Der IS ABV Bericht 2022: was gibt’s Neues ?

Das Informationssystem Antibiotika in der Veterinärmedizin (IS ABV) ist Bestandteil der nationalen Strategie Antibiotikaresistenzen (StAR) der Schweiz. Seit 2019 werden dafür alle Verschreibungen von Antibiotika durch Tierärztinnen und Tierärzte in einer Datenbank gesammelt und ausgewertet. Der aktuelle Bericht wurde Anfang Dezember 2023 vom BLV veröffentlicht und listet die Ergebnisse des Jahres 2022 auf insgesamt 52 Seiten auf.

Zunächst fällt wie in den Vorjahren ein weiterer Rückgang der Gesamtmenge antibiotischer Wirkstoffe auf, die bei Nutztieren eingesetzt wurden. Gegenüber 2013 hat sich diese Menge halbiert (ARCH-Vet Bericht 2022). Ebenso wie in den letzten beiden Jahren wurden bei Rindern die grössten Wirkstoffmengen eingesetzt (16.3 t), wobei die Mastkälber und -rinder innerhalb der verschiedenen Nutzungskategorien der Rinder wiederum einen unrühmlichen Spitzenplatz einnahmen. Positiv fällt auf, dass für Mastkälber und -rinder in 2022 gegenüber 2021 fast 12 % geringere Mengen gemeldet wurden (6.1 vs. 6.9 t Wirkstoffe). Leider bleibt unklar, ob dieser Rückgang real ist angesichts erheblicher Mengen, die auf Vorrat bzw. ohne Angabe einer Nutzungskategorie gemeldet wurden (5.3 t). Im Hinblick auf die Anzahl der Behandlungen sowie die Behandlungen pro 1'000 Tiere ergaben sich keine wesentlichen Veränderungen gegenüber den Vorjahren.  Allerdings war ein deutlicher Rückgang des Einsatzes kritischer Antibiotika in allen Nutzungskategorien, besonders deutlich aber bei den Mastkälbern, nachweisbar.

Der IS ABV Bericht enthält zudem eine detaillierte Auflistung des quantitativen Einsatzes der verschiedenen Wirkstoffklassen. Penicilline, Tetrazykline und Sulfonamide machten demgemäss über 80 % der gesamten Wirkstoffmenge aus. Bezüglich der wichtigsten Indikationen für den Einsatz von Antibiotika fallen drastische Unterschiede zwischen Rindern und Schweinen auf: bei Rindern – und hier wiederum in erster Linie bei Kälbern – standen Behandlungen aufgrund von  Atemwegsinfektionen unangefochten im Vordergrund, während Behandlungen aufgrund von Durchfall und Verdauungsstörungen eine untergeordnete Rolle spielten. Bei Schweinen hingegen war es umgekehrt: gastrointestinale Erkrankungen waren fünfmal häufiger ausschlaggebend für antibiotische Behandlungen als Atemwegserkrankungen. Hier mag zum Ausdruck kommen, dass die erfolgreiche Flächensanierung von APP und EP in der Schweiz zu einem drastisch geringeren Einsatz von Antibiotika im Kontext mit respiratorischen Erkrankungen führte – ein Beispiel für die Sinnhaftigkeit langfristig angelegter Bekämpfungsprogramme besonders relevanter Infektionserreger.

Interessant sind auch die Auswertungen der Behandlungen von Hunden, Katzen und Pferden im IS ABV-Bericht. Entsprechend wurden bei diesen Spezies insgesamt etwa 2 t Wirkstoffe eingesetzt, wobei Sulfonamide und Penicilline mengenmässig im Vordergrund standen.

Viele weitere Auswertungen und Details vermittelt eine Durchsicht des Berichts, der unter  www.blv.admin.ch/blv/de/home/tiere/tierarzneimittel/antibiotika/isabv.html kostenfrei abgerufen werden kann.

 

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