrt Probleme mit Mittelohrentzündungen bei Kälbern sowohl auf Geburtsbetrieben als auch auf Mastbetrieben festzustellen. Die West- und Zentralschweiz scheinen zur Zeit noch häufiger betroffen zu sein als die Ostschweiz.

Anatomie

Das Mittelohr stellt einen Hohlraum dar. Eine Infektion bzw. Entzündung dieses Hohlraums stellt uns vor besondere Herausforderungen. Hier geht es zu den Illustrationen.

Entstehung einer Mittelohrentzündung

Es ist nicht abschliessend geklärt, wie und unter welchen Umständen Mittelohrentzündungen vermehrt und als Bestandesproblem auftreten. Sehr häufig besteht ein Zusammenhang zwischen Atemwegsinfektionen und Infektionen, die über die Eustachische Röhre in das Mittelohr aufsteigen. Grundsätzlich ist bei Mensch und Tier zu beobachten, dass Mittelohrentzündungen fast ausschliesslich bei Kindern bzw. jungen Tieren auftreten. Dies hat einerseits mit dem noch unausgereiften Abwehrsystem des Körpers zu tun und andererseits mit der Länge der Eustachischen Röhre, die den Rachenraum mit dem Mittelohr verbindet. Je jünger ein Tier, desto kürzer die Eustachische Röhre und desto einfacher ist es für Bakterien, vom Rachenraum in das Mittelohr zu gelangen und dort eine Entzündung zu verursachen. Es ist gemäss heutigem Wissensstand davon ausgehen, dass diverse Typen der Bakterienfamilie „Mycoplasmen“ eine zentrale Rolle bei der Entstehung von Mittelohrentzündung spielen.

Mittelohrentzündung im Frühstadium – Früherkennung ist das A und O

Spricht man mit Menschen, die als Kind an Mittelohrentzündung gelitten haben, erinnern sich diese meist an die starken Schmerzen. Ein Kalb kann seinem Schmerz nicht lautstark Ausdruck geben. Erfahrene Kälberbetreuer/innen erkennen am müden und/oder angestrengten Gesichtsausdruck, dass ein Kalb am Anfang einer Krankheit steht. Bei einer beginnenden Mittelohrentzündung ist dieser angestrengte Gesichtsausdruck häufig zu erkennen, wobei er oft nur zeitweise zu beobachten ist, während das Kalb ansonsten noch keine Auffälligkeiten zeigt. Die Mehrzahl der Kälber hat zu diesem Zeitpunkt noch kein Fieber (< 39.0 °C). Zeigt das Kalb aber vermehrtes Kopfschütteln, eine – oft auch nur zeitweise – asymmetrische Ohrstellung (siehe Bild), vermehrtes Kratzen mit den Hinterbeinen am Ohr oder scheuert das Kalb mit dem Kopf wiederholt an der Stallwand, ergibt sich stets die Verdachtsdiagnose auf eine Mittelohrentzündung. In diesem Stadium empfiehlt sich mindestens die Gabe eines Entzündungshemmers bzw. Schmerzmittels und unbedingt die Beurteilung des Zustandes des Tieres am Tag danach.

Lesen Sie im nächsten CHälber aktuell den Teil 2 zum empfohlenen Behandlungsschema, den möglichen Komplikationen einer Mittelohrentzündung und zu Schutzfaktoren, um die Krankheitsfälle von Mittelohrentzündungen zu reduzieren.

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