14.05.2020 - Pink-Eye bei Rindern: Wenn Rinder auf der Weide erblinden …

Bei Pink Eye, auch als Weidekeratitis bekannt, handelt es sich um die häufigste Augenkrankheit bei den Rindern. Im Fachbeitrag wird das Erregerspektrum mit Krankheitsbild und Behandlung erläutert. Die konkreten Tipps für die tierärztliche und betriebliche Praxis zeigen die Ausgestaltung der prophylaktischen Massnahmen auf.

Pink eye, Weidekeratitis, IBK... die Krankheit hat viele Namen, denn es handelt sich um die häufigste Augenkrankheit der Rinder und ist weltweit verbreitet. Die korrekte Bezeichnung lautet infektiöse bovine Keratokonjunktivitis (IBK), was soviel heisst wie „ansteckende Entzündung von Hornhaut und Bindehaut beim Rind“. Sie führt bei betroffenen Tieren zu Appetitlosigkeit, Orientierungslosigkeit und somit zu Mast- und Milchleistungseinbussen. Hohe Behandlungskosten und im schlimmsten Fall Totalausfälle sind wirtschaftlich bedeutende Faktoren.

Erreger
Ausgelöst wird die IBK durch ein kleines, gram-negatives Bakterium namens Moraxella bovis, teilweise auch durch Moraxella bovoculi. Diese Erreger leben auf den Schleimhäuten von Rindern. Sie überleben in der Umwelt sehr kurz, da sie sehr empfindlich sind gegen Austrocknung. In den Speicheldrüsen von Fliegen können sie hingegen bis zu 72 Stunden überleben und machen Fliegen so zu wichtigen Überträgern («Vektoren»). Die Erreger führen zu Erkrankungen, da sie sog. Fimbrien besitzen (d. h. fadenförmige Strukturen auf der Bakterienoberfläche), welche die Anhaftung an die Hornhaut ermöglichen und sog. Zytotoxine (Zellgifte) bilden, also Enzyme, welche in Hornhautzellen eindringen und diese zerstören können.

Vorkommen
Die Krankheit tritt v. a. in der wärmeren, Insekten-reichen Jahreszeit gehäuft auf und betrifft meist weidende Tiere unter 2 Jahren. Weitere begünstigende Faktoren sind Staub, Pollen, hohe Gräser, Wind, UV-Licht und ein Vitamin A-Mangel. Auch Viren oder andere Bakterien können als Wegbereiter fungieren.

Übertragung
Die Erreger werden meist von Fliegen übertragen, aber auch direkter Kontakt (v. a. mit Tränenflüssigkeit) und Aerosole spielen eine Rolle.

Erkrankung
Betroffene Tiere sondern sich oft von der Herde ab und zeigen anfänglich Tränenfluss, Lichtscheue und zugekniffene Augen (ein- oder beidseitig möglich). Später zeigen sich eine Rötung und Schwellung der Bindehaut sowie ein Ödem und die Trübung der Hornhaut. Es bildet sich ein Hornhautgeschwür, welches sich vorwölbt, in seltenen Fällen nach aussen durchbricht und zur Erblindung führen kann. Die bei diesem Entzündungsprozess stattfindende, rötliche Gefässeinsprossung gibt der Krankheit den Namen Pink eye.

Behandlung
Ist die Krankheit bereits ausgebrochen, sollten die betroffenen Tiere mit Antibiotika (Aminopenicillin, Tetrazyklin, Florphenicol) behandelt werden. Die Therapie kann sowohl systemisch (per Injektion) als auch topisch (ins Auge) erfolgen. Erkrankte Tiere sollen vor Staub, Sonnenlicht und Fliegen geschützt werden, zum Beispiel durch Aufstallung. Sind beide Augen eines Tieres betroffen, gilt es daran zu denken, dass diese Tiere nahezu blind sind und z. B. Tränkebecken nicht auffinden können – ihre gute Versorgung muss dann durch den Landwirt sichergestellt werden. Hygienemassnahmen (Handschuhe, evt. Schutzkleidung) sind zur Verhinderung der weiteren Verbreitung empfehlenswert.

Prophylaxe
Zur Vorbeugung dieser Krankheit haben sich zwei Massnahmen bewährt. Erstens sollen Fliegen bekämpft werden (z. B. durch Repellentien) und zweitens ist eine Impfung auf dem Markt (Piliguard® Pinkeye-1). Die Praxiserfahrung zeigt, dass die Impfung jedoch aufgrund der grossen Variabilität der Oberflächenantigene des Erregers nur zu einer begrenzt belastbaren Immunität führt, und somit keinen vollständigen Schutz vor der Krankheit bietet. Erkrankte Tiere sollten abgesondert werden, damit sie nicht andere Tiere direkt oder indirekt anstecken können. Wenn geimpft wird, ist es sinnvoll, die Impfung 3-6 Wochen vor der Alpung durchzuführen. Im Falle eines grossen Bestandesproblems mit IBK ist auch die Herstellung einer Stall spezifischen Vakzine in Erwägung zu ziehen.

Auge eines Rindes mit Trübung der Hornhaut sowie sowie Geschwür (Ulkus).

Foto © KGD

 

 

 

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Infectious bovine keratoconjunctivitis: A review of cases in clinical practice

 

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