21.08.2020 - Vet's Corner 7/2020

Die Luftqualität ist entscheidend für die Kälbergesundheit. Welche Parameter haben aber direkten Einfluss auf die Pneumonierate von Kälbern? Korrelieren die Befunde aus der tracheoalveolären Lavage überhaupt mit den klinischen und ultrasonographischen Befunden? Wie genau ist die Lungenauskultation um eine Pneumonie diagnostizieren zu können?

Associations of barn air quality parameters with ultrasonographic lung lesions, airway inflammation and infection in group-housed calves

Van Leenen K, J Jouret, P Demeyer, L Van Driessche, L De Cremer, C Masmeijer, F Boyen, P Deprez, B Pardon
Prev Vet Med 2020; 181: 105056.

Das Stallklima gilt als wichtige Ursache für den Bronchopneumoniekomplex beim Rind. Wie stark einzelne Parameter des Stallklimas eine Rolle bei der Entstehung der enzootischen Bronchopneumonie (EBP) spielen, wurde bisher noch nie untersucht. In der vorliegenden Studie wurden anfangs 2017 60 Betriebe besucht und 428 Kälber untersucht und beprobt. Zur Stallklimabeurteilung wurden folgende Parameter untersucht: 24 Stunden lang wurde der Ammoniakgehalt, die relative Luftfeuchtigkeit und die Temperatur gemessen. Einmalig wurden folgende Parameter erhoben: Luftgeschwindigkeit, CO2 und der bakterielle Gehalt in der Luft. Die Kälber wurden klinisch untersucht, es wurde eine sonographische Untersuchung des Thorax, sowie eine broncheoalveoläre Lavage zur bakteriologischen und zytologischen Untersuchung durchgeführt.

Die durchschnittliche Temperatur lag bei 14.2°C, die durchschnittliche relative Luftfeuchtigkeit bei 68.8% und die durchschnittliche Ammoniakkonzentration bei 1.7 ppm. Lungenkonsolidierungen mit einer Tiefe von ≥ 1cm konnten bei 41.1%, ≥ 3cm bei 27.1% und ≥ 6cm bei 16.1% der Kälber gesehen werden.
Die durchschnittliche Temperatur war positiv assoziiert mit der sonographischen Lungenkonsolidierung ≥ 1cm (P = 0.005), ≥ 3cm (P = 0.002), ≥ 6cm (P < 0.01). Die Ammoniakkonzentration (in Stunden >4ppm) war positiv assoziiert mit der Lungenkonsolidierung ≥ 1cm (P = 0.04). Luftgeschwindigkeiten von über 0.8m/s zeigte eine Assoziation zu Lungenkonsolidierungen ≥ 3cm (P = 0.04) und ≥ 6cm (P = 0.03). Je höher die Ammoniakkonzentration je höher war der durchschnittliche Epithelgehalt in der BAL (P = 0.01). Die Prävalenz für das Auftreten von Lungenkonsolidierungen > 1cm war höher in warmen, trockenen Ställen mit einem hohen Ammoniakgehalt in der Luft (54.2%, P 0.02) als in normal klimatisierten Ställen (31.6%). Von den einmalig erhobenen Parameter waren nur die durchschnittliche Temperatur, die Ammoniakkonzentration und die Luftgeschwindigkeit assoziiert mit der klinischen Lungenentzündung und stellen einfache und kostengünstige Parameter zur Evaluation des Stallklimas dar.

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Comparison of bronchoalveolar lavage fluid bacteriology and cytology in calves classified based on combined clinical scoring and lung ultrasonography

Van Leenen K, L Van Driessche, L De Cremer, C Masmeijer,F Boyen, P Deprez, B Pardon
Prev Vet Med 2020; 176: 104901.

Das Ziel dieser Studie war es bakterielle und zytologische Resultate von broncheoalveolären Lavagen zwischen gesunden und an einer oberen Atemwegserkrankung und an subklinischer und klinischer Pneumonie erkrankten Tieren zu vergleichen. Es wurden 305 Kälber und Rinder, welche auf 62 Betrieben aufgestallt waren, miteinbezogen. Die Tiere wurden mittels klinischer und ultrasonographischer Untersuchung eingeteilt. Dabei wurden 25.9% (79/305) als gesund eingestuft. 33.1% (101/305) zeigten eine Erkrankung der oberen Atemwege, 10.2% (31/305) eine subklinische und 30.8% (94/305)eine klinische Pneumonie. Die bakterielle Isolationsrate und die quantitativen BAL-Kulturresultate unterschieden sich zwischen den Gruppen jedoch erstaunlicherweise nicht. Kälber mit einer klinischen Pneumonie und einer neutrophilen Phagozytose zeigten eine signifikant höhere Prozentzahl an Neutrophilen in der BAL und eine tiefere Anzahl an Lymphozyten (59%) im Vergleicht zu den Gesunden (37.7%m P=0.03). Die Klassifikation der Kälber mittels Ultraschall und der klinischen Untersuchung zeigte keine Assoziation zu den Resultaten der Bakteriologie und Zytologie aus der bronchoalveolären Lavage. Die Isolation von respiratorischen Pathogenen von Kälbern muss daher mit Vorsicht interpretiert werden.

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Accuracy and inter-rater reliability of lung auscultation by bovine practitioners when compared with ultrasonographic findings

Pardon B, S Buczinski, PR Deprez
Vet Record 2019; 185: 109.

In dieser Studie haben 49 holländische Tierärzte zwischen 8-10 Kälbern auskultiert. An Hand des Auskultationbefundes ohne Hilfe von weiteren klinischen Parametern mussten die Tierärzte entscheiden, ob sie dieses Tier antibiotisch behandeln würden oder nicht. Die Befunde wurden mit der sonographischen Untersuchung verglichen, wobei Lungenkonsolidierugnen von ≥1cm als Pneumonie betitelt wurden. Die durchschnittliche Sensitivität war 0.63 und die Spezifität 0.46. Von allen Tierärzten waren 8.2% 100% sensitiv und 16.3% 100% spezifisch und nur 4.0% entschieden perfekt. Im Anbetracht der schlechten diagnostischen Aussagekraft der Lungenauskultation und im Speziellen der grossen Variabilität zwischen den einzelnen Tierärzten, liegt der Verdacht nahe, dass Tiere mit einer Pneumonie unbehandelt bleiben und gesunde Tiere behandelt werden. Da normalerweise selten nur eine Auskultation der Lunge gemacht wird, ist zu hoffen, dass eine vollständige klinische Untersuchung die Sensibilität und Spezifität etwas erhöhen würde. Eine Absicherung mittels weiteren diagnostischen Möglichkeiten könnte die Fehldiagnostikrate ebenfalls etwas senken.

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